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20 Jahre

18. März 2010

Die friedliche Revolution

Bündnisgrüne erinnern an Wegmarken des Jahres 1989/90.

Marie-Luise Beck MdBMarieluise Beck über den 4. November

Es ist kein Geheimnis, dass trotz aller westdeutschen Wiedervereinigungsrhetorik der Glaube an die tatsächliche Möglichkeit einer solchen Entwicklung im krassen Gegensatz zu den Worten stand. Am 4. November stand die Mauer noch. Erich Honecker war schon weg, aber Egon Krenz war noch da. In der DDR veränderte sich etwas sehr grundsätzlich. Aber von Wiedervereinigung war noch keine Rede. Dafür von Demokratie und dem Ende der SED-Herrschaft.

Ich muss gestehen, dass ich längst zuvor schon begonnen hatte, mich vor Reisen in die DDR zu drücken: Schon die hochnotpeinlichen Durchsuchungen an der Grenze brachten mich zur Weißglut, die Meldeauflagen machten mich stinksauer und die Arroganz der Vopos empfand ich als ständige Provokation.

Die mit Lichtgeschwindigkeit sich entwickelnden Ereignisse in und um den Osten vermochte ich so kaum in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen.

Noch war für mich nicht klar, was passierte und wohin das alles führen würde. Aber dass etwas Phänomenales passierte, machte nicht nur die dramatische Ausreise über die Tschechoslowakei klar, sondern auch die große Demonstration der 500.000, die in Ost-Berlin auf dem Alexanderplatz stattfand.

Ich habe Bilder aus dem Fernsehen vor mir von der Menschenmenge und einem großen Podium, wo die bekannten Gesichter der Bewegung auftraten. Ich erinnere mich an Stefan Heym, Marianne Birthler. Die Schauspielerin Steffi Spira beeindruckte mich besonders. Und wer hätte damals gedacht, dass Jens Reich, einer der Redner, einmal unser Kandidat für das Bundespräsidentenamt würde?

Und dann war da Markus Wolf! Was war das für eine Manifestation - wo sollte sie hinführen, wenn der Kopf des DDR-Unterdrückungssystems auf dieser Demonstration sprechen konnte?

Der Auftritt von Markus Wolf machte selbst der "Wessi" klar, dass diese Demonstration einen zumindest schillernden Charakter hatte. War das der Weg nach draussen oder der Versuch, das System nach innen noch einmal zu stabilisieren?

Keine Woche später fiel die Mauer. Schnell wurde klar, wie es weitergehen würde. Der 4. November gehört zu den Tagen, an denen anschaulich wurde, welche Kraft eine Massenbewegung haben kann.

 

Zusätzliche Information

Foto: Copyright by denk