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Monika Lazar über den 2. Oktober
Ich studierte in Leipzig an der Handelshochschule. In den Vorlesungen und Seminaren wurde vor den gefährlichen Demonstranten gewarnt. Alle StudentInnen wurden aufgefordert, nach der letzten Veranstaltung in der Hochschule sofort ins Wohnheim zu fahren und sich ja nicht im Leipziger Stadtzentrum aufhalten. Montag 16.30 Uhr war immer das Treffen der SED-Mitglieder. Die waren schon mal alle weg von der Straße. Fast alle anderen hielten sich auch brav an die Anweisungen. Da ich zu Hause wohnte, war ich der Kontrolle durch die Wohnheime entzogen.
Bei den Montags-Friedensgebeten in der Nikolaikirche war ich schon einige Zeit vorher. Als die Kirche nicht mehr ausreichte, machten die Thomaskirche und die Reformierte Kirche im Stadtzentrum ihre Pforten auf. Alle Kirchen waren rappelvoll.
Der erste Versuch einer Demo, von Leuten, die nicht ausreisen wollten, fand an 25.9. statt. Die Menschen kamen nicht weit. Sie wurden gleich, als sie vor der Nikolaikirche standen, von Polizei und Stasi behindert.
Am 2.10. gab es den ersten erfolgreichen Versuch, um den Innenstadtring zu laufen.
Es war eine unglaubliche Stimmung unter den Menschen. Von der Nikolaikirche zum Hauptbahnhof ging es ganz gut. Es gab Rufe "Gorbi", "Neues Forum zulassen", "Keine Gewalt", und die Internationale wurde gesungen. Nach dem Hauptbahnhof wurde es ungemütlicher. Es ging nicht mehr voran, die Demo wurde gestoppt und die Polizei fing an, Jagd auf DemonstrationsteilnehmerInnen zu machen. Das war auch kein Wunder, denn wir kamen der Stasi-Zentrale immer näher.
Mir gelang es, mich seitlich von der Demo abzusetzen und zu entkommen. Ich schlich durch die Hinterhöfe und Baustellen der Innenstadt zu meinem Fahrrad und war froh, als ich gesund zu Hause war.
Mein Bruder hatte an diesem Tag Geburtstag. Die Wohnung war voller Gäste. Ich kam ganz aufgelöst an und erzählte meine Erlebnisse. Geschockt musste ich feststellen, dass mich keiner verstand. Alle fragten mich, ob ich wahnsinnig sei, mich solchen Gefahren auszusetzen. Meine Eltern hatten Angst um mich.
Für mich war der Abend gelaufen. Zum Mitfeiern hatte ich keine Lust mehr. Noch voll mit meinen Eindrücken ging ich in mein Zimmer und schaute mir die Nachrichten im "Westfernsehen" an.
