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Katrin Göring Eckardt über den 12. September
Demokratie Jetzt ist nie zu einer großen Massenbewegung geworden. Und dennoch prägte Demokratie Jetzt mit seinen paar tausend Anhängern die friedliche Revolution ganz wesentlich. Hier wurde zuerst die Idee eines Runden Tisches entwickelt, auch wenn dieser nach unseren ersten Vorstellungen zuerst vierseitig sein sollte. Hier prägte Wolfgang Ullmann ganz wesentlich die Verfassungsdiskussion, die dann angesichts der sich überschlagenden Ereignisse zwar für Gesprächsstoff sorgte, aber eben nicht zu einer neuen gesamtdeutschen Verfassung führte. Aus meiner persönlichen Erfahrung steht Demokratie Jetzt auch für die Bedeutung, die gerade der Evangelischen Kirche in der DDR in den 80er Jahren zugekommen ist. Denn es war insbesondere die Evangelische Kirche, die als wohl einzige Großorganisation Schutzräume für politische Opposition bot. In Demokratie Jetzt organisierten sich zwar - zunehmend - nicht alleine Christinnen und Christen, doch hervorgegangen war der Aufruf zur Einmischung aus kirchlichen Laienkreisen. Im Rückblick auf die kurze Wirkungszeit von Demokratie Jetzt - ich engagierte mich damals in Thüringen - wird mir vor allem klar, wie stark auch wenige Menschen gesellschaftliche Prozesse mit in Bewegung setzen können.
Denn auch in Thüringen waren wir wenige, Demokratie Jetzt war vor allem in Berlin stark. Und so sehr der Aufbruchsgeist auch bei dem Einzelnen für den nötigen Energieschub sorgte, so sehr spürten viele auch die Doppel- und Dreifachbelastungen dieser Tage. Denn schließlich waren viele, gerade in der Provinz, schon an lokalen Runden Tischen, bei Friedensgebeten, Stasibesetzungen und so viel mehr eingebunden. Und Berufspolitiker waren wir genauso wenig wie Berufsrevolutionäre. Um so erstaunlicher finde ich, welch große Resonanz viele der Vorschläge von Demokratie Jetzt damals fanden. Mancher Wunsch von damals - Transparenz oder breitere öffentliche Diskussionen zum Beispiel - sind übrigens auch heute nichts von gestern .
