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20 Jahre

18. März 2010

Die friedliche Revolution

Bündnisgrüne erinnern an Wegmarken des Jahres 1989/90.

Milan HoracekMilan Horaček zum 21. August 1968

An jedem 21. August denke ich immer wieder intensiv über die Ereignisse dieses Tages im Jahre 1968 nach und es kommen viele Erinnerungen hoch.

Die Ereignisse des 21. Augusts 1968 sind mir noch genau in Erinnerung - inzwischen auch gestärkt durch hunderte von Veranstaltungen und Begegnungen zum Thema "Prager Frühling". Dieses Datum wurde nicht nur für meine gesamte Generation (geboren 1946) eines der Schlüsselereignisse - mit diesem Datum änderte sich auch mein damaliges Leben sehr gründlich.

Schon in den Jahren vor dem Prager Frühling galt ich als aufsässig und politisch unzuverlässig. Ich wurde in ein Strafbataillon eingezogen und innerhalb dieser zweijährigen Straßenbaubrigadezeit verbrachte ich mehrere Wochen in Einzel- und Untersuchungshaft. Der Prozess kam nicht mehr zustande, da der Frühling 1968 nahte.

Am 21. August habe ich bei einer Straßenbaufirma im Altvatergebirge gearbeitet. Am frühen Morgen, ca. um 4:30 Uhr, wurde ich von unserem Heizer geweckt um schon vor 5 Uhr die Verarbeitungsanlage für den Straßenbaubelag in Betrieb zu nehmen. Den ersten beladenen Lastwagen hatte ich gerade rausgeschickt, da kam der Meister - ein ehemaliger Professor der Hochschule in Brno, ein sehr gebildeter und feinfühliger Mann - und schaltete die Anlage ab. Ich habe ihm die Frage zugerufen, was er hier tut, da vor dem Abschalten des Heizkessels unbedingt der Asphalt ausgeleert werden musste! Erst dann sah ich, dass er fluchte und weinte und ganz außer sich war. In diesem Augenblick kam auch der vollbeladene Lastwagen wieder zurück und ich erfuhr, dass wir okkupiert worden sind. Die Straße, die wir gebaut hatten, wurde durch die Panzer zerstört. Das Radio berichtete, dass die Tschechoslowakei in der Nacht von allen Seiten durch mehrere hunderttausend Soldaten der Warschauer-Pakt-Staaten besetzt wurde. Wir haben uns dann entschlossen, in die nächste Kreisstadt zu fahren, wo die meisten auch zu Hause waren. Dies war äußerst schwierig und wir mussten Umwege nehmen, da die Hauptstraße durch sowjetische und polnische Einheiten blockiert war, die umringt waren von Menschen, die sie beschimpft haben und mit den Soldaten gesprochen haben. Ein Teil der tschechoslowakischen Führung wurde verhaftet, erst Tage später zu einer Verhandlungsdelegation in Moskau deklariert und kamen mit einem erniedrigenden Ergebnis zurück.

Mein Vater, der damals schwer krank war, riet mir zur Flucht, da ich nach seiner Meinung über kurz oder lang wieder im Gefängnis gelandet wäre. Die Entscheidung über das Weggehen war dennoch schwer, da es nicht klar war ob es eine Trennung auf Zeit oder für immer war. Mein Freund, der bei den Grenztruppen gedient hat, hat mir angeboten mich auch über die österreichische Grenze zu bringen. Es ist uns auch in einer Nacht geglückt und wir sind dann weiter nach Deutschland zu meinen Verwandten.

Ich habe mich zuerst in dem tschechoslowakischen, politischen Exil engagiert und später dann die Grünen mitbegründet für die ich in Frankfurt Stadtverordneter, in Bonn Bundestagsabgeordneter und jetzt zuletzt in Brüssel Europaabgeordneter war.

Zusätzliche Information

Foto: Copyright by denk