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"Wir sind das Volk", mit diesem zutiefst demokratischen Anspruch demonstrierten im Herbst 1989 Hunderttausende gegen die bestehenden politischen Verhältnisse in der DDR. Es war eine friedliche Revolution, getragen vom Licht der Kerzen auf den Demonstrationen in großen wie in kleinen Städten, die das SED-Regime letztlich stürzte.
Der Widerstand brach sich im Oktober 1989 Bahn, doch die Geschichte der Revolution ist länger. An dieser Stelle können Sie daher in loser Folge ganz persönliche Rückblicke auf ausgewählte Wegmarken des Jahres 1989 finden.
| 8. und 9. Dezember 1989 Auf einem außerordentlichen Parteitag der SED in Berlin wird ein Antrag auf Selbstauflösung der Partei gestellt. Dieser findet keine Mehrheit. Gregor Gysi wird als neuer Parteivorsitzender gewählt. Beim zweiten Teil des Sonderparteitags am 16. und 17. Dezember 1989 benennt sich die Partei in SED-PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) um. Parallel findet in Leipzig der Gründungsparteitag des Demokratischen Aufbruchs statt. |
| 7. Dezember 1989 Auf Initiative von "Demokratie Jetzt" kommt in Ost-Berlin erstmals der Zentrale Runde Tisch zusammen. Die zwölf Parteien und politischen Gruppierungen, die sich an ihm beteiligen, einigen sich auf den 6. Mai 1990 als Termin für freie Wahlen. Erstes Ziel ist die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit bzw. der von Modrow initiierten Nachfolgeorganisation, dem "Amt für Nationale Sicherheit". Es erinnert sich: Gerd Poppe (Seite 2) |
| 4. Dezember 1989 In Erfurt besetzen DemonstrantInnen erstmals Gebäude einer MfS-Bezirksverwaltung. Andere Städte folgen. Damit wird das Ende der Staatssicherheit eingeleitet. Mit der Besetzung der Stasi-Zentrale in Berlin am 15. Januar 1990 endet dann endgültig eines der düstersten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte. |
| 3. Dezember 1989 Nach den massiven Forderungen des Vortages reagieren das Zentralkomitee und das Politbüro der SED am Nachmittag mit ihrem geschlossenen Rücktritt. Anstelle des bisherigen Zentralkomitees der SED übernimmt ein Arbeitsausschuss die Geschäfte der Parteiführung. Auf seiner ersten Sitzung beschließt er die Einsetzung eines parteieigenen Untersuchungsausschusses unter Leitung von Gregor Gysi, der noch am gleichen Tag die wichtigsten Räume im Zentralkomitee versiegeln lässt.Am selben Tag wird in der Berliner Volksbühne von Teilnehmerinnen eines Frauenkongresses ein "Manifest für eine autonome Frauenbewegung " verabschiedet, um ab Dezember am Zentralen Runden Tisch teilnehmen zu können. Daraus resultiert im Februar 1990 die offizielle Gründung des Unabhängigen Frauenverbands (UFV) |
| 1. Dezember 1989 In einer Sitzung der DDR-Volkskammer wird mit den Stimmen der SED die führende Rolle der Partei aus der Verfassung gestrichen. Die Abgeordneten diskutieren offen über Korruption in der SED-Spitze. Basis dieser Diskussion bildet ein Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission über Amtsmissbrauch und Korruption. |
| 28. November 1989 Bundeskanzler Helmut Kohl erläutert vor dem Bundestag seinen "10-Punkte-Plan" mit dem Ziel einer "deutsch-deutschen" Konföderation, die eine spätere Wiedervereinigung im europäischen Rahmen herbeiführen könne. Die westeuropäischen Partner der Bundesrepublik reagieren zurückhaltend. Moskau hat große Vorbehalte. Der Bundestag stimmt zu, ohne die Stimmen der Grünen, die sich zu diesem Zeitpunkt für eine "Politik der Zweistaatlichkeit" einsetzen. |
| 24. November 1989 Auf dem 6. Berliner Ökologieseminar konstituiert sich die Grüne Partei der DDR. Zu ihren Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem Carlo Jordan und Vollrad Kuhn. Gemäß dem Gründungsaufruf vom 5. November 1989 zählten neben Umweltpolitik vor allem Friedenssicherung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu ihren Hauptanliegen. Als im Dezember 1989 zum ersten Runden Tisch gerufen wurde, war die Grüne Partei dort mit zwei Mitgliedern vertreten. |
| 18. November 1989 Ein Aufruf zur Gründung eines Dachverbandes für alle ökologischen Basisgruppen wird veröffentlicht. Am 21. November 1989 ruft daraufhin die Argus-Gruppe Potsdam zur Bildung der "Grünen Liga" auf. Auf dem Gründungskongress im Februar 1990 bestätigt die "Grüne Liga" ihr Selbstverständnis als parteiübergreifender Dachverband. Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem Matthias Platzeck und Klaus Schlüter. |
| 13. November 1989 Hans Modrow, bis dato Chef des SED-Parteibezirks Dresden, wird von der Volkskammer zum neuen Ministerpräsidenten der DDR gewählt. Am selben Tag erklärt Erich Mielke, Minister für Staatssicherheit der DDR, in einer grotesken Rede vor den Volkskammerabgeordneten: "Ich liebe, ich liebe doch alle, alle Menschen…". Mielke wird jedoch am 17. November aus dem ZK und der SED ausgeschlossen. Ministerpräsident Modrow hingegen präsentiert bereits am 17. November sein neues Kabinett und schlägt der Bundesregierung eine "Vertragsgemeinschaft" vor. |
| 9. November 1989 Die Mauer fällt. Günter Schabowski verliest vor laufenden Kameras in verklausulierter Form die Öffnung der Grenzen. Kurz darauf strömen Tausende an die Mauer. Ohne Befehl öffnen Grenzsoldaten die Übergänge der Berliner Mauer und der Grenze zur Bundesrepublik. Die ursprünglich vorgesehenen Kontrollen werden aufgrund des Andrangs bald hinfällig. Bündisgrüne erinnern sich an den 9. November 1989. |
| 7. November 1989 Der Ministerrat der DDR tritt unter seinem Vorsitzenden Willi Stoph geschlossen zurück. Tags darauf wird in Ost-Berlin eine dreitägige Sitzung des SED-Zentralkomitees eröffnet, zu deren Beginn das Polit-Büro der SED geschlossen zurück tritt. DDR-Innenminister Friedrich Dickel gibt bekannt, dass die Bürgerrechtsbewegung Neues Forum nun doch als politische Vereinigung zugelassen wird. |
| 5. November 1989 Aus der Umweltbewegung der DDR entwickelt sich die Grüne Partei der DDR. In ihrem Gründungsaufruf am 5. November 1989 nannte die Partei Umweltschutz, den ökologischen Umbau der DDR sowie Friedenssicherung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau als Hauptziele. Die oppositionelle Umweltbewegung der DDR entstand bereits Mitte der 80er Jahre als Folge der katastrophalen Umweltverschmutzung im Land. |
| 4. November 1989 Nie finden in der Geschichte der DDR an einem einzigen Tag mehr Demonstrationen statt. In über 50 Städten gehen die Menschen auf die Straße. Eine der größten Demonstrationen findet auf dem Berliner Alexanderplatz statt. Hunderttausende protestieren friedlich für Meinungsfreiheit, Demokratie und das Ende des alleinigen Führungsanspruches der SED. Unter den Rednern finden sich neben KünstlerInnen wie Christa Wolf und Ulrich Mühe auch VertreterInnen von Bürgerbewegungen und oppositionellen Gruppen wie Marianne Birthler von der "Initiative Frieden und Menschenrechte", Jens Reich von "Aufbruch 89 – NEUES FORUM" und Friedrich Schorlemmer vom "Demokratischen Aufbruch". Günter Schabowski und Markus Wolf werden als Vertreter der SED ausgebuht und verlassen daraufhin die Rednerbühne. Es erinnert sich: Marieluise Beck (Seite 3) |
| 3. November 1989 In einer Fernsehansprache kündigt Egon Krenz ein Aktionsprogramm zur Verwirklichung der "Wende" an – und den Rücktritt von Hermann Axen, Kurt Hager, Erich Mielke, Erich Mückenberger und Alfred Neumann aus dem Politbüro. Die Kontaktgruppe der oppositionellen Gruppen veröffentlicht einen gemeinsamen Forderungskatalog. Sie fordern eine Verfassungsreform, die Abschaffung der Führungsrolle der SED, freie und geheime Wahlen sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Gleichzeitig gestattet die DDR-Regierung ihren Bürgerinnen und Bürgern das Land ohne Formalitäten über das Gebiet der Tschechoslowakei zu verlassen. Daraufhin kommt es in den folgenden Tagen zu einer erneuten Ausreisewelle. |
| 27. Oktober 1989 Der neue Staatsratsvorsitzende der DDR Egon Krenz verkündet eine weitreichende Amnestie für Flüchtlinge und TeilnehmerInnen an ungenehmigten Demonstrationen. Der DDR-Ministerrat hebt die am 3. Oktober verhängte "zeitweilige Aussetzung des pass- und visafreien Reiseverkehrs" in die Tschechoslowakei zum 1. November 1989 auf. Ab diesem Zeitpunkt dürfen die BürgerInnen der DDR die Grenze zur ČSSR wieder überqueren. |
| 18. Oktober 1989 Nach einer Krisensitzung der Parteiführung der SED wird offiziell erklärt:"Das ZK hat der Bitte Erich Honeckers entsprochen, ihn aus gesundheitlichen Gründen von der Funktion des Generalsekretärs, vom Amt des Staatsratsvorsitzenden und von der Funktion des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrates der DDR zu entbinden." Neuer Generalsekretär der SED wird Egon Krenz. |
| 9. Oktober 1989 In Leipzig demonstrieren rund 70.000 Menschen für Reformen und einen friedlichen Dialog. Vermutlich angesichts der Menschenmassen und aufgrund von Weisungen aus Moskau an die sowjetischen Streitkräfte in der DDR halten sich die Sicherheitskräfte der SED gegenüber den Demonstranten zurück. Die Kundgebungen verlaufen gewaltlos. Künftig finden jeden Montag nach den Friedensgebeten in den Kirchen friedliche Demonstrationen statt. Führende Vertreter der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg appellieren an die DDR-Staatsführung, "umfassend deutliche und glaubhafte Schritte einzuleiten, damit eine breite Übereinstimmung für eine demokratische und rechtsstaatliche sozialistische Perspektive der DDR gefunden wird." Es erinnert sich: Monika Lazar (Seite 4) |
| 7. Oktober 1989 Der 40. Jahrestag der DDR-Gründung wird mit Militärparaden und Aufmärschen gefeiert. Gorbatschow, der sich zu einem Staatsbesuch in der DDR aufhält, äußert seine Erwartung, dass die SED sich zusammen mit allen politischen Kräften um die Probleme der DDR-Bürger bemüht. Gleichzeitig finden in Berlin, Leipzig, Dresden, Plauen, Jena, Potsdam und vielen anderen Orten Demonstrationen statt, auf denen Zehntausende für Meinungsfreiheit und Reformen eintreten. Die Demonstrationen werden brutal aufgelöst und dabei über 1.000 Menschen festgenommen. Es erinnert sich: Wolfgang Wieland (Seite 5) |
| 4. Oktober 1989 Nachdem am 3. Oktober die Grenzen zur ČSSR geschlossen wurden, werden am 4. Oktober vier Züge mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft durch den Dresdner Hauptbahnhof geleitet. Vor und im Bahnhof versammeln sich rund 5.000 Menschen, teilweise mit dem Ziel in die Züge zu gelangen. Es kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Die Polizei geht mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die BürgerInnen vor. Bis zum 8. Oktober erfolgen rund 1.300 Festnahmen. |
| 2. Oktober 1989 Im Anschluss an die Friedensgebete in der Nikolaikirche in Leipzig, die seit Mitte der 80er Jahre maßgeblich von den Pfarrern Christian Führer und Christoph Wonneberger geleitet wurden, demonstrieren 20.000 Menschen für Reformen in der DDR. Im Vorfeld verstärkte die Leipziger Volkszeitung im Auftrag der SED-Bezirksleitung ihre Angriffe gegen die Friedensgebete. Unter der Überschrift "Wir wollen weiter in Ruhe und Geborgenheit leben" wurden Leserbriefe abgedruckt. Bei der trotzdem stattfindenden Montagsdemonstration kommt es erstmals zum Einsatz von Spezialeinheiten der Polizei mit Hunden und sogenannter Sonderausrüstung (Schild, Helm, etc.). Zahlreiche Personen werden von den Sicherheitskräften niedergeknüppelt und verhaftet. Es erinnert sich: Monika Lazar (Seite 6) |
| 1. Oktober 1989 Seit Mitte 1989 gab es in der DDR Bestrebungen zur Bildung einer Grünen Liste als gemeinsame Plattform aller Umweltbewegungen. Am Rande der Greenway-Konferenz, die am 01. Oktober 1989 in Berlin-Friedrichsfelde tagt, bildet sich eine Initiative zur Gründung einer Grünen Partei. Im Neuen Forum hatte sich bereits im August 1989 eine "Grüne Liste" gebildet. Am 5. November 1989 folgt der Gründungsaufruf für die Öffentlichkeit. |
| 1. Oktober 1989 Die ersten Sonderzüge mit knapp 6.000 Menschen durchqueren die DDR auf dem Weg nach Westen. Immer wieder versuchen weitere DDR-BürgerInnen im dramatischsten Sinne des Wortes auf den Zug aufzuspringen. Vor der Botschaft in Prag versammeln sich erneut 7.000 Ausreisewillige, obwohl die tschechoslowakische Polizei das zu verhindern versucht. |
| 30. September 1989 Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet auf dem Balkon der völlig überfüllten Botschaft der BRD in Prag, dass alle DDR-Flüchtlinge, die sich in den bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau aufhalten, ausreisen dürfen. |
| 19. September 1989 Am letzten Tag der Bundessynode des Evangelischen Kirchenbundes der DDR in Eisenach werden in einem ausführlichen Beschlusstext die Ursachen und Auswirkungen der Ausreisewelle dargestellt. Wir brauchen, hieß es in einem Forderungskatalog, "die offene und öffentliche Auseinandersetzung mit unseren gesellschaftlichen Problemen", Reise-, Demonstrations- und Wahlfreiheit und eine "verantwortliche pluralistische Medienpolitik". |
| 19. September 1989 Das Neue Forum meldet entsprechend einer DDR-Verordnung die offizielle Gründung der Vereinigung in elf der 15 DDR-Bezirke an. Zwei Tage später wird über die staatliche Nachrichtenagentur ADN das Neue Forum als verfassungs- und staatsfeindlich deklariert. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits mehr als 3.000 Menschen den Gründungsaufruf "Aufbruch 89 – NEUES FORUM" unterschrieben. Am 25. September wird der Antrag auf Zulassung offiziell abgelehnt. In der Begründung heißt es, es würde keine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine solche Vereinigung bestehen. Bis Ende 1989 unterschrieben fast 200.000 DDR-BürgerInnen den Aufruf. Das Neue Forum hatte zu diesem Zeitpunkt knapp 10.000 feste Mitglieder im ganzen Land. |
| 18. September 1989 Über 50 prominente Rockmusiker und Liedermacher fordern in der Resolution "Die Zeit ist reif" den Dialog und die Unterstützung oppositioneller Gruppen wie dem Neuen Forum. Es wird offen die Staats- und Parteiführung angeprangert und eine Demokratisierung der Gesellschaft gefordert. Die Resolution wird in den darauffolgenden Wochen immer wieder auf Konzerten verlesen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Bandmitglieder von Karat, City, Silly und Pankow sowie Gerhard Schöne. |
| 12. September 1989 Die Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt" wird offiziell gegründet. "Demokratie Jetzt" hat seine Wurzeln im Arbeitskreis "Initiative für Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung" der Berliner Evangelischen Bartholomäusgemeinde. Am 12. September 1989 wurde in diesem Arbeitskreis ein "Aufruf zur Einmischung in eigener Sache", der Gründungsaufruf von "Demokratie Jetzt", verabschiedet. Als Ziele wurden unter anderem Rechtsstaatlichkeit, "Freiheit und Menschenwürde für alle" und der Einklang von Ökonomie und Ökologie gefordert. 1991 ging "Demokratie Jetzt" durch eine Fusion mit Teilen des "Neuen Forums" und der "Initiative Frieden und Menschenrechte" im "Bündnis 90" auf. Es erinnert sich: Katrin Göring-Eckardt (Seite 7) |
| 24. August 1989 In Polen wird der Journalist, Schriftsteller und Politiker Tadeusz Mazowiecki zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten in einem Warschauer-Pakt-Staat gewählt. Schon seit Gründung der freien und unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc im Jahr 1980 war Mazowiecki als deren Berater und Publizist tätig. Als Berater von Lech Walensa nahm er zudem zu Beginn des Jahres 1989 auch an den ersten Runden-Tisch-Gesprächen in Polen teil. |
| 21. August 1989 am 21. Jahrestag der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ demonstrieren 3.000 Menschen auf dem Prager Wenzelsplatz. Sie fordern Demokratie und Freiheit. Die Polizei löst die Demonstration gewaltsam auf. Am Tag darauf wird die Botschaft der Bundesrepublik in Prag vorübergehend geschlossen. 140 DDR-BürgerInnen haben mittlerweile dort Zuflucht gesucht. |
| 21. August 1989 Eine Initiativgruppe bestehend aus Rainer Eppelmann, Ehrhardt Neubert, Rudi Pahnke, Edelbert Richter, Wolfgang Schnur, Friedrich Schorlemmer, Thomas Sell, Harald Wagner und Thomas Welz trifft sich in Dresden um die Gründung der oppositionellen politischen Gruppe "Demokratischer Aufbruch - sozial + ökologisch" vorzubereiten. Am 26. September stellte Edelbert Richter den Entwurf des Programms vor. In dem wird eine "erneuerte Demokratische Republik" gefordert. Am 16./17. Dezember erfolgt die offizielle Gründung als Partei in Leipzig. |
| 21. August 1968 Prager Frühling. Das, was im August 1968 in der damaligen Tschechoslowakai geschah, gehört für viele Menschen zu den entscheidensten Schlüsselereignissen. Milan Horacek, grünes Gründungsmitglied und Abgeordneter im Europäischen Parlament erinnert sich an das, was er dort vor 41 Jahren erlebt hat. Es erinnert sich: Milan Horaček (Seite 8) |
| 19. August 1989 An der ungarisch-österreichischen Grenze nahe der Stadt Sopron veranstalten Mitglieder des oppositionellen ungarischen Demokratischen Forums und die Paneuropa-Union unter der Schirmherrschaft des Europaabgeordneten Otto von Habsburg das „Paneuropäische Picknick“. Mit Zustimmung der beiden Länder sollte für drei Stunden symbolisch ein Grenztor geöffnet werden. 661 DDR-BürgerInnen nutzen diesen kurzen Moment der Grenzöffnung zur Flucht gen Westeuropa. Es erinnert sich: Katrin Göring-Eckardt (Seite 9) |
| 3. August 1989 In den bundesdeutschen Botschaften in Prag und Budapest sowie in der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin halten sich 20, 130 bzw. 80 Ausreisewillige auf. Die Vertretung wird am 8. August wegen steigender Flüchtlingszahlen vorübergehend geschlossen. Die Situation der DDR-Flüchtlinge in den Botschaften der Bundesrepublik in Prag, Budapest und Warschau sowie jener, die in der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin unterkommen, verschärft sich mit der zunehmenden Zahl der Ausreisewilligen. Appelle an die Flüchtlinge, etwa durch Bundesminister Rudolf Seiters, Chef des Bundeskanzleramtes, den Weg in die Bundesrepublik nicht über die diplomatischen Vertretungen zu gehen, haben keinen Erfolg. |
| 27. Juni 1989 Der Eiserne Vorhang fällt. In einem symbolischen Akt schneiden der ungarische Außenminister Gyula Horn und sein österreichischer Kollege Alois Mock bei Sopron ein Loch in den Stacheldrahtzaun an der gemeinsamen Grenze. Beseitigt werden nur die Grenzsperren, die Grenzkontrollen aber bleiben. In der DDR löst dies einen verstärkten Urlauber- und Flüchtlingsstrom nach Ungarn aus. Es erinnert sich: Katrin Göring-Eckardt (Seite 10) |
| 7. Mai 1989 Politbüromitglied Egon Krenz bezeichnet das Ergebnis der DDR-Kommunalwahlen – für die Einheitsliste hätten nach offiziellen Angaben 98,77 Prozent gestimmt – als "klares Votum des Volkes für starken Sozialismus und sicheren Frieden", obwohl Kirchen und Oppositionsgruppen massive Verstöße gegen das Wahlgesetz anprangern und schon am 8. Mai Beweise für Wahlfälschungen vorlegen. Es erinnern sich: Monika Lazar (Seite 11) und Astrid Rothe Beinlich (Seite 12) |
| 1989 Michael Cramer erinnert sich an das Jahr 1989 und wie er von der Maueröffnung erfahren hat. (Seite 13) |
