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Am 26.05.1994 wurde die Pflegeversicherung eingeführt. Auch wenn sich die Geburtswehen in Grenzen hielten, gab es im Laufe der Jahre doch immer wieder vereinzelte Kinderkrankheiten, die behandelt werden mussten. Davon abgesehen hat sich der Sprössling zu einem selbstständigen System entwickelt, auf dass die Menschen vertrauen.
Doch mit 16 Jahren ist man noch nicht fertig in seiner Entwicklung. Wichtig für das Selbstbewusstsein ist besonders in diesem Alter, als gleichberechtigter Erwachsener ernst genommen zu werden. Nur dann können auch Potenziale und Ressourcen entfaltet werden. Die Pflegeversicherung im Speziellen und die Pflege im Allgemeinen haben enorme Potenziale. Doch Schwarz-gelb ignoriert diese.
Die Strategien, die sie derzeit dafür nutzen, bestehen darin, die Pflege einfach zu ignorieren bzw. nicht zu erwähnen.
Beispielhaft dafür ist, dass Gesundheitsminister Rösler bei seiner Eröffnungsrede des größten deutschen Kongresses für Medizin und Pflege vor wenigen Wochen das Wort Pflege nicht einmal erwähnt hat. Gern verweist die Regierung auch auf Nachfragen zu den im Koalitionsvertrag geplanten Reformvorhaben, auf Arbeitsgruppen und Prüfaufträge oder auf die noch ausstehende Evaluation von Reformmaßnahmen der letzten Legislatur.
Die schwarz-gelbe Koalition ist nun sieben Monate im Amt. Sie hat in ihrem Koalitionsvertrag große und weitreichende Reformvorhaben angekündigt, so eine Pflegeausbildungsreform, eine Finanzreform und eine Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Zu all diesen Projekten gibt es keine konkreten Verlautbarungen der Regierung, weder über die zeitliche Planung der Vorhaben noch über inhaltliche Ausrichtungen und Details. Es hat momentan eher den Anschein, als würde Gesundheitsminister Rösler das Thema Pflege nur zu gern anderen Ministerien überlassen, denn nur im Arbeits- und Familienministerium wurde die Pflege bisher als politisches Handlungsfeld wahrgenommen.
Die Ignoranz von Gesundheitsminister Rösler ist nicht nur eine Ohrfeige für all jene, die tagtäglich auf verschiedensten Ebenen der Pflege versuchen einen guten Job zu machen. Sie ist auch insofern verwerflich, bedenkt man die Brisanz der Probleme in der Pflege, die in absehbarer Zeit auch Probleme für unsere Bevölkerung nach sich ziehen. Exemplarisch dafür steht der schon jetzt mancherorts um sich greifende Fachkräftemangel.
Eine wachsende Zahl chronisch kranker, multimorbider und pflegebedürftiger Menschen (Anstieg Pflegebedürftiger bis 2050 ca. 4.Mio) steht einer immer weiter abnehmenden Zahl von pflegerischen Fachpersonal gegenüber.
Ihr Bedarf wird bis 2050 auf ca. 2,2 Mio. geschätzt, doch schon heute sind Pflegekräfte Mangelware. So waren 2008 bei der Agentur für Arbeit ca. 30.000 Fachkraftstellen in der Alten- und Krankenpflege als offen gemeldet. Im Endeffekt heißt das, immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr kranke und pflegebedürftige Menschen betreuen, was für die Attraktivität des Berufsbildes kontraproduktiv ist.
In den kommenden Jahren wird sich der Konkurrenzkampf um die immer weniger werdenden jungen qualifizierten Auszubildenden verschärfen. Berufsbilder die dann keine guten und flexiblen Arbeitsbedingungen, keine innovativen Aufstiegs-, Karriere- und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten und keine gute Bezahlung vorweisen können, dürften dann nicht ins Visier junger Menschen geraten.
Wird das Berufsfeld Pflege nicht schnell durch ein Gesamtkonzept, das viele verschiedenen Maßnahmen beinhalten muss, verbessert und attraktiver ausgestaltet, werden sich die Negativfolgen früher oder später auf das gesamte Gesundheitswesen auswirken. Grund genug keine Zeit mehr verstreichen zu lassen, Herr Rösler!