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Die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung ist in der Gesundheitspolitik aktueller denn je. Angebote der gesundheitlichen Prävention müssen vor allem bei sozial Benachteiligten ansetzen und im Lebensumfeld der Menschen verankert sein. Besonders gut geeignete Kooperationspartner sind Kitas, Schulen, Vereine, Verbände, Stadtteilprojekte und Betriebe. Erfolgreiche Prävention bindet Menschen ein, ohne sie zu stigmatisieren und ihnen gesundheitsrelevante Entscheidungen abzunehmen.
In den letzten eineinhalb Jahren wurden drei Berichte und Gutachten veröffentlicht, die sich im Regierungsauftrag mit der gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen befassten. Das Gute ist: Mehr als achtzig Prozent der Kinder wachsen in Deutschland in vergleichsweiser guter Gesundheit auf. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass zwanzig Prozent der Kinder gravierende Beeinträchtigungen ihrer Gesundheitschancen erfahren. Die Berichte kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass eine dramatische Verschiebung des Krankheitsspektrums stattfindet: von den akuten zu den chronischen Erkrankungen und von den somatischen zu den psychischen Störungen. Als Ursache für die Zunahme von chronischen Erkrankungsformen wird ein zivilisationsbedingt veränderter Lebensstil angenommen. Fehlende Bewegung, ungesunde und einseitige Ernährung sowie ein zunehmender Verlust von Sicherheit und sozialer Einbindung gelten als wesentliche Faktoren für die Herausbildung von chronischen Erkrankungen bereits im jüngeren Lebensalter. Kinder und Jugendliche mit niedrigem Sozialstatus, Migrationshintergrund und einem allein erziehenden Elternteil sind zudem vermehrt von psychischen Beeinträchtigungen betroffen.
Alleine diese Befunde verdeutlichen, wie wichtig es ist, heute entschieden zu handeln. Denn es geht um Lebensqualität für jeden Einzelnen und es geht um hohe vermeidbare Gesundheitsausgaben. Wenn Prävention Wirkung zeigen soll, dann muss sie als Querschnittsaufgabe in der Arbeitswelt, im Bildungswesen oder in der Stadtentwicklung verankert werden. Zielgruppen von lebensphasenspezifische Präventionsstrategien sind Kinder und Jugendliche, Menschen im Erwerbsalter und ältere Menschen.
Gesundheitliche Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die am besten gemeinsam durch die Krankenkassen und durch Bund, Länder und Kommunen bewältigt werden kann. Deshalb setzen wir Grünen uns für ein Präventionsgesetz ein, das sowohl die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure verbindlich regelt als auch eine verbindliche und klare Finanzierung für die Prävention schafft. Die schwarz-gelbe Koalition hat jedoch im Koalitionsvertrag ein Präventionsgesetz ausgeschlossen. Sie hat stattdessen angekündigt, die vorhandenen Ansätze auszuwerten und weiterzuentwickeln. Die bisher bekannt gewordenen Schwerpunkte der Bundesregierung lassen wenig hoffen. Die Vorstellungen zur Prävention im Kindesalter orientieren sich größtenteils am "medizinischen" Modell. Häufig genannt werden Aktivitäten zur besseren Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen und eine bessere Durchimpfungsrate im Kindesalter, insgesamt wird die Verhaltensprävention sehr betont, während die Verhältnisprävention eine untergeordnete Rolle spielt. Diese Schwerpunktsetzung ist für uns wenig nachvollziehbar, weil Deutschland bei der Inanspruchnahme der Früherkennung und bei der Impfrate von Kindern im internationalen Vergleich bereits gut abschneidet.
Es ist an der Zeit, eine systematische Präventionsstrategie zu verfolgen. Wir brauchen keine weiteren Modellprojekte mit einer zeitlich begrenzten Laufzeit. Es fehlen nicht alleine Erkenntnisse, ein großer Mangel besteht in der fehlenden langfristigen Kontinuität von Angeboten. Wir können es uns nicht mehr länger leisten, wenn die verschiedene Akteure getrennt voneinander und teilweise in Konkurrenz zueinander vor sich hin arbeiten, ohne dass die Erkenntnisse zielgerichtet ausgewertet und die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfbar gemacht wird. Der Einsatz und die Wirksamkeit von Maßnahmen der Prävention müssen deutlich transparenter werden. Gesundheitsförderung und Prävention müssen in eine nationale, kooperative Gesamtstrategie münden.
Wir wollen folgende Modernisierungen erreichen:
Als nächsten Schritt schlagen wir die Weiterentwicklung des Paragrafen 20 im fünften Sozialgesetzbuch vor, denn nach wie vor gibt es noch viel zu wenig Lebensweltbezogene Präventionsmassnahmen.