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Kultur ist für Jugendliche ein wichtiger Ausdruck von Lebensstil, Zugehörigkeitsgefühl und Identität. Bei Jugendkulturen stehen vor allem Musik und Mode im Vordergrund. Gothics in schwarzen Gewändern, Hip-Hopper in Schlabberhosen oder Punks mit bunt gefärbtem Irokesenschnitt – Vielfalt steht hier auf der Tagesordnung. Jugendliche wollen sich ausprobieren, Neues entdecken und auffallen. Und das ist auch gut so.
Rechtsextreme stehen dieser identitätsstiftenden Vielfalt entgegen. Deren Denken basiert auf Stereotypen und Ausgrenzung. Immer wieder dient es auch als Rechtfertigung von Diskriminierungen und Gewalt. Opfer sind Andersaussehende, Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersliebende.
Nazis wollen eine eigene Jugendkultur darstellen und andere verdrängen. Hier ist es wichtig auf dem Laufenden zu sein. Nicht jeder kennt die Marken "Thor Steinar" oder "Erik and Sons" und weiß, dass dahinter rechtsextreme Firmen von und für Nazis stehen. Auch Codes wie 18 (für Adolf Hitler) oder 88 (für Heil Hitler) sind nicht jedem geläufig. Viele fühlen sich hier überfordert. Regelmäßige Fortbildungen sind für ein angemessenes Eingreifen unerlässlich.
In immer mehr Regionen ziehen sich staatliche und zivilgesellschaftliche Jugendträger zurück, Jugendclubs und kommunale Kinos schließen. Besonders schlimm ist die Situation im ländlichen Raum. Diese Lücke wollen Nazis füllen. Sie bieten scheinbar unpolitische Aktivitäten wie Konzerte, Kanufahrten oder Wanderungen an und binden so junge Menschen an die rechtsextreme Bewegung. Auch nach dem Verbot der "Heimattreuen Deutschen Jugend" müssen wir wachsam sein. Jugendangebote benötigen eine dauerhafte und angemessene Finanzierung. Hier darf nicht am falschen Ende gespart werden.
Jugend will gehört werden. Daher muss sie so früh wie möglich in demokratische Prozesse eingebunden werden. Kinder und Jugendliche sollten bei allen Angelegenheiten, die ihr Leben und ihr Lebensumfeld direkt berühren, ein Mitspracherecht haben. Partizipation ist die Grundlage für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement und bereitet die Jugendlichen auf ihre Aufgaben als Staatbürgerinnen und -bürger vor. Das Wahlalter sollte auf allen politischen Ebenen bei 16 Jahren liegen. Direkte Demokratie, zum Beispiel Volksabstimmungen und Volksbegehren auch auf Bundesebene, würde Jugendlichen signalisieren, dass ihre Meinung zählt. Das kann zu mehr Engagement ermutigen.
Jugend soll laut sein dürfen. Daher brauchen wir Orte, in denen sich Jugendliche selbstbestimmt austoben können. Proberäume für Bands oder Plätze, an denen man legal Graffiti sprühen oder Skateboard fahren darf. Denn Kultur muss Ausdrucksformen für jeden und jede bieten. Für junge und alte, schrille und stille Menschen. Kulturelle Vielfalt ist das beste Mittel gegen rechtsextreme Einfalt.