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Hochrisikotechnologie

16. Juni 2010

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Ölbohrloch immer noch offen

Das Öl sprudelt jetzt seit sieben Wochen. Die entscheidende Frage, der sich die Erdölförderindustrie nun endlich stellen muss, lautet: Warum wird eine riskante Technologie eingesetzt, ohne dass zuvor Maßnahmen und Techniken zur Beherrschung und Eindämmung von Störfällen oder Unfällen entwickelt wurden? Warum gibt es keine funktionierenden Notfall- und Katastrophenpläne? Diese Versäumnisse müssen unverzüglich aufgearbeitet werden. Es ist unabdingbar, massiv in die Sicherheit und in Sicherheitsforschung zu investieren. Wer in Deutschland mit der hohen Qualität seiner Kraftstoffe wirbt, darf sich bei der Sicherheit keine Nachlässigkeit leisten. Die notwendigen Vorkehrungen müssen modernsten Standards genügen, sie müssen zu jeder Zeit einsatzbereit sein und es muss ein störungsfreier Betrieb gewährleistet sein.

Die Webcam ist erst frei geschaltet worden, nachdem die Kritik an der Informationspolitik durch die Ölförderfirma immer lauter wurde. Erst nach und nach wurde das Ausmaß der riesigen Öllachen unterhalb der Wasseroberfläche bekannt. Aktuell schätzen Experten, dass möglicherweise täglich bis zu acht Millionen Liter Rohöl ins Meer strömen und die Menge damit höher ist als anfänglich für einen gesamten Tag angenommen wurde. Damit das Öl nicht auf der Meeresoberfläche treibt und dort durch den Wind getrieben in die besonders empfindlichen küstennahen Ökosysteme gelangt, wurde mit einer giftigen Chemikalie das Absinken gefördert. Das wahre Ausmaß der Verschmutzung blieb aus diesem Grund lange unsichtbar. Die genauen Umweltauswirkungen der eingesetzten Chemikalie sind noch unbekannt. Je länger das Desaster dauert und je mehr Öl auch an Land angeschwemmt wird, desto stärker wird auch der Ruf nach Konsequenzen. Das weitere Austreten des Öls muss unterbunden werden – außerdem muss die Förderfirma jegliche Schäden auf eigene Kosten beseitigen und erklären, wie eine Wiederholung solcher Katastrophe ausgeschlossen werden kann. Dafür muss weltweit die beste verfügbare Technik eingesetzt werden. Die Sicherheitsanforderungen müssen deutlich erhöht werden.

Katastrophe auch in der Nordsee möglich

Jetzt ist es eine Plattform im Golf von Mexiko – aber auch die Nordsee gehört zu den Meeren mit besonders intensiver Förderung fossiler Energieträger. Eine vergleichbare Katastrophe ist nicht auszuschließen und die Folgen für die Deutsche Bucht wären dramatisch. Die aktuellen Probleme des norwegischen Ölkonzerns Statoil mit einem Bohrloch am Meeresboden der Bohrinsel "Gullfaks C" in der Nordsee zeigen, dass sich eine Explosion wie auf der "Deepwater Horizon" auch anderswo wiederholen kann. Deswegen muss sich die Bundesregierung für höhere Sicherheitsanforderungen bei der Off-Shore-Förderung einsetzen und die Genehmigungen an stärkere Umweltauflagen binden.

Weg vom Öl

Der einzige Weg, um solche Desaster zu vermeiden, ist die Verringerung der Fixierung auf das Erdöl. Wenn konsequent erneuerbare Energien gefördert und ausgebaut werden und der Energiebedarf so gedeckt werden kann, lohnen sich riskante und für die Umwelt zunehmend schädlichere Fördermethoden immer weniger.

Mit dem Konzept Energie 2.0 zeigen die Grünen, wie die Abhängigkeit vom Öl verringert werden kann: Bis 2020 ist ein Strommix mit über 40 Prozent erneuerbaren Energien möglich; etwa 30 Prozent umweltschonender Strom könnte aus Kraft-Wärme-Kopplung gewonnen werden. Nur noch ein Rest von 30 Prozent käme aus konventionellen Kraftwerken, die nach und nach vom Netz gehen würden. Zugleich würde mit grünen Maßnahmen der Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent sinken.

Lernen aus der Ölkatastrophe

Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie sich immer riskantere Ölförderungsmethoden in immer sensibleren Lebensräumen ausbreiten. Es ist höchste Zeit die Notfallpläne für Ölverschmutzungen in deutschen Küsten zu überprüfen und anzupassen. Die Fördermethoden müssen strengen ökologischen und sozialen Kriterien genügen. Die Förderung im Wattenmeer gehört beendet. Auch die Förderung in Meeresgebieten unter 500 Metern ist technisch nicht zu beherrschen und gehört beendet.

Ein weiterer Punkt ist die schleichende Verschmutzung im Normalbetrieb. Wir wollen weg vom Öl nur so lassen sich langfristig und auf Dauer Schäden vermeiden. Unsere Forderungen haben wir in einem aktuellen Antrag zusammengefasst.

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