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Hochrisikotechnologie

16. Juni 2010

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Öl vernichtet Leben

Ob in der Arktis, in den Tropen oder im Wattenmeer – die Ölförderung in ökologisch sensiblen Gebieten bringt immer das Risiko von Unfällen und einer Ölpest mit sich. Noch heute sind die Folgen der Exxon-Valdez-Havarie vor über 20 Jahren an der Küste Alaskas sichtbar.

An den warmen Golfküsten kann das Öl von der Natur voraussichtlich schneller abgebaut werden als in arktischen Gewässern, aber gleichzeitig hat die Küste am Golf von Mexico eine vollkommen andere Struktur: Flache Lagunen, Mangrovenwälder und andere Feuchtgebiete drohen vom Öl überschwemmt zu werden und werden sich noch viel schwerer säubern lassen als Strände und Felsküsten. Die Schwimmbarrieren, die das Öl aufhalten sollen, reichen bei weitem nicht aus. Ein Greenpeace-Fotograf hat bereits empfindliche Brutgebiete entdeckt, die überhaupt nicht geschützt sind. Aber selbst dort, wo Barrieren ausgelegt wurden, erweisen sie sich als nicht effektiv, da sie brechen oder von Wellen überspült werden.

Je nach Ausbreitungsrichtung des Ölteppichs können in Florida zusätzlich noch Korallenriffe und Seegraswiesen bedroht sein, beides Hotspots der Biologischen Vielfalt im Meer und Kinderstube für unzählige Fische. Schon jetzt werden Thunfische, für die die Region ein wichtiges Fortpflanzungsgebiet ist, als besonders bedroht eingestuft. Aber auch Meeresschildkröten, Haie, Meeressäuger aller Art, Pelikane und andere Küstenvögel, Krabben und Garnelen werden massiv unter der Ölpest leiden – und mit Ihnen die Menschen, die von ihnen abhängen. Denn der Wert der Meereslebensräume ist nicht nur für die Lokalbevölkerung unschätzbar, die sich noch längst nicht von den Folgen des Hurricanes Katrina erholt hat. Die Mangroven schützen die Küste vor Stürmen, Hochwasser und Erosion, die produktiven Wassermassen sind Lebensgrundlage für Austern- und Schrimps-Fischerei.

Bedrohung für das Wattenmeer

Ähnliches könnte dem Wattenmeer bei einer Havarie in der Nordsee drohen. Die riesigen und besonders produktiven Flächen im Wechsel der Gezeiten und die Salzwiesen vor den Deichen wären dem Öl preisgegeben und dies bei den hiesigen Temperaturen für deutlich längere Zeit. Durch eine solche die Ölpest werden nicht nur Tiere und Pflanzen an der Wasseroberfläche und am Strand mit Öl verschmiert. Der Ölfilm deckt auch die besonders wichtigen Böden dieser Lebensräume ab, die darunter gleichermaßen ersticken und vergiftet werden.

Und dennoch wird die Ölförderung in der Arktis genauso vorangetrieben wie in der Nordsee und in immer tieferen Regionen des Golfes von Mexico. International verbindliche Regeln für die Ölförderung auf See und strikte Kriterien für die Einfuhr nach Deutschland und Europa müssen die Lehre aus dieser vermeidbaren Katastrophe sein. Die Nutzung von Erdöl erweist sich immer wieder als Risikotechnologie, die es abzulösen gilt. Statt immer neue und schwer erreichbare Vorkommen zu erschließen, muss es klare Sperrgebiete und eine verringerte Nachfrage gleichermaßen geben.

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