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Bei der stofflichen Nutzung von Erdöl - zum Beispiel in der Chemie- oder Kunststoffbranche - sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Abhängigkeit vom Erdöl im Bereich der Chemie- und Kunststoffindustrie besonders stark ausgeprägt. Zwar gehen derzeit nur etwa 10 Prozent des gesamten Erdölimportes in den Bereich der Chemie- und Kunststoffproduktion, doch hunderttausende von Arbeitsplätzen sind direkt vom Ölimport anhängig. Bis heute sind erst etwa 8 bis 10 Prozent der verwendeten Rohstoffe nachwachsend. Die übrigen 90 Prozent stammen noch immer aus den endlichen Ressourcen Erdöl oder Erdgas. Dabei gibt es durchaus Alternativen.
Einige Unternehmen der Chemie- und Kunststoffindustrie zeigen bereits, das man nachwachsende Rohstoffe nutzen, daraus biobasierte Produkte herstellen und erfolgreich vermarkten kann. Doch neue Produkte und Technologien haben es oft schwer, sich gegenüber lange etablierten Produkten durchzusetzen. Hier wollen gezielt fördern und den Aufbau eines Marktes beschleunigen. Unsere Maßnahmen: Abbau von rechtlichen Hemmnissen, Erleichterung bei der Zulassung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen, geeignete Marktanreizprogramme für deren Einführung und der Abbau von Steuervorteilen für fossile Rohstoffe.
Besonders im Mittelpunkt stehen die Kunststoffe. Nicht erst seit dem Film Plastic Planet sind die katastrophalen Auswirkungen unsere Abhängigkeit bekannt. Kunststoffe sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken, ihre Bedeutung in nahezu allen Lebensbereichen nimmt stetig weiter zu. Obwohl es längst Alternativen in Form von Biokunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen gibt werden Kunststoffe nach wie vor fast ausnahmslos aus Erdöl gefertigt. Diese Biokunststoffe gilt es zu stärken. Fallen müssen endlich auch Schranken wie etwa jene im Abfallrecht, die verhindern, dass Biokunststoffe ihre Stärken ausspielen können.
Weg vom Öl im stofflichen Bereich funktioniert nur, wenn wir die dafür grundlegende Ressource Biomasse sinnvoll und effizient nutzen. Wir verfolgen das Konzept der Bioraffinerie, die verschiedene Nutzungs- und Technologiepfade zusammenführt. Mit Bioraffinerien werden nachwachsende Rohstoffe und abbaubare Abfälle analog zur konventionellen Verarbeitung von Erdöl in ihrer Gesamtheit aufgeschlossen und so aus Biomasse eine Vielzahl von wertvollen Rohstoffen erzeugt. Diese Rohstoffe können dann in vielen industriellen Anwendungsbereichen, wie zum Beispiel der chemischen, pharmazeutischen und der Kunststoff produzierenden Industrie an Stelle von Erdöl weiterverarbeitet werden. Ein wichtiges Produkt von Bioraffinerien ist unter anderem auch Bioethanol, das entweder als Kraftstoff genutzt werden oder auch zur Produktion von Kunststoffen dienen kann.