Suchfeld anzeigen

Fraktions-Pressesprecher Michael Schroeren über die letzten Minuten eines Interviews, das die Focus-Redaktion mit Renate Künast führte und dann doch nicht druckte

Freitagabend, 24. Juni, die Arbeit ist getan, endlich Feierabend, es kann nach Hause gehen. Gegen halb acht erreicht mich unterwegs ein Anruf von Focus-Redakteur Herbert Roßler-Kreuzer. Er habe eine schlechte Nachricht, teilt er mir mit, die Redaktion in München habe entschieden, das Interview mit Renate Künast nicht zu veröffentlichen. Eine plausible Erklärung kann er nicht geben, er ringt mit Worten, es ist ihm offensichtlich unangenehm. Zu langweilig sei das Interview, zu glatt, zu ungeeignet, umschreibt Roßler-Kreuzer den Standpunkt seiner Chefs. Der Eklat ist da.

Was genau die FOCUS-Chefs zu dieser Entscheidung veranlasst hat, haben sie uns bisher nicht erklärt. Ein Grund scheidet jedenfalls aus: Streit über die Freigabe des Interviews. Es kommt im politischen Berlin ja zuweilen vor, dass sich Interviewer und Interviewte hinterher über die Autorisierung ihres Interviews nicht einig werden. Nichts dergleichen war hier der Fall. Wir hatten sämtlichen Änderungs- und Kürzungswünschen der Redaktion ohne Diskussion zugestimmt. Am Ende stand eine Interview-Fassung, die zwischen beiden Seiten in völligem Einvernehmen abgestimmt war.

Ein abgestimmtes Interview, das ohne nachvollziehbare Begründung aus dem Heft geworfen wird: Das ist mehr als ein starkes Stück, das ist ein beispielloser Affront.

Im weiteren Verlauf des Freitagabends gab es aus München übrigens drei neue Vorschläge: Erst hieß es, man könne ja Zitate aus dem Interview in den Redaktionstext einbauen. Dann hieß es, das Interview könne bei "focus online" erscheinen. Auch keine gute Idee. Denn es war etwas anderes verabredet, und so schlecht finden wir unser Interview nicht, dass es gleich die Zweitverwertung verdient hätte. Schließlich hieß es, man sei nun doch bereit, das Interview zu drucken, aber um die Hälfte zusammengestrichen. Das war am Ende des Tages - und der endgültige Tod des Interviews.

Hier geht's zum Interview mit Renate Künast