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W. Brandt, P. Kelly, M. Beck
Willy Brandt begrüßt Petra Kelly bei ihrem Einzug in den Bundestag am 29. März 1983

von Marieluise Beck

29. März 1983. Ein kleines Erdbeben erschüttert das politische Bonn. Ein bunter Zug von Frauen und Männern bewegt sich auf den Plenarsaal des Deutschen Bundestages zu – FriedensaktivistInnen aus aller Welt, AntiatomkämpferInnen aus Wyhl, Gorleben und Brokdorf, Feministinnen aller Couleur, Schwule und Lesben, die "Kochbrigade" der Startbahn West, bürgerliche NaturschützerInnen und Frankfurter Spontis, liberale Bürgerinnen und Bürger, denen die Freiheitsrechte im Rechtsstaat unabdingbar sind, daneben vermutlich einige HausbesetzerInnen – sie alle hoffen, nach der Bundestagswahl am 6. März und dem Sprung der Grünen über die Fünf-Prozent-Hürde nun eine Stimme im Parlament zu bekommen.

Ja, es war ein atemberaubender Moment, beinah unwirklich. Und es gab nur wenige Abgeklärte unter uns, die schon überblickten, dass dies nicht nur ein Tag des Triumphes und der Freude war, sondern auch der Beginn einer unausweichlichen Metamorphose, der sich diese Partei nicht würde entziehen können. Vor uns rollte eine übergroße Weltkugel: "Global denken, lokal handeln" war unser Motto.

Wir hatten erkannt, dass das alte Rechts-Links-Schema und die Frage nach Sozialismus oder Kapitalismus keine Antworten auf die drängenden Zukunftsfragen geben würden. Was den Umgang mit Ressourcen, die Verantwortung gegenüber den Menschen im Süden, die Bewahrung des Friedens und die Achtung vor der Schöpfung betraf, hatten beide Systeme versagt. "Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt" war der mahnende Grundsatz unserer Bewegung und Partei.

Viele Fragen sind geblieben, manche stellen sich neu. Viele Antworten von damals gelten nicht mehr und wirken heute eher befremdlich in ihrem moralischen Überschuss. Der fundamentale Zugang zu Politik als ein Aufruf zur Umkehr ist heute nicht mehr vermittelbar. Aber wir waren erfolgreich, sehr erfolgreich sogar. Grüne Themen haben Gesellschaft und Politik weit über die Grünen hinaus durchdrungen. Das macht es leichter und schwerer zugleich. Inzwischen reden alle über das Klima – braucht es uns da noch?

Ja und dreimal ja! Global denken und lokal handeln. Unser blauer Planet kennt keine nationalen Grenzen, unterscheidet nicht zwischen Islam und Christentum, schützt nicht die eine Ethnie vor der anderen, bevorzugt keines der vielen Völker. Grün steht für die Symbiose von Mensch und Natur. Wir können dieser Symbiose nicht entkommen, wir können sie nur gestalten. Dafür stehen die Grünen – und wenn es sie nicht gäbe, so müsste man sie erfinden!

Marieluise Beck war eine der Sprecherinnen der ersten grünen Bundestagsfraktion.

 

 

 

Fritz Kuhn
Der Fraktionschef Fritz Kuhn führte durch die Feierstunde zum Jubliäum "25 Jahre Grüne im Bundestag".
Marieluise Beck MdB
Marieluise Beck, Abgeordnete der ersten Stunde, erinnerte an den Einzug der Grünen in den Bundestag.
NDR-Film "Lust und Frust"
Gemeinsam sahen sich die Gäste den NDR-Film "Lust und Frust" an, der das Phänomen des grünen Einzugs in den Bundestag beleuchtete.
NDR-Film "Lust und Frust"
Der junge Joschka Fischer im Film. Er war damals Parlamentarischer Geschäftsführer der ersten Fraktion.
Zuschauer
Gebannt und amüsiert verfolgten die ZuschauerInnen den Film.
Zuschauer
Manch einer schwelgte vielleicht in Erinnerungen...
Zuschauer
... für andere waren die Eindrücke von den grünen Anfängen im Parlament neu.
Renate Künast
Zum Ende der Veranstaltung warf Renate Künast einen Blick nach vorn.
Blumen
25 Jahre Grüne - immer begleitet von gelben Blumen.

Die Wahlperioden

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