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Schiedsrichter! Telefon!...Pardon, Teamchef!

12.9.2011, Berliner Poststadion, Lehrter Str 59, 18:50 Uhr

Der an der Bandscheibe verletzte Teamchef Sebastian Wienges stellt nach langer Zeit mal wieder seine Mannschaft auf. Und er hat für seine Tulpe auch gleich eine Überraschung parat. Nicht Jochen Hake, der etatmäßige Reservekeeper beginnt für den mit Grippe ausfallenden Stammtorwart Jochen Schieborn im Tor, sondern Sebastian Wienges selbst. Er will nach langer Verletzungspause zwar unbedingt mit von der Partie sein, darf aber auf der anderen Seite einen möglichen Anruf seiner Frau nicht verpassen. Beide erwarten ihr 4. Kindes und die Geburt kann durchaus innerhalb der nächsten 90 Minuten beginnen. Da Dribblings mit Handy am Ohr eher schwierig sind, harrt Spielertrainer Wienges heute lieber ganz hinten in der grünen Telefonzelle aus. 

Darin wird er auch erstmal warmgeschossen, wärend die anderen Tulpen zum Aufwärmen geschickt werden. Es scheint inzwischen eine stille Absprache in der Mannschaft zu geben, dass der Trikotverantwortliche sich immer als Letzter einfindet, um die Aufwärmübungen so kurz wie möglich zu halten. Es wird gemunkelt, das geschieht um die Kondition der alternden Grünen Tulpe fürs Spiel zu sparen...Wenn das so weitergeht ist bei der Grünen Tulpe bald wohl Rentnergymnastik vor dem Spiel angesagt.

19:10 Anstoß: Die Grüne Tulpe entwickelt von Anfang an ein recht ansehnliches Spiel. Der Ball läuft gut durch die eigenen Reihen. Grüne Angriffe werden von hinten behutsam aufgebaut. Die 4er-Abwehr um Stefan Witt, Jochen Hake, Dietrich Brockhagen und André Bornstein lässt den Ball immer wieder von links nach rechts laufen. Seitenverlagerung at it's best, so wie es der langjährige Tulpe-Trainer Ratimir Britvec jahrelang forderte. Man sieht mal wieder: Stehter Tropfen hölt auch den grünen Stein.

Eine Führung zu diesem Zeitpunkt wäre hoch verdient gewesen. Zumal auch Sebastian Wienges im Telefon-Tor bis dahin weder vom Gegner noch von seiner Frau gefordert wird. Der Teamchef telefoniert trotz viel Freizeit nicht mit seiner hochschwangeren Frau und spielt stattdessen einen sehr modernen mitdenkenden Torwart. Er ist, wie es sich für einen mehrfachen Familienvater gehört, immer anspielbereit und verteilt das Spielzeug hinter der Abwehr wohl überlegt an seine Schützlinge. 

In der 30. Minute dann plötzlich ein erster Überraschungsangriff der Kreuzberger. Ein langer Ball von Umutspor hebelt die bis dahin standfeste Tulpenabwehr aus und wie aus dem nichts steht es plötzlich 0:1.

Das Mittelfeld mit Simon Bruhn, Markus Meyer/Thorsten Buchmann, Ralf Südhoff und Tresfore Dambe ist sehr spielfreudig und verteilt ganz ansehnlich die Bälle. So gelingt es, das stürmende Tulpe-Präsidium - Markus Kurdziel und Kristoffer Born- vorne mit vielen gefährlichen Flanken zu füttern. Doch die größte grüne Torchance der ersten Hälfte sollte eine andere Tulpe bekommen.

Denn in der 15. Minute taucht plötzlich Mittelfeldtulpe Markus Meyer mutterseelenallein im gegenerischen Strafraum auf. Wunderschön von Ralf Südhoff angespielt, kann Meyer den Ball annehmen und hat die Zeit sich die Ecke auszusuchen . Wahrscheinlich zu viel Zeit, den er scheitert aus kurzer Distanz am herauseilenden Torwart. Doch er bekommt noch eine Chance. Der Ball springt zurück in seinem Fuß und er zieht erneut ab. Doch leider wieder nichts. Sein Nachschuss knallt gegen den rechten Pfosten. Peng! Das hätte das verdiente 1:0 sein können.

Nur Minuten später kann Tulpe-6er Tresfore Dambe einem Abwehrspieler den Ball vor dem  Umutspor-Strafraum abnehmen und nun eilt er alleine auf das gegnerische Tor zu. Er legt sich das Leder zu weit vor, so dass der Versuch, den Ball schön über den Torwart zu lupfen, leider misslingt. Zwei Großchancen innerhalb weniger Minuten vergeben, hoffentlich rächt sich das nicht, denkt sich Simon Bruhn, der inzwischen an der Seitenlinie Luft holt. Für ihn ist jetzt auf der linken Mittelfeldseite Torsten Buchmann im Spiel.

Durch den überraschenden Rückstand beginnt das Spiel der Tulpe in der Folgezeit zu stocken. Die Abwehr steht zwar sicher und lässt weiterhin kaum nennenswerte Chancen von Umutspor zu, aber im Spiel nach vorne gelingt den Tulpen erstmal nicht mehr viel. Umutspor hat zu diesem Zeitpunkt aber auch sein Stellungsspiel im Vergleich zu Beginn stark verbessert. Jetzt ist Feuer im Spiel und es wird um jeden Ball eisern gekämpft. Infolge dessen reibt sich André Bornstein an dem ein oder anderen Gegenspieler auf und es kommt zu einigen intensiven Zweikämpfen und Diskussionen. Einmal wird Bornstein übel vom langen Kreuzberger abgegrätscht. Kurze Zeit später zeigt Bornstein, dass er sowas auch beherrscht. Kurz Unmut bei Umut. Doch alle Beteiligten bemühen sich von da an, die etwas vergiftete Stimmung im Spiel abzubauen. Na, zum Glück ist gleich Halbzeit.

Kurz vor der Pause dann aber nochmal ein langer Ball von Umutspor. Die Tulpenabwehr wird erneut überlaufen und Stefan Witt kann mit seinen langen Beinen den schnellen Stürmer von Umutspor diesmal nicht mehr stoppen. Wie aus dem Nichts steht es 0:2. Dann ertönt der Pausenpfiff und der Schiri hat gezeigt, dass er doch tatsächlich eine Pfeife besitzt.

Halbzeitfazit: Ein wirklich sehr effektives Spiel von Umutspor in der ersten Halbzeit. Zwei Chancen in der ersten Halbzeit eiskalt genutzt. Die Tulpe macht das Spiel und die anderen schießen die Tore. Zum Glück sind noch 45 Minuten zu absolvieren.  

Die Tulpenspieler versammeln sich zur Pausenbesprechung an der Mittellinie. Doch einer fehlt. Teamchef Wienges. Ist er nach dem 0:2 etwa schon heimlich ins Krankenhaus gefahren. Nein, mit einiger Verzögerung und Telefon am Ohr stößt er zur Halbzeitbesprechung. Alle warten gespannt auf seine Ansage bzw. die seiner Frau. Nach seinem Telefonat ist klar, er sollte doch jetzt lieber mal zu seiner Frau fahren - für alle Fälle.

Zwar sei es noch nicht ernst, aber man weiß ja nie. Doch bevor der Teamchef gehen kann, muss er noch schnell einen kleinen Striptease hinlegen, denn nun braucht Jochen Hake ja seine Torwartklamotten.

Nach der Halbzeitpause entwickelt sich ein ähnliches Spiel wie zum Ende der ersten Halbzeit. Die Grüne Tulpe hat zwar das Heft in der Hand, spielt aber nur wenige zwingende Torchancen heraus und kann diese auch nicht nutzen. Die beste Torchance in dieser Phase hat Ralf Südhoff, als er frei auf den herauseilenden Gästekeeper zuläuft, der aber glänzend parieren kann.

In der zweiten Hälfte setzt plötzlich eine Wechselorgie von Umutspor ein. Jede Spielunterbrechung wird jetzt zum Wechseln beim magathschen Kaders von Umutspor genutzt. Quasi im Minutentakt wird von da an eingewechselt. Nicht ganz klar war die Intention. Ist es ein gewieftes taktisches Mittel? Ist es eine neue Form des Zeitspiels oder wollen sie die Grüne Tulpe mit immer wieder wechselnden Formationen aus dem Rhythmus bringen? Oder sollten damit gar die bekannten konditionellen Probleme der Tulpen aufgedeckt werden? Man weiß es nicht.

Jefenfalls konnten sich durch die ständigen Wechselpausen die in die Jahre gekommenen Tulpe-Spieler immer wieder regenerieren, so dass diese Rechnung von Umutspor hier nicht aufging. Vor allem als dann die magischen 15 Minuten des André Bornstein begannen.

In der 70. Minute wird Kristoffer Born auf links frei gespielt, der in den Strafraum zieht. Er sieht den heraneilenden André Bornstein und legt den Ball genau so zurück, wie es ihm Ratimir Britvec jahrelang eingetrichtert hatte. André Bornstein schießt aus vollem Lauf aus etwa 14m aufs Tor. Dem Torwart rutscht der Ball durch die Hände und von dort ins Tor. Nur noch 1:2! Der Anschluss ist endlich geschafft...

Keine fünf Minuten später zieht André Bornstein von links in den gegnerischen Strafraum. Zwei Abwehrspieler von Umutspor können ihn nur noch durch ein Foul stoppen. Elfmeter! Und der Schiri hat tatsächlich gepfiffen. Bornstein schnappt sich den Ball und läuft ohne Zögern Richtung Elfmeterpunkt. Nachdem er einige Wochen vorher schon einen Elfmeter verwandelt hat, will er wieder antreten. Doch Tulpe- Kapitän Kristoffer Born erinnert ihn an die alte Fußballerweisheit, dass der Gefoulte nicht selbst schießen sollte und nimmt ihm den Ball ab. Anlauf, Torwart ausgeschaut und souverän in die rechte untere Ecke verwandelt. 2:2 - Ausgleich und immer noch 10 Minuten zu spielen.

Plötzlich sieht man ein komplett anderes Spiel. Und eine andere Grüne Tulpe. Jede Hemmung ist abgelegt und es gibt nur noch eine Richtung: nach vorne. Das Spiel muss gewonnen werden! André Bornstein nimmt sich das besonders zu Herzen. Er erobert den Ball Mitte der gegnerischen Hälfte, macht ein paar Schritte, um dann aus etwa 20m abzuziehen. Sein Schuß senkt sich schön über den Torwart ins Tor zum 3:2. Unglaublich!

Jetzt hat die Grüne Tulpe doch tatsächlich das Spiel noch gedreht. Und es sind immer noch acht Minuten zu spielen. Eigentlich ein Zeitpunkt, an dem man aus Sicht der Tulpen an "Ergebnis halten" denken und die Abwehr stärken sollte. Aber nicht an diesem Abend.

Ein langer Einwurf von - wem wohl- natürlich André Bornstein. Auf der linken Seite wirft er mit lautstarker Ansage an Tresfore Dambe in den Strafraum. Dieser geht aber nicht dorthin, wo der Einwerfer ihn gerne gesehen hätte. André Bornstein dreht sich schon ab und beginnt ob der Unachtsamkeit seines Mitspielers zu schimpfen. Doch zum Glück für den Gescholtenen verschätzt sich ein Umutspor-Abwehrspieler und der eingeworfene Ball springt über ihn.  Tresfore Dambe ist zur Stelle und kann durch einen wunderschönen Volley-Drehschuß aus 10 Metern ins lange Eck zum 4:2 abschließen. Das Spiel ist gewonnen, aber noch nicht zu Ende. Umutspor hat dem rasanten Schlussspurt der Grünen Tulpe jetzt nichts mehr entgegenzusetzen und ist stehend K.O.

Den Schlusspunkt dieses Spiels setzt der heute beste und effektivste Spieler auf dem Platz: André Bornstein. Noch einmal ein langer Ball in die Spitze der Grünen Tulpe. André Bornstein fordert den Ball und bekommt ihn erneut von Kristoffer Born lehrbuchmäßig zurückgelegt. Aus 30 Metern ein platzierter Schuss ins rechte untere Eck. Unhaltbar für den guten Umutspor-Torwart zum 5:2 abgeschlossen. Kurz darauf ist Schluss.

Fazit: Wegen so einem Spiel liebt man den Fußball. Was zur 70 Minute niemand mehr geglaubt hätte ist passiert. Mit unbändigem grünen Willen wurde ein fast schon verloren geglaubtes Spiel nicht nur gedreht, sondern am Ende klar und hochverdient mit 5:2 gewonnen. Bester Mann auf dem Feld: André Bornstein, der mit 3 Toren in einer Halbzeit dazu noch einen tollen Hattrick feiern konnte.

Ein besonderer Dank und Anerkennung gilt aber vor allem unserem fußballverückten Teamchef Sebastian Wienges, der trotz bevorstehender Geburt seines 4. Kindes an diesem Montag bei der Grünen Tulpe aufgelaufen ist. Übrigens: Noch ist der neue Tulpe-Nachwuchs nicht auf der Welt. Naja, vor dem Spiel ist nach dem Spiel oder so ähnlich...