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Jürgen Trittin zum Bericht der Reaktorsicherheitskommission, der am 17. Mai 2011 vorgestellt wurde:

"Ich beneide die Mitarbeiter der Reaktorsicherheitskommission nicht. Sie haben vom Bundesumweltminister einen unmöglichen Auftrag bekommen. Sie sollten, so ist das öffentlich verstanden worden, die Sicherheit aller Atomanlagen in Deutschland überprüfen. Das geht nicht. Sie bräuchten dafür ein bis anderthalb Jahre pro Anlage. Deswegen hat die Kommission auch nicht die Sicherheit überprüft, sondern lediglich die Robustheit der Anlagen. Sie hat nicht überprüft, ob diese Anlagen ausgelegt sind nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik. Das würde ja voraussetzen, dass endlich dieser Stand von Wissenschaft und Technik die Grundlage für die Sicherheit von Atomkraftwerken wird, aber das verweigert Norbert Röttgen bis heute.

(…)  Das Ergebnis ist, trotz dieses eingeschränkten Maßstabes, ein schockierendes. Beim Schutz vor Hochwasser und Erdbeben sind lediglich zwei Anlagen in Lage, solche Fälle vollständig zu beherrschen. Zwei weitere Anlagen sind wenigsten in der Lage, die Auswirkungen solcher Natureinwirkungen auf die Anlage selbst zu begrenzen und zwei Anlagen können gar nichts machen, es wäre nicht auf die Anlage begrenzbar. Und elf von siebzehn Atomanlagen sind nicht in der Lage, auch nur darzustellen, was in solchen Fällen passieren würde. Das sollen die sichersten Atomkraftwerke der Welt sein? Es ist kaum zu glauben. Aber es geht noch weiter. Die Kommission hat ihre vorhandenen Studien über die Auswirkungen eines Flugzeugabsturzes zu Grunde gelegt. Dabei stellt sich heraus, dass ein Großteil der ältesten Anlagen nicht in der Lage ist, die Auswirkungen eines solchen Schadenshergangs auf die Anlagen zu begrenzen. Es würde bei den Anlagen Biblis A und B, Brunsbüttel, Phillippsburg 1, Unterweser, Isar 1 und Neckarwestheim 1 zu einem Austritt der Radioaktivität über die Anlage hinaus kommen.

Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend, dass Umweltminister Röttgen heute bei der Festlegung, dass diese Anlagen komplett und unwiderruflich vom Netz genommen werden sollen, zurückgerudert ist. Röttgen lässt es offen, ob Teile von diesen Anlagen wieder ans Netz gehen sollen. Was wir (…) erleben ist das klammheimliche Zurückrudern in die Richtung, doch den einen oder anderen dieser Altreaktoren wieder ans Netz zu lassen. Wir sagen: Keines dieser alten Kraftwerke darf jemals wieder ans Netz gehen. Wir brauchen eine klare Begrenzung der Laufzeiten über Kalenderjahre, wir müssen dafür sorgen, dass wir zügig zu einem schrittweisen Ausstieg kommen. Diese Anlagen, deren Robustheit selbst bei einer sehr kurzfristigen Überprüfung der Reaktorsicherheitskommission so katastrophal bewertet worden sind, diese Anlagen müssen vom Netz."

 

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