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Pressemitteilung | 17.11.2006

Welttoilettentag: Irrationale Tabus behindern Entwicklung

Zum Welttoilettentag am 19. November erklärt Dr. Uschi Eid MdB, Vorsitzende des Beraterkreises des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Kofi Annan, für Wasser und sanitäre Grundversorgung (UNSGAB):

Am Sonntag, dem 19. November ist Welttoilettentag. Er macht auf die kaum vorstellbare Tatsache aufmerksam, dass weltweit mehr Menschen wasserbedingten Krankheiten als bewaffneten Konflikten zum Opfer fallen, weil Abwässer mangels Toiletten in den Wasserkreislauf gelangen. Heute noch besitzen 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung. Zwei von fünf Erdbewohnern haben kein "stilles Örtchen" und müssen ihre Notdurft in der Öffentlichkeit verrichten. 90 Prozent der Abwässer bleiben ungeklärt - mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Menschen, aber auch für unsere Umwelt. Diese Fakten können nicht länger ignoriert werden.

Die fehlende Sanitärversorgung führt nicht nur zu einer menschlichen Tragödie, sondern sie ist auch ein enormes Entwicklungshindernis für Drittweltländer: Subsahara-Afrika kosten wasserbedingte Krankheiten durch Arbeitsausfälle und steigende Gesundheitsausgaben 5 Prozent seiner Wirtschaftskraft, also 28 Milliarden US-Dollar jährlich. Dies ist mehr, als der Kontinent im Jahr 2003 an Entwicklungshilfe und Schuldenerlassen erhalten hat. Investitionen im Wassersektor lohnen sich also. Sie sind in Entwicklungsländern, wo Krankheiten zu 80 Prozent wasserbedingt sind, die wirkungsvollste Präventivmedizin.

Es ist keine Lösung, reflexhaft nach mehr Entwicklungshilfe zu rufen. Denn für die Vernachlässigung der "schmutzigen Seite" des Wasserthemas sind weniger mangelnde Finanzmittel verantwortlich als die Tabuisierung des  "Unreinen" und ein Mangel an politischem Willen: Das Thema lässt sich politisch schlecht vermarkten und viele erliegen dem Irrtum, Abwasserentsorgungssysteme seien für arme Länder zwangsläufig unerschwinglich. Das Gegenteil jedoch beweisen innovative und finanzierbare Anlagen, die Fäkalien zu Biogas und Dünger verwerten. Ein Tabuthema kann sich also sogar in eine Einnahmequelle für Kleinbauern verwandeln.

Der Welttoilettentag will alle Verantwortlichen wachrütteln und ruft auf, Tabus zu beseitigen. Er verlangt von nationalen Regierungen, mindestens 3 Prozent ihrer Ausgaben für  Wasser- und Sanitärversorgung aufzuwenden und die Korruption in diesem Bereich zu bekämpfen, durch die geschätzte 20 Milliarden US-Dollar in den nächsten 10 Jahren in dunkle Kanäle verschwinden. Es ist höchste Zeit, mit irrationalen Tabus zu brechen, die nicht nur kostspielig, sondern auch Millionen von Menschen das Leben kosten.

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