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Pressemitteilung | 07.09.2010

OECD-Bericht: Deutschland hat erheblichen Nachholbedarf bei der Qualifizierung von Fachkräften

Zum heute veröffentlichten OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2010" und zur Länderstudie zur beruflichen Bildung in Deutschland erklärt Priska Hinz, Sprecherin für Bildungspolitik:

Wenn die Bundesregierung nicht umsteuert, verschläft Deutschland die dringend notwendige Qualifizierung von Fachkräften. Dies macht der OECD-Bericht deutlich. Der Fachkräftemangel spitzt sich in Deutschland immer weiter zu. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Erwerbsfähigen mit Hochschulabschluss jährlich nur um 0,9 Prozent gewachsen – ein mickriger Wert, denn im OECD-Mittel stieg der Anteil im gleichen Zeitraum bis 2008 um 4,6 Prozent. Potenziale werden auch im Bereich des Berufsbildungssystems vergeudet: So landen nach wie vor 40 Prozent der Schulabgänger im Übergangssystem und in endlosen Warteschleifen, statt sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.

Dennoch hat die Bundesregierung bisher keine plausible Strategie gegen den Fachkräftemangel vorgelegt. Handlungsfähigkeit sieht anders aus.

Wir haben eine Gesamtstrategie gegen den Fachkräftemangel entwickelt. Dazu gehört neben einer besseren frühkindlichen und schulischen Bildung, die allen Kindern einen erfolgreichen Schulabschluss ermöglicht, ein Berufsausbildungssystem, mit dem sichergestellt wird, dass für alle Jugendlichen Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Dafür steht unser Modell "DualPlus". Es gibt die Antwort auf die von der OECD eingeforderten strukturellen Veränderungen im Berufsbildungssystem und beinhaltet die Abschaffung des Übergangssystems, den Ausbau von qualifizierten Ausbildungsplätzen und die Erleichterung des Übergangs für beruflich Qualifizierte in die Hochschule. Unser Weiterbildungskonzept "Qualifizierung für Zukunftsberufe" zeigt auf, wie bis 2013 eine Million zusätzliche Weiterbildungsplätze geschaffen werden können.

Zudem muss die Bundesregierung endlich die seit langem angekündigte bessere Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen regeln.

Beschämend ist auch, dass laut OECD-Bericht die Ausgaben für Bildung zwischen 2000 und 2007 gesunken sind und der Abstand zu führenden Ländern wie den USA oder Dänemark immer größer wird. Nach internationaler Messung lag Deutschland 2007 bei 4,7 Prozent des BIP. Selbst wenn sich die Regierung nun rühmt, in den nächsten Jahren zusätzliche Millionen für den Bildungsbereich bereitzustellen, zeigt doch ein Blick auf die Realität, dass es Ministerin Schavan nicht gelingt, das Geld unter die Leute zu bringen. Auf eine Einigung zwischen den Ländern und dem Bund zur Bildungsfinanzierung warten wir seit Langem vergeblich. Das Kooperationsverbot verhindert obendrein, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird. Dieser verfassungsrechtliche Unsinn muss endlich rückgängig gemacht werden.