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Fleischproduktion | 11.11.2011

Antibiotikamissbrauch in der Tierhaltung

Bundesregierung endlich aufgewacht?

Zwar ist der Einsatz von Antibiotika als Leistungsförderer in der Tierhaltung offiziell verboten, dennoch werden diese Arzneimittel in der industriellen Tierhaltung massiv und mit steigender Tendenz eingesetzt.

Zahlen des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Folge erhält ein Schwein im Laufe seines fünf-monatigen Lebens durchschnittlich 5,9 mal Antibiotika. Das Niedersächsische Agrarministerium geht davon aus, dass Masthühner in ihren 32 Lebenstagen durchschnittlich 2,3 Antibiotikabehandlungen erleben.

Antibiotikaeinsatz für den Menschen gesundheitsgefährdend

Antibiotikaeinsatz bei Tieren ist ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von antibiotikaresistenten Keimen wie MRSA-Keimen, an denen jährliche allein in Deutschland mehrere tausend Menschen sterben. Untersuchungen des Bundesamtes für Risikobewertung haben ergeben, dass 24 Prozent des Hühnerfleisches und 43 Prozent des Putenfleisches mit MRSA besiedelt sind. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt daher, Geflügelfleisch nur noch gut erhitzt zu genießen und bei der Verarbeitung Einmalhandschuhe zu tragen.

All dies war der Bundesregierung und der schwarz-gelben Koalition lange bekannt, Anlass zum Handeln sahen sie trotzdem nicht.

Denn die intensive Tierhaltung kommt ohne Antibiotika nicht aus. Einen Antrag der grünen Fraktion, als einen ersten Schritt die Daten zur Antibiotika-Vergabe in der DIMDI-Arzneimittel-Verordnung transparenter zu erfassen und bestehende Sonderregeln für die Geflügelindustrie zu streichen, lehnte die Regierungs-Koalition noch Ende September ab.

Aigner unter Druck

Nun hat Nordrhein-Westfalen eine neue Studie erarbeiten lassen, die die schlimmsten Befürchtungen in Sachen Antibiotika-Einsatz in der Mast bestätigt. Endlich ist auch Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und hat ein Maßnahmenpaket angekündigt, mit dem sie die Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung reduzieren will. Unter anderem will sie jetzt unsere Forderungen zur Änderung der DIMDI-Verordnung umsetzen. Dies begrüßen wir Grünen grundsätzlich. Allein es fehlt der Glaube, dass die Bundesministerin ihren Ankündigungen auch Taten folgen lässt. Zu häufig hat sie hier enttäuscht.

Die grüne Bundestagfraktion fordert die Bundesregierung auf, neben einer verbesserten Dokumentation auch schnell die Weichen zu stellen, damit der Antibiotika-Einsatz verringert und der Missbrauch gerade in den industriellen Massentierställen gestoppt wird. Wir brauchen dringend Konkretisierungen im Arzneimittelgesetz beziehungsweise den entsprechenden Verordnungen und schärfere Kontrollen, sonst droht schon bald die nächste große Lebensmittelkrise. Wir werden Bundesministern Aigner genau auf die Finger schauen, ob sie ihre Versprechungen diesmal wirklich einlöst.

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