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Tierhaltung | 16.01.2013

Artgerecht statt massenhaft

Millionenfaches Tierleid durch indiskutable Haltungsbedingungen, massiver Antibiotikaeinsatz und die Entstehung multiresistenter Keime, Artensterben und Klimawandel sowie die Verdrängung bäuerlicher Betriebe hier und in den Futteranbaugebieten – die Intensivtierhaltung hat unzählige negative Auswirkungen. Eindrücklich dargestellt werden diese im jetzt erschienenen Fleischatlas von Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und der Zeitung Le Monde diplomatique.

Auch ist es eine Mär, dass die Tierhaltung in Deutschland einen Beitrag zur Sicherung der Welternährung leiste. Fleisch und Fleischerzeugnisse bleiben im weltweiten Maßstab ein Produkt für Ober- und Mittelschicht, die von Hunger betroffenen armen Schichten der Bevölkerung können sich Schnitzel und Co. nicht leisten. Im Gegenteil: 30 Prozent der Weltgetreideernte landen heute nicht auf dem Teller sondern im Trog, mit steigender Tendenz. Die Intensivtierhaltung ist damit längst zum Nahrungsmittelkonkurrenten der Menschen geworden.

Trotz all dieser Kritikpunkte hält die Bundesregierung an einer Agrarpolitik fest, die die aggressive Exportorientierung der Fleischindustrie und die Intensivierung der Tierhaltung bedingungslos unterstützt. Dabei lässt sie sich auch nicht durch die wachsenden Proteste von BürgerInnen und dem Wunsch der VerbraucherInnen nach tiergerecht und nachhaltig erzeugten Lebensmitteln beeindrucken.

Agrarwende fortsetzen

Die grüne Bundestagsfraktion ist der Überzeugung, dass eine ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltige Landwirtschaft mit regionalen angepassten Größenstrukturen und artgerechter Tierhaltung die richtige Antwort  auf die globalen Herausforderungen Welternährung, Klimawandel und Artensterben ist. Das agrarindustrielle System mit seinen inakzeptablen ökologischen und sozialen Folgen muss überwunden werden.

Wir fordern die Bundesregierung auf, jetzt die richtigen politischen Rahmenbedingungen für eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft in Deutschland und auf europäischer Ebene zu setzen.

Tierhaltung: artgerecht und flächengebunden

Wir Grüne wollen die Privilegierung von Tierhaltungsanlagen im Baugesetzbuch auf landwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 50 Prozent des Futters auf eigenen Flächen erzeugen, begrenzen. Intensivtierhaltungsanlagen, die eine förmliche Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz benötigen sollen generell von der Privilegierung ausgeschlossen werden. Sie ebenfalls in Gemeinden mit zu hohen Tierdichten nicht möglich sein.

Das Tierschutzgesetz muss ein weiteres Mal novelliert werden, um tiergerechte Haltungsbedingungen für alle Landwirtschaftstiere festzuschreiben und die Anpassung der Tiere an die heutige Haltungssystem, beispielsweise durch das Amputieren von Ferkelschwänzen oder das Abschneiden der Schnäbel, zu unterbinden.

GAP: Greening und starke zweite Säule

Heute erhalten 20 Prozent der Betriebe aufgrund ihrer Größe 85 Prozent der Direktzahlungen. Umweltbelastungen, Artenverlust und Klimawandel werden durch die EU-Umweltvorgaben (Cross Compliance) nicht wirksam eingedämmt.

Die Reform der Europäischen Agrarpolitik (GAP) muss genutzt werden, um diese Missstände zu beenden. Wir wollen das Prinzip „Öffentliches Geld für öffentliche Güter“ mit einem ambitionierten Greening, einer wirksamen Degression und Kappung sowie einer starken zweiten Säule konsequent umsetzen.

Verbraucherinformation: umfassend und transparent

Verbraucherinnen und Verbraucher legen Wert auf tiergerecht und nachhaltig erzeugte Lebensmittel. Das belegt nicht nur eine Reihe von Umfragen sondern auch die Veränderungen im Einkaufsverhalten nach Einführung der Eierkennzeichnung.

Die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für eine umfassende Tierhaltungskennzeichnung auf allen Lebensmitteln ein, damit die Konsumentinnen und Konsumenten auf den ersten Blick erkennen können, wie Tiere gehalten wurden. Verbrauchertäuschende Werbung, die Auslauf und artgerechte Tierhaltung vorgaukelt, wollen wir verbieten. Zudem wollen wir die Verbraucherinnen und Verbraucher umfassend die Folgen eines zu hohen Fleischkonsums informieren.

verwandte Themendossiers

Deutschland
von Heike Dings am 16.01.2013
Lieber Qualität statt Quantität!
von Hilke Ulpts am 17.01.2013
Wir Verbraucher sollten die Landwirte unterstützen, die ihre Tiere artgerecht halten, lange und quälende Tiertransporte vermeiden und, bei denen Tiere als Lebewesen geachtet werden. Schaut genau hin, wo Ihr Eure Lebensmittel kauft und wer die Hersteller bzw. Lieferanten sind.
Massentierhaltung
von Ernst Claussen am 18.01.2013
Die dringend notwendigen Forderungen nach artgerechter Tierhaltung brauchen eine Ergänzung.
Es muss gelingen, VerbraucherInnen zu überzeugen, dass ein schmackhaftes Essen auch ohne oder mit wenig Fleisch geht. Nur wenn die Nachfrage nach billigem Fleisch zurückgeht, werden die Mäster ihre Politik des "Viel und billig" ändern
es geht auch anders
von Rolf-Christian Meyer am 18.01.2013
nach 30 Jahren vegetarischer Lebensweise erkenne ich, dass dies eine meiner besten Entscheidungen war.
Mit Entsetzen schaue ich auf die Fleischtheken und die Fleischwerbung der Discounter.
Achtung vor dem Leben
von Sigrid Hubrich am 20.01.2013
Ihr seid die Partei, die sich für eine gesunde Ernährungspolitik stark machen kann und muss! Massentierhaltung ist ein blutiges Verbrechen an unseren Mitgeschöpfen und darf niemals von der Politik gefördert werden! Es gibt tausend gute Gründe der derzeitigen Agrarpolitik in die Suppe zu spuken.
Viele werden es euch danken!
schön, daß euch so für die Tiere einsetzt,
von mein Name geht euch nix an am 21.01.2013
aber wie sieht es bei euch mit den Menschenrechten
aus?
Wer hat die Ausbeutung der Arbeitnehmer mit Billiglöhnen und Zeitarbeit mitbeschlossen?
Die Grünen!
Wer schickt deutsche Soldaten an die Fronten in aller Welt um zu töten?
Die Grünen!
Menschenrechte
von Matthias am 26.01.2013
"die Anpassung der Tiere an die heutige Haltungssystem, beispielsweise durch das Amputieren von Ferkelschwänzen oder das Abschneiden der Schnäbel, zu unterbinden. "
Wie wärs wenn ihr auch die Anpassung von Jungen gegen ihren Willen an die Wünsche ihrer Eltern durch absichtliche Genitalverletzung verbieten würdet anstatt sie zu legalisieren?
Gutes Video!
von Regine Stange am 19.02.2013
Danke für das Video. Es zeigt klar und deutlich, was schief läuft in der deutschen Agrarpolitik. Ich hoffe, es bewegt sich jetzt endlich was. Die quälerische Massentierhaltung muss endlich ein Ende haben!
Social Media 1&1
von Julian am 20.02.2013
Hi Leute,
gibt's das Video auch schon auf YouTube? Ist ja sonst schlecht teilbar...
Warum nur auf die Produzenten schlagen
von JosefRobert am 20.02.2013
Warum wird wieder nur über die Anbieter gezetert?

Warum nicht mit Worten auf die Verbraucher einschlagen, die das Kilo Schwein für 4,99 kaufen wollen und es für 8,99 liegen lassen?

Bitte deutlich sagen, dass Fleisch viel zu billig ist.

Hier suggerieren die Grünen nur wieder: nur die Produzenten müssen sich verändern. Nein, das hilft gar nichts!
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