Im vergangenen Winter ist fast jeder vierte Bienenstock in Deutschland zugrundegegangen – doppelt so viele wie sonst. Die Internationale Tiergesundheitsorganisation (OIE) macht als Ursachenbündel neben der Varroa-Milbe, Viren und Nahrungsmangel auch den unverantwortlichen Gebrauch von Pestiziden für das weltweite Bienensterben verantwortlich.
Bundesregierung handelt bei bienengefährlichen Pestiziden nicht
Aber die Bundesregierung lässt die Imker im Stich. Die zunehmenden Probleme werden weitgehend ignoriert und konkreter Handlungsbedarf verschoben, wie aus den aktuellen Antworten auf grüne Anfragen hervorgeht. Die Wiederzulassung für riskante Neonicotinoide zur Rapssaatgutbehandlung hält die Bundesregierung für unbedenklich.
Eine klare Einschränkung bienengefährlicher Pestizide sowie gesetzliche Vorgaben für bessere Fruchtfolgen, um den bienengefährlichen Pestizideinsatz verringern zu können, lehnt die Regierung ab. Die Sicherung der Maismonokulturen dank der chemischen Keule ist der Koalition offenbar wichtiger als der Schutz von Bienen und anderer Insekten, die durch giftige Beizmittel gegen Schädlinge wie den Maiswurzelbohrer gefährdet sind. Dabei gibt die Regierung selber zu, dass Bienen auch durch pflanzliches Schwitzwasser (Guttationswasser) gefährliche Giftkonzentration aufnehmen können. Diese Erkenntnis wird aber bislang nicht bei der Zulassung der Pestizide berücksichtigt.
Bienenvölker werden auch durch niedrigere (nicht tödliche) Giftkonzentration in ihrem Verhalten stark beeinträchtigt. Trotzdem verteidigt die Bundesregierung die grobe Analysemethode "Letale Dosis 50 Prozent" zur Toxizitätsbewertung als "weltweit akzeptierten Standard", obwohl mit dieser Methode solche subletalen Effekte und das Zusammenwirken von "Pestizidcocktails" kaum erfassbar sind.
Die verheerenden Auswirkungen von Pestiziden auf die Artenvielfalt und das Nahrungsangebot für die Bienen werden von der Bundesregierung kleingeredet. Die Erkenntnisse einer europaweiten Studie unter Beteiligung der agrarökologischen Abteilung der Universität Göttingen, dass der Hauptgrund für den Rückgang der Artenvielfalt der Einsatz von Fungiziden und Insektiziden ist, werden als "grundsätzlich nicht neu" abgetan. Konkrete politische Vorschläge will die Bundesregierung trotz der Brisanz der Ergebnisse nicht vorlegen. Angesichts des dramatischen Artenschwunds auch in Deutschland lässt sich die Bundesregierung beim Handeln viel Zeit. Von einer konkreten Umsetzung des "Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" von 2008 ist noch nichts zu sehen. Erst in diesem Jahr soll eine Arbeitsgruppe mit betroffenen Verbänden gegründet werden, um bis Ende 2010 Vorschläge für Umsetzungsstrategien zu erarbeiten, die dann in den Aktionsplan einfließen sollen.
Zu den Auswirkungen des Bt-Giftes von Gentech-Pflanzen (beispielsweise MON 810) auf Bienen vermeidet die Regierung jede konkrete Einbeziehung in die Zulassungsverfahren und verweist lediglich auf fehlende Nachweise solcher Gefährdungen.
Keine Unterstützung bei Varroose
Statt konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Varroabekämpfung zu ergreifen - wie die Förderung und Anreize für einen "Imkerführerschein" für Neuimker (Verbesserung der Sachkunde) und eine Initiative zur Aufnahme der Varroose in den Tierseuchenkatalog - wälzt die Bundesregierung alle Verantwortung auf Länder und Imkerverbände ab. Auch bezüglich der Gefahr der eingeschleppten Asiatischen Hornisse, die in Südfrankreich schon zum großen Problem geworden ist, bleibt die Bundesregierung ideen- und tatenlos und begnügt sich mit dem weiteren Beobachten der Entwicklung, das zeigen ihre Antworten auf unsere schriftlichen Fragen (Download in der rechten Spalte).
Grüne fordern besseren Bienenschutz
Wir fordern von der Bundesregierung, endlich effektiv gegen die Ursachen des Bienensterbens vorzugehen. Dazu gehören ein weitreichendes Verbot bienengefährlicher Pestizide, eine umgehende Verschärfung der Zulassungsverfahren im Bezug auf die Einbeziehung der Guttationstropfen und die gentechnisch implantierten Pestizide ("in plant"-Pestizide wie Bt), die aktive Unterstützung der Bienen-Verbände bei der Varroabekämpfung und eine Verbesserung von Forschung und Analytik im Bereich der subletalen Pestitzidauswirkungen auf Bienen. Zudem muss die Bundesregierung ihren Ankündigungen im Internationalen Jahr der Biodiversität Taten folgen lassen und für eine ökologisch vielfältige Landwirtschaft und Umwelt sorgen, um die Bienen vor dem Hungertod durch Blütenmangel zu bewahren.
