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Landwirtschaft | 18.11.2009

Grünlandschwund nur vorübergehend gebremst

Ökonomische Rahmenbedingungen für Grünland verbessern

Der Verlust an Dauergrünland in Deutschland schreitet weiter voran. Dies ergibt sich aus den neuen Zahlen, die die Bundesregierung an die EU gemeldet hat. Während der Grünlandanteil im Jahr 2008 um 1,1 Prozent abnahm, waren es im Jahr 2009 0,3 Prozent. Insgesamt sank der Grünlandanteil damit seit 2003 um 3,7 Prozent. Damit ist der Trend zum Gründlandumbruch zwar leicht gebremst, aber immer noch besorgniserregend.

Hier spielt offenbar der weltweite Konjunktureinbruch eine Rolle, der auch die Nachfrage nach Agrargütern und die Agrarpreise gedrückt hat. Wenn die Agrarkonjunktur wieder anzieht, ist wieder mit höheren Verlustraten zu rechnen.

Die gesamte beihilfefähige Agrarfläche nahm im letzten Jahr infolge der Zersiedelung um 32.500 ha ab. Davon waren allein 23.000 ha Grünlandflächen, obwohl das Dauergrünland weniger als ein Drittel der Agrarfläche ausmacht. Das zeigt, wie gefährdet speziell das Dauergrünland nach wie vor ist.

Bemerkenswert ist, dass diejenigen Bundesländer, die durch EU-Recht zu Gegenmaßnahmen in Form eines Umbruchverbots gezwungen worden sind, weil sie bereits mehr als 5 Prozent ihre Grünlandes verloren haben, ihre Verluste stoppen bzw. einen wieder zunehmenden Grünlandanteil erreichen konnten. Das betrifft Schleswig-Holstein/Hamburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Das zeigt: Das Umbruchverbot wirkt. Die Bundesländer sollten hieraus Konsequenzen ziehen und rechtzeitig handeln, statt das Reißen der 5-Prozent-Grenze abzuwarten.

Dramatisch ist die Entwicklung jedoch in einigen Regionen, die bisher noch nicht zu Gegenmaßnahmen gezwungen waren: Die Region Niedersachsen/Bremen hat im laufenden Jahr 1,4 Prozent und damit seit 2003 6,4 Prozent Grünlandanteile verloren. Diese Länder müssen nunmehr eine Grünlandverordnung erlassen. In Thüringen nahm der Grünlandanteil im laufenden Jahr um 2,4 Prozent ab, obwohl dort die Verluste mit 0,7 Prozent bis zum letzten Jahr eher mäßig waren. Dies zeigt, dass die meisten Länder voraussichtlich die EU-rechtlich zulässigen 5 Prozent an Grünlandumbruch mittelfristig ausschöpfen werden.

Die Bundesregierung muss daher endlich dafür sorgen, dass sich die ökonomischen Rahmenbedingungen für die Grünlandbewirtschaftung dauerhaft verbessern. Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich aus ihrer tatenlosen Beobachterhaltung herauszukommen. Sie muss aufhören, den Trend zum Grünlandumbruch durch Verweis auf statistische Spitzfindigkeiten klein zu reden und sich damit zu beruhigen, dass sich der Bestand an Grünland auf Dauer schon wieder stabilisieren werde, wie es der parlamentarische Staatssekretär Müller beim Grünlandgipfel des NABU im Mai tat.

Die von der neuen Koalition vereinbarten 500 Millionen Euro für ein Grünlandmilchprogramm in den Jahren 2010 und 2011 können dem Grünland allenfalls kurzfristig helfen. Ob überhaupt, das wird jedoch davon abhängen, ob das Programm an die Grünlandbewirtschaftung selbst und nicht an die Zahl der Kühe gekoppelt wird. Denn Kühe können auch im Stall stehen und Futter vom Acker fressen. Wie das Grünlandmilchprogramm aber tatsächlich ausgestaltet werden soll, ist weiter offen.

Auch sollte man nicht darauf vertrauen, dass die Angleichung der Grünland- und der Ackerprämien im Zuge des Gleitflugs zwischen 2010 und 2013 die Probleme lösen wird. Der Gleitflug wird die ökonomische Lage des Grünlandes zwar verbessern - vollständig ausgleichen wird er die ökonomischen Nachteile des Grünlandes aber sicherlich nicht.

 

Bundesland

 

 

GL-Fläche
2003
(1000 ha)

 

 

GL-Anteil
2003

 

 

GL-Fläche
2009
(1000 ha)

 

 

GL-Anteil
2009

 

 

Veränd.
GL-Anteil
2003-09

 

 

Veränd.
GL-Anteil
2008-09

 

 

Veränd.
GL-Fläche
2003-09

 

 

Baden-Württemb.

 

 

567

 

 

39,7 %

 

 

549

 

 

38,8 %

 

 

-2,4 %

 

 

+0,1 %

 

 

-3,1 %

 

 

Bayern

 

 

1.151

 

 

35,7 %

 

 

1.1112

 

 

34,7 %

 

 

-2,7 %

 

 

-0,7 %

 

 

-3,5 %

 

 

Brandenburg & B

 

 

295

 

 

22 %

 

 

286

 

 

21,5 %

 

 

-2,4 %

 

 

+1,1 %

 

 

-3,23 %

 

 

Hessen

 

 

299

 

 

36,9 %

 

 

302

 

 

37,9 %

 

 

+2,6 %

 

 

+1,3 %

 

 

+0,83 %

 

 

Mecklenburg-Vorp.

 

 

278

 

 

20,3 %

 

 

260

 

 

19,2 %

 

 

-5,6 %

 

 

+0,0 %

 

 

-6,4 %

 

 

Nieders. & HB

 

 

764

 

 

29 %

 

 

708

 

 

27,2 %

 

 

-6,4 %

 

 

-1,4 %

 

 

-7,3 %

 

 

NRW

 

 

463

 

 

29,9 %

 

 

436

 

 

28,5 %

 

 

-4,8 %

 

 

-0,4 %

 

 

-5,8 %

 

 

Rheinland-Pfalz

 

 

251

 

 

37,6 %

 

 

235

 

 

35,8 %

 

 

-4,7 %

 

 

+0,5 %

 

 

-6,3 %

 

 

Saarland

 

 

42

 

 

51,1 %

 

 

40

 

 

51,3 %

 

 

+0,3 %

 

 

+0,3 %

 

 

-3,8 %

 

 

Sachsen

 

 

192

 

 

20,9 %

 

 

187

 

 

20,6 %

 

 

-1,7 %

 

 

-0,5 %

 

 

-2,7 %

 

 

Sachsen-Anhalt

 

 

179

 

 

14,8 %

 

 

171

 

 

14,3 %

 

 

-3,8 %

 

 

-0,5 %

 

 

-4,2 %

 

 

Schl.-Holst & HH

 

 

363

 

 

35 %

 

 

338

 

 

32,7 %

 

 

-6,5 %

 

 

+1,0 %

 

 

-6,9 %

 

 

Thüringen

 

 

181

 

 

22,4 %

 

 

174

 

 

21,7 %

 

 

-3,1 %

 

 

-2,4 %

 

 

-3,7 %

 

 

Deutschland

 

 

5.024

 

 

29,4 %

 

 

4.798

 

 

28,4 %

 

 

-3,6 %

 

 

-0,3 %

 

 

-4,5 %

 

 

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