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Agrarpolitik | 08.01.2010

Klimaschutz in Landwirtschaft verankern

Agrarpolitik ist Zukunftspolitik, wenn sie für eine Landwirtschaft steht, die unsere natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft, das Klima sowie die Biodiversität schützt, ihren Beitrag zur Sicherung der Welternährung leistet und Arbeitsplätze und Wertschöpfung in den ländlichen Regionen schafft. Mit der grünen Agrarwende haben wir den Paradigmenwechsel hin zur nachhaltigen Landwirtschaft eingeleitet. Diesen Weg wollen wir weiter verfolgen.

Dazu gehört ein klimapolitisches Umdenken in der Agrarpolitik. Die globale Herausforderung des Klimaschutzes muss ein zentrales Element der europäischen, aber auch der deutschen Landwirtschaftspolitik werden. Die Landwirtschaft muss in die Klimapolitik integriert werden, auch um die Welternährungskrise dauerhaft lösen zu können. In unserem Fraktionsbeschluss "Kimaschutz in der Landwirtschaft" stellen wir unsere Ansätze vor, wie wir die Emission von klimarelevanten Gasen aus der Landwirtschaft signifikant reduzieren und  gleichzeitig ihre Senkenfunktion fördern wollen.

Landwirtschaft darf als Emittent nicht vernachlässigt werden

Der 4. Sachstandsbericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) von 2007 ordnet der Landwirtschaft 10 bis 12 Prozent der Treibhausgasemissionen weltweit zu. Dabei berücksichtigt er weder die Emissionen, die durch eine Veränderung der Landnutzung wie Entwaldung, Grünlandumbruch oder Entwässerung von Mooren freigesetzt werden, noch die Emissionen, die bei der sehr energieintensiven Produktion von mineralischen Stickstoffdüngern entstehen. Berechnet man diese mit ein, entfällt ein Anteil von bis zu 32 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Landwirtschaft.

Für Deutschland schätzt die Bundesregierung unter Einbezug aller von der Landwirtschaft verursachten Emissionen einen Wert von 11 bis 15 Prozent. Vor allem bei Lachgas (N2O) und Methan (CH4), zwei Gasen mit einem wesentlich höheren Treibhauspotenzial als Kohlendioxid (CO2), gehört die Landwirtschaft zu den Hauptemittenten. Aber auch am CO2-Ausstoß hat sie durch ihren Energieverbrauch einen relevanten Anteil.

Im Forschungsprojekt CarboEurope hat das Max-Planck-Institut für Biogeochemie gemeinsam mit Wissenschaftlern aus 17 europäischen Ländern jüngst nachgewiesen, dass die intensive Landwirtschaft die Klimabilanz verschlechtert. Methan und Stickoxide aus industrieller Viehhaltung und intensivem Ackerbau wiegen - anders als bisher angenommen - den positiven Senkeneffekt für CO2, den Wälder, Moore und Grünland in Europa haben, auf. Die Forscher fordern daher eine Änderung der Landbewirtschaftung.

Um einen solchen Änderungsprozess anzustoßen, ist es dringend notwendig, dass die Landwirtschaft in die nationale, europäische und internationale Klimaschutzpolitik und die vereinbarten Reduktionsziele einbezogen wird - wie wir Grünen es seit langem fordern.

Neben der signifikanten Reduktion von Treibhausgasemissionen muss auch das große Potenzial der Landbewirtschaftung, der Atmosphäre CO2 zu entziehen und dieses als Kohlenstoff in Pflanzen oder der Humusschicht des Bodens zu binden, besser genutzt werden als bisher.

Grüne Ansätze für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft

Damit die Landwirtschaft ihren Beitrag zum Klimaschutz leistet, wollen wir

  • die europäische Agrarpolitik zu einem Instrument des Klimaschutzes machen,
  • den mit hohen klimarelevanten Emissionen verbunden Einsatz von Stickstoffdüngern über eine Stickstoffüberschussabgabe optimieren,
  • den ökologischen Landbau wegen seiner besseren Klimabilanz stärken,
  • Grünland wieder wirtschaftlich attraktiv machen und damit erhalten,
  • dazu beitragen, dass degradierte sowie desertifizierte Flächen (wieder) begrünt werden und die Landwirtschaft hierzu einen wichtigen Beitrag leistet,
  • eine Nachhaltigkeitszertifizierung für die Biomasse-Herstellung etablieren und die regionale Bioenergie-Erzeugung stärken,
  • klarstellen, dass die Agrogentechnik auch im Hinblick auf den Klimawandel keine Ziel führenden Ansätze bietet,
  • die Klimabilanz der Tierhaltung verbessern,
  • Verbraucherinnen und Verbraucher zu einer klimabewussten Ernährung anregen,
  • im Rahmen der bi- und multilateralen Entwicklungszusammenarbeit eine klimaangepasste und Biodiversität schonende Landwirtschaft in den Entwicklungsländern fördern.

 

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