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Atommüll | 28.11.2011

Der Castor ist nur die Spitze des Eisbergs

Kartenausschnitt Norddeutschland mit Atomtransportrouten und Lagern

Jedem CASTOR-Transport nach Gorleben ist große öffentliche Aufmerksamkeit gewiss. Doch wie viele tausend Atomtransporte gibt es eigentlich insgesamt in Deutschland Jahr für Jahr? Wo genau verlaufen sie und mit welchen Gefahren sind sie verbunden? Welche Bundesländer und Regionen sind am stärksten betroffen? Und wie ist es um die Sorgfalt der zuständigen Behörden bestellt? Weil über das Aufkommen und die Gefahren der allermeisten Atomtransporte öffentlich wenig bis nichts bekannt ist, beschlossen wir im letztem Jahr, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Nun liegt mit der "Studie zu Transporten radioaktiver Stoffe in der Bundesrepublik Deutschland" der erste umfassende öffentlich zugängliche Überblick über die Hauptstrecken und –orte für Atomtransporte seit der Nutzung der Atomkraft in Deutschland vor. Zu den wesentlichen Ergebnissen der Studie zählt, dass von ca. 500.000 insgesamt pro Jahr stattfindenden Atomtransporten knapp 10.000 in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Atomstromerzeugung stehen. Das Gefahrenpotenzial dieser Transporte ist deutlich höher als das der übrigen 490.000.

Das höchste Gefahrenpotenzial bergen neben den Transporten hochradioaktiver Abfälle diejenigen von Uranhexafluorid. Deren Anzahl wird trotz Rücknahme der Laufzeitverlängerung in den nächsten Jahren nicht abnehmen. Im Gegenteil: Wegen der Urananreicherungsanlage in Gronau ist mit einer Zunahme zu rechnen. Das Gefahrenpotenzial der Uranhexafluorid-Transporte ist für uns ein Grund mehr, dass die Urananreicherungsanlage in Gronau möglichst bald geschlossen werden sollte.

Die Studie ergab auch, dass die meisten Bundesländer mit den Transporten intransparent umgehen und dass in einigen keine Transport-Statistiken geführt werden. Dadurch können weder Orte auffallen, an denen vermeidbare Häufungen von Transporten auftreten, noch können sich die stärker betroffenen Kommunen optimal auf die Beherrschung möglicher Transportunfälle vorbereiten.

Wir müssen vor allem die Anzahl der gefährlicheren Transporte reduzieren und sie sicherer machen. Dazu werden wir in den nächsten Monaten Vorschläge erarbeiten. Dabei werden wir auch prüfen, ob und wie die Transporte stärker von der Straße auf die Schiene verlagert werden können, da Schienentransporte in der Regel sicherer als Straßentransporte sind.

Wir brauchen auch mehr Transparenz und eine bessere Erfassung und Auswertung der Transportzahlen und -routen. Andernfalls können die Verantwortlichen weder dem Gebot der Strahlenminimierung genügen und noch wirklich ausreichend auf Transportunfälle vorbereitet sein. Hier sind vor allem die Länder gefordert.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden AKW-Stilllegungen fordern wir Umweltminister Röttgen auf, eine umfassende Sicherheitsbetrachtung auch des Transports von Großkomponenten durchzuführen. Gerade bei den sogenannten Dampferzeugern gibt es eine Vielzahl filigraner Teile, für die noch nicht detailliert untersucht ist, welche Freisetzungen es durch Erschütterungen beim Transport geben kann. Zumindest gibt es keine öffentlichen Studien zu diesem Risiko und den möglichen Abhilfen.

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