Grüne Bundestagsfraktion besucht Flensburg
Im Rahmen der Info-Tour „Grüne Stadt der Zukunft“ war am 2. Februar 2012 die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zu Gast in Flensburg. Neben der Sprecherin für Stadtentwicklungspolitik, Bettina Herlitzius MdB, beantwortete Raimund Dankowski (SBV Selbsthilfe Bauverein e.G., Flensburger Klimapakt), Christian-D. Schmidt (Direktor der KfW-Kommunalbank) und Iliyana Syarova (Universität Magdeburg, Projekt Energieeeffizientes Magdeburg) Fragen eines interessierten Publikums. Hauptthema des Abends war der energieeffiziente Umbau unserer Städte und Wohnquartiere, für Klimaschutz und zum Einsparen von Energiekosten.
Grüne Stadt der Zukunft
Bettina Herlitzius erläuterte: "Mit Klimakonzepten können Kommunen eine Strategie für den energieeffizienten Umbau der Stadtteile festlegen. Energieeffiziente Gebäudesanierung, Infrastruktur, Wärmenetze und Erneuerbare Energien sollten zusammen gedacht werden. Der Flensburger Klimapakt ist ein guter Ansatz. Bundesseitig wollen wir mit dem grünen Energiesparfonds, den wir aus dem Abbau klimaschädlicher Subventionen gegenfinanzieren wollen, mit drei Milliarden Euro jährlich das Thema Wohnquartierssanierung aber auch Stromsparmaßnahmen bei der Industrie unterstützen. Ökologische Baustoffe müssen attraktiver werden und die DIN-Normen Nachhaltigkeit besser berücksichtigen."
Christian-D. Schmidt von der KfW Kommunalbank erklärte, dass Kommunen und kommunale Unternehmen jetzt verbilligte Kredite für „Energieeffiziente Stadtsanierung“ abrufen können. Es stehen auch Zuschüsse für Energiekonzepte und Sanierungsmanager zur Verfügung. Leider hat die schwarz-gelbe Bundesregierung die Mittel gerade gekürzt, so dass nur noch etwa zwei Drittel der ursprünglichen 100 Millionen Euro bereit stehen. Kommunen und kommunale Unternehmen könnten jetzt Mittel für „Energieeffiziente Stadtsanierung“ abrufen. Es stünden auch Zuschüsse für Energiekonzepte und Sanierungsmanager zur Verfügung. Flensburg hat als eine der ersten Kommunen Mittel für ein Sanierungskonzept beantragt. Ab Jahresmitte, so Schmidt, wird es neben der energetischen Sanierung von Einzelgebäuden zusätzlich von der KfW verbilligte Kredite für die energetische Sanierung von Nichtwohngebäuden geben. Bezüglich denkmalgeschützten Bauten oder erhaltenswerter Bausubstanz ist über eine Erklärung der Kommune, dass die Bausubstanz erhaltenswert ist, eine besondere Förderung der energetischen Sanierung möglich, so Schmidt.
Der Klimapakt Flensburg, berichtete sein Vorstand Raimund Dankowski, der auch der größten Flensburger Wohnungsgesellschaft, der Selbsthilfe Bauverein e.G. (SBV) vorsteht, ist ein Zusammenschluss der Flensburger Akteure, die Energie erzeugen (Stadtwerke), verbrauchen (Industrie, Wohnungsgesellschaften), die Umbauten vornehmen (Handwerk) oder finanzieren (Nospa). Bald können sich auch Umlandgemeinden in den Pakt einbringen. Die Ideen vieler BürgerInnen sind in das Flensburger Klimakonzept eingeflossen. Die SBV investiert jedes Jahr 8-12 Millionen Euro in die energetische Sanierung und den ökologischen Umbau, auch mit altersgerechtem Umbau, etwa im Stadtteil Fruerlund. Um die Städte langfristig auf Nullenergieniveau zu bringen, müssten alle Akteure zusammenarbeiten und gemeinsam ihre Bemühungen aufeinander abstimmen. Auch die Interessen der BürgerInnen müssen berücksichtigt werden, damit die Mieten bezahlbar bleiben und die Kosten der Sanierung durch Energiekosteneinsparungen möglichst aufgefangen werden.
Iliyana Syarova von der Universität Magdeburg wies darauf hin, dass die NutzerInnen informiert werden müssen, damit sie sich beim Energiesparen beteiligen können. Magdeburg plant im Projekt Energieeffizientes Magdeburg etwa ein Science Center, wo sich BürgerInnen über das Thema Energie informieren können und das einkommensschwache Haushalte zum Thema Einsparen von Energie berät. Schulen erhalten im Projekt „Fifty-Fifty“ 50 Prozent der gesparten Kosten, die SchülerInnen durch Energiesparprojekte erreicht haben, zur eigenen Verwendung.


