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Eizellspende | 20.11.2011

Gerichtshof entscheidet zu Eizell- und Samenspende

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Die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) entschied mit großer Mehrheit (fünf der 17 RichterInnen äußerten abweichende Meinungen), dass ein Verbot der Eizell- und Samenspenden nicht das in der Menschenrechtskonvention garantierte Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens verletze. In April 2010 hatte die erste Instanz des EGMR noch anders entschieden. Gegen dieses Urteil hatte die österreichische Regierung Berufung eingelegt.

Österreich begründet das Verbot damit, dass ungewöhnliche Familienkonstellationen vermieden werden sollen. Dazu heißt es in der Pressemitteilung des EGMR: "Der Gesetzgeber war folglich insbesondere von dem Ziel geleitet, das grundlegende zivilrechtliche Prinzip aufrechtzuerhalten, dass die Identität der Mutter immer sicher feststeht, und der Möglichkeit vorzubeugen, dass zwei Frauen behaupten könnten, biologische Mutter desselben Kindes zu sein." Als weiterer Grund wird eine mögliche Gefahr der Ausbeutung von sozial benachteiligten oder unter Druck gesetzten Frauen angeführt.

Was spricht für ein Verbot der Eizellspende?

In Deutschland ist ebenso wie in Österreich die Eizellspende verboten, jedoch die Samenspende erlaubt. Eine solche Unterscheidung lässt sich gut begründen. Männliche Samenzellen lassen sich schnell und im Überfluss gewinnen. Eizellen dagegen müsse durch hormonelle Stimulation erzeugt und unter Narkose operativ dem Körper der Spenderin entnommen werden. Somit ist eine Eizellspende - anders als eine Samenspende - mit körperlichen Belastungen und dem Risiko massiver Nebenwirkungen verbunden. Laut TAB-Arbeitsbericht Nr. 139 können hormonelle Stimulation, Punktion und Narkose mit schweren medizinischen Komplikationen einhergehen und langfristig negative Folgen haben. Bei der Hormonstimulation kann das Überstimulationssyndrom auftreten. In der schweren Form kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum und in der Lunge, Nierenversagen und Schlaganfall. In Einzelfällen kann es sogar zum Tod führen. Risiken der Entnahme sind Blutungen und Organverletzungen. Bei Frauen, die öfter spenden, können die Eierstöcke vernarben - die Spenderinnen werden unfruchtbar.

Auffällig ist, dass es laut TAB-Bericht keine Studien gibt, die die psychologischen und medizinischen (Langzeit-)Folgen für die Spenderinnen untersuchen. Zu allen anderen Aspekten der assistierten Reproduktion liegen Studien vor.

Der berechtigte Wunsch, ein Kind zu bekommen, darf nicht auf Kosten der Gesundheit anderer Frauen gehen. Aber auch die Eizell-Empfängerinnen sind Risiken ausgesetzt. Dies sind zum einen die allgemeinen Risiken der künstlichen Befruchtung: Hormonstimulation, hohe psychische Belastungen durch geringe Erfolgsquoten verbunden mit wiederholten enttäuschten Erwartungen, Mehrlingschschwangerschaften, hohe Kaiserschnitt- und höhere Frühgeburtenraten und geringeres Geburtsgewichts. Ungeklärt sind bislang auch mögliche immunologische Schwierigkeiten. Da ein fremder Embryo in den Körper der Empfängerin eingesetzt wird, sind Abwehrreaktionen nicht ausgeschlossen. Berichtet wird, dass die Empfängerin einer gespendeten Eizelle gegenüber einer Frau, die auf herkömmliche Weise schwanger wird, ein mehrfach erhöhtes Risiko für in der Schwangerschaft auftretende Erkrankungen hat. Mögliche Spätfolgen für Kinder, die aus der Eizelle einer Dritten stammten, sind weitgehend unerforscht.

 

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