Je mehr wir über die Artenvielfalt wissen, desto dramatischer wird das Bild. Dies verdeutlicht die von der Weltnaturschutzorganisation IUCN aktualisierte Rote Liste der bedrohten Arten. Mit über 60.000 Arten sind mehr Arten in den Listen erfasst als jemals zuvor. Und das verfeinerte Bild zeigt einen dramatischen Anstieg vom Aussterben bedrohter Arten. Fast ein Drittel der untersuchten Arten ist als gefährdet eingestuft, ein Viertel aller Säugetiere ist vom Aussterben bedroht. Mehrere Nashornarten sind vermutlich schon ausgestorben, diverse Thunfischarten sind davon bedroht und Reptilien gelten weltweit als besonders gefährdete Gruppe.
Zwar gibt es auch Erfolge zu melden, wie die erfolgreiche Auswilderung der Przewalski-Pferde und den Beleg, dass konsequente Schutzmaßnahmen beim südlichen Breitmaulnashorn tatsächlich den Zustand der Art verbessert haben. Doch allen strategischen Beschlüssen und Kampagnen zum Trotz, beschleunigt sich das Artensterben weltweit statt sich zu verlangsamen. Verschmutzung, Übernutzung, Zerschneidung bis hin zur Zerstörung der Lebensräume setzen den Arten zu. Wilderei, die Verschleppung invasiver Arten und in immer stärkerem Maße der Klimawandel tun ihr übriges dazu.
Bundesregierung drückt sich vor Verantwortung bei der Biodiversität
Um dies zu ändern, sind politischer Wille, Finanzmittel und vor allem Ausdauer notwendig. Nichts davon ist derzeit bei der Bundesregierung zu spüren. Statt sich zu ihrer internationalen Verantwortung zu bekennen, drückt sie sich durch Querverrechnung mit Mitteln für den Klimaschutz und die Entwicklungszusammenarbeit vor der Erfüllung bereits gemachter Zusagen. Sie verweigert die Unterstützung für wegweisende Projekte wie die Yasuni-ITT-Initiative. Und auch im Inland speist sie die Umsetzung der nationalen Biodiversitätsstrategie mit einem Bundesprogramm ab, das in keinem Verhältnis zu den milliardenschweren umweltschädlichen Subventionen steht.
Um das weltweite Artensterben zu bremsen, müssen die internationalen, europäischen und nationalen Biodiversitätsstrategien endlich konsequent und verbindlich umgesetzt werden. Besonders wichtig ist dabei die Verankerung von Naturschutzzielen auch in anderen Ressorts wie die Wirtschafts- und Verkehrspolitik.

