Suchfeld anzeigen
Strompreise | 03.08.2012

Schwarz-Gelb treibt EEG-Umlage in die Höhe

Stromzähler

Wie stark wird die Umlage für die Erneuerbaren Energien 2013 steigen? Darüber wird in diesen Tagen viel spekuliert. Konkrete Zahlen werden erst im Oktober bekanntgeben. Doch schon jetzt ist klar: Ein erheblicher Teil des Anstiegs geht auf die üppigen Befreiungen der Industrie zurück, zulasten der Privathaushalte. Die Bundesregierung muss jetzt die Reißleine ziehen und unberechtigte Privilegien abschaffen.

Das von Rot-Grün im Jahr 2000 eingeführte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat sich als Motor der Energiewende erwiesen. Im ersten Halbjahr 2012 steuerten Sonne und Wind, Wasserkraft und Bioenergie schon rund 25 Prozent zur Stromerzeugung bei. So ersetzen die Erneuerbaren Energien abgeschaltete Atomkraftwerke und klimaschädliche Kohlemeiler.

Doch die Bundesregierung treibt die Kosten des EEG für die Verbraucher durch immer neue Privilegien für die Industrie unnötig in die Höhe und gefährdet so die Akzeptanz der Energiewende. Die Zahl der von der Finanzierung der Erneuerbaren Energien weitgehend befreiten Unternehmen stieg unter Schwarz-Gelb steil an. Gegenüber 2011 könnte sie sich im nächsten Jahr verdreifachen, nachdem die Bundesregierung die Anforderungen an die Befreiung drastisch abgesenkt hat. Schon 2011 kosteten diese Ausnahmen für den Industriebereich rund zwei Milliarden Euro, die alle übrigen Verbraucherinnen und Verbraucher zusätzlich tragen mussten. Die grüne Bundestagsfraktion hat gerade eine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, um zu erfahren, wie teuer den Stromkunden diese Industrieprivilegien beim EEG kommen.

Ein zweiter Grund für den Anstieg der EEG-Umlage ist ausgerechnet der Erfolg der Erneuerbaren Energien, denn das steigende Ökostromangebot lässt die Börsenstrompreise purzeln. Im Juli 2012 sind die Preise für Grundlaststrom zur kurzfristigen Lieferung gegenüber dem Vorjahr um 10,9 Prozent auf 4,1 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) gefallen. Spitzenlaststrom kostete 5,1 ct/kWh und damit ebenfalls zehn Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Von dieser Preisdämpfung durch das EEG profitieren aber nur Industriekunden, deren Stromeinkaufspreise direkt an den Börsenpreis gekoppelt sind sowie die Energieversorger, die den Preisnachlass lieber selbst einstreichen als ihn an ihre Kunden weiterzugeben. Besonders widersinnig: Sinkende Börsenpreise erhöhen die EEG-Umlage. Denn die Ökostrom-Erzeugenden erhalten über das EEG die Differenz zwischen Verkaufserlös des Stroms und den tatsächlichen Erzeugungskosten. Fällt der Börsenpreis um ein ct/kWh erhöht das die Umlage um etwa eine Milliarden Euro.

Die Bundesregierung muss jetzt handeln, um den Anstieg der EEG-Umlage im Zaum halten. Erstens muss sie die Kosten des Ökostromausbaus fair auf alle Schultern verteilen. Nur energieintensive Unternehmen, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen, gehören befreit. Der Rest muss angemessen an den Kosten der Energiewende beteiligt werden.

Zweitens muss sie dafür sorgen, dass Preissenkungen an der Börse auch die Stromverbrauchenden erreichen. Sie zahlen den Ausbau des Ökostroms, also müssen sie auch am Nutzen beteiligt werden.

verwandte Themendossiers

fr
von friedel am 14.08.2012
wie kann sich der Normalverbraucher von Strom der Klage der Textilunternehmer anschließen? Es kann nicht sein, daß die Industrie den Strom verschleudert und keine Energiesteuer bezahlt. Außerdem muß Schluß sein, mit der Förderung von erneuerbarer Energie (Strom) da die erzeugte Menge Strom nicht transportiert weden kann.
Stromkosten
von Steinle S. am 15.08.2012
Die Kosten für Strom sind nicht mehr zu tragen
Ich brauche ca 20000 Kw im Jahr zum Heizen
(Dimplex-Nachtspeicher) Plus Tagesverbrauch.
ich habe keine andere Heizung !!!
Gasanschluß wurde mir Verweigert von Erdgas Schwaben ich habe keine andere Moglichkeit.
Scheinheilige Besogrnis um "Verbraucher"
von Mr. B am 16.08.2012
Würden die Preise auf die Industrie umgelegt, müsste dies der Veraucher auch zahlen und zwar in den Produktpreisen.

Zudem würden massenhaft Arbeitsplätze verlagert und/oder die Löhne würden noch mehr gedrückt um Wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die scheinheilige Besorgnis der Grünen um die "Verbraucher" ist also Heuchelei.

Wer hat uns denn das EEG Gesetz erst eingebrockt?
Viel besser wäre es diesen Unsinn ganz abzuschaffen.
Umverteilung der Lasten bringt nichts
von Vernunft am 16.08.2012
Belastet man die Industrie mit mehr Kosten, gibt sie diese doch einfach in der Form von höheren Preisen und niedrigeren Löhne weiter. Es ist nicht so, daß ein Unternehmen irgendwelche Ersparnisse hätte aus denen sie Mehrkosten bezahlen könnten, oder daß die Profite so groß wären. Die meisten Unternehmen kämpfen ums Überleben, und das bischen Profit das sie machen, nimmt der Fiskus ihnen weg, und zwar ohne Danke zu sagen.
Insofern ist sowohl die Vorgehensweise der CDU/FDP, die Industrie zu entlasten, als auch die Idee der Grünen, die Endverbraucher zu entlasten, irrelevant. Es gibt einfach Kosten, diese Kosten muss die Volkswirtschaft als ganzes tragen.
Zusammenfassung
von DH am 24.08.2012
Die grüne Bundestagsfraktion gibt Steuergeld für eine Studie aus, die ein Lobbyist erstellt, der weder über einen berufsqualifizierenden Abschluss in Ökonomie noch Kraftwerksbau oder Netzwerktechnik verfügt, keinerlei Bindung zur Wissenschaft aufweist und auch sonst bislang durch keine wissenschaftlichen Publikationen aufgefallen ist.

Die Studie wird nicht veröffentlicht, ist damit nicht nachprüfbar und beinhaltet Aussagen, die im Widerspruch mit kürzlich erfolgten (wissenschaftlichen) Publikationen stehen.

Entstehen so politische Positionen der Grünen allgemein oder nur in diesem speziellen Fall?
von MS am 25.08.2012
Liebe/-r DH, Sie bringen es auf den Punkt.

Selber Mist bauen (Förderwahnsinn EEG), aber Schuld sind die Anderen. Leider ist das in Deutschland quer über alle Parteien Realität.

Und da wird dann irgendwas behauptet, was absoluter Unsinn ist und fast alle Presseorgane geben das ohne Kommentar einfach so wieder. Lobende Ausnahme hierzu ist der Kommentar der FAZ vom 25.08.2012.

Weiter so, dann wird die Partei der Nichtwähler auch weiter die stärkste Partei sein. Den Politikern ist das doch sowieso egal, hauptsache sie behalten ihre Posten und können ihre Klientel bedienen. Das ist aus den grünen geworden, eine ganz normale machtgeile Partei.
An "Mr.B" und "Vernunft"
von Achim am 26.08.2012
Natürlich legen die Firmen die Mehrkosten durch den Strom auf die Kunden um - das ist SEHR gerecht, denn ich habe ÜBERHAUPT keine Lust, Stromkosten für ein Unternehmen zu zahlen, dessen Kunde ich nicht bin!!!!

Das sollen deren Kunden übernehmen!!!!! Warum sollen denn z.B. Hartz 4 Empfänger den Strom von Firmen zahlen, die sie nicht mal kennen? Was soll DAS denn?
An "DH" und "MS"
von Achim am 26.08.2012
Also, ich weiß nicht welche Studie Sie meinen, ich jedenfalls habe die von den Grünen gemeinte Studie hier gefunden.

Und wenn die Studie im Widerspruch zu anderen Publikatienen stehen soll, dann bitte zu welchen?

Mein Problem ist, dass hier einfach Leute reinschreiben die irgendwas behaupten aber keine Nachweise dafür anführen. Wieviel Behauptungen wurden schon von der Atomlobby in die Welt gesetzt, die totaler Quatsch waren?

Wenn die der Studie zugrunde liegende Informationen stimmen kann man jedenfalls schwerlich das Gegenteil behaupten. Dazu ist das Bild einfach zu eindeutig.
An "Mr.B"
von Achim am 26.08.2012
Wer hat uns das EEG Gesetz eingebrockt?

Ja, Rot Grün, aber momentan ist Schwarz Gelb dafür verantwortlich.

Genauso wie Schwarz Gelb für die verschärfte Hartz 4 Version verantwortlich war und ist.

Also bitte jegliche Kritik an die Regierung richten, die ist für die momentane Umsetzung der Gesetze zuständig, und zwar schon mehr als 7 Jahre, was die CDU angeht.
weniger verbrauchen, das ist ökologisch!
von Volker Z. am 27.08.2012
ohne Industrie gibt es keine Arbeitsplätze!

und um Wettbewerbsfähig zu bleiben kann die Wirtschaft keine Mondpreise gebrauchen....

Wer Ökologisch leben will, muss verzichten....

also raus mit euren vielen StromGeräten und Lifestyle Gadgets

Nur Verzicht ist ökologisch

Lifestyle und Neoökos die sich einen grüne Luxusoase basteln wollen, aber bei Strompreisen jammern......aber im Bioladen schon mal an einem Tag das Geld ausgeben, womit ein Hartz IV Bezieher zwei Wochen hinkommen muss!
Dieser Artikel ist älter als zwei Monate, deshalb werden keine Kommentare mehr angenommen.
Stromzähler

Mehr zum Thema Energie

Bundestagsrede von Julia Verlinden

Energieeffizienzrichtlinie

Bundestagsrede von Julia Verlinden

Stromsperren

Bundestagsrede von Oliver Krischer

EEG-Änderung

Bundestagsrede von Julia Verlinden

EU-Energieeffizienzrichtlinie

Statement von Oliver Krischer, Marieluise Beck

Ende von South Stream: Chance für Energieversorgung in Europa