Was ist Adhocracy und wie sieht die Beteiligung im Detail aus?
Trotz vieler Widerstände ist es gelungen, für die Arbeit der Enquete-Kommission "Internet und Digitale Gesellschaft" ein Beteiligungstool für Bürgerinnen und Bürger durchzusetzen. Adhocracy ist eine Beteiligungssoftware, die für die Enquete-Kommission durch den Verein Liquid Democracy e. V. in Zusammenarbeit mit Sachverständigen der Enquete-Kommission angepasst wurde. Die Beteiligung erfolgt auf www.Enquetebeteiligung.de. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger können sich registrieren lassen und über einen Aktivierungslink identifizieren. Die Sachverständigen und Abgeordneten der Enquete-Kommission werden Texte der Enquete-Projektgruppen in die Adhocracy Projektgruppen einbringen, an denen sich die Bürgerinnen und Bürger mittels Kommentaren, Ergänzungen und Vorschlägen beteiligen können. Eine Beteiligung ist unbeschränkt an allen Projektgruppen und Vorschlägen möglich.
Die Beteiligung wird in mehreren Phasen stattfinden:
- Phase 1: Besprechung des Arbeitsprogrammes über einen festgelegten Zeitraum
- Phase 2: Entwicklung von Texten/Ideen
- Phase 3: Abstimmungszeitraum
Phase 1: Zunächst werden verschiedene Themen vorgeschlagen, kommentiert, diskutiert und in unterschiedlichen Modi entwickelt. So kann ein Text beispielsweise in einem Wiki gemeinsam erarbeitet werden. Das bedeutet, dass jeder an dem Text mitschreiben kann. Außerdem kann die Textarbeit an das Einverständnis des Erstautors geknüpft werden, also im sogenannten Opt-in Modus erfolgen. Aus diesen Themenvorschlägen entsteht mittels Bewertung eine priorisierte Liste, die eine Endversion darstellt. Abgeordnete und Sachverständige haben daraufhin die Möglichkeit, Themen zu wählen, die in das Arbeitsprogramm aufgenommen werden. Diese Arbeitspunkte werden als sogenannte Normen in Adhocracy eingebracht.
Grafik von Liquid Democracy e.V. nach http://wiki.liqd.net/Konzept_EIdG
Vorschläge münden daraufhin in Papiere, die als eine Art Zusammenfassung fungieren. Diese Papiere können schließlich ebenfalls wie die Vorschläge ergänzt und abgestimmt werden. Diese Endfassungen können dann von den Abgeordneten und Sachverständigen der Enquete-Kommission in die Textarbeit der Kommission aufgenommen werden.
Phase 2: Der nächste Schritt ist die Sammlung von Ideen, aus denen verschiedene Vorschläge zur Textarbeit entstehen. Die Vorschläge bestehen aus "Titel", "Zielbeschreibung" und "Umsetzung", die sich jeweils auf ein Thema beziehen. Soweit eine Projektgruppe ein Arbeitspapier beschließt, kann dieses als Arbeitsgrundlage eingebracht werden, sodass sich alle Texte und Textvarianten von diesem Zeitpunkt an auf dieses Arbeitspapier beziehen.
Grafik von Liquid Democracy e.V. nach http://wiki.liqd.net/Konzept_EIdG
Phase 3: Letztendlich kommt es dann in einem festgelegten Zeitrahmen zur Abstimmung. Abgestimmt werden die Vorschläge in ihrer Endfassung. Wieweit das Abstimmungsergebnis als eigenes Votum in die Enquete-Arbeit Einfluss nehmen wird oder wieweit die einzelnen Textteile in die Arbeit der Projektgruppen einbezogen werden, wird im kontinuierlichen Diskurs entschieden werden.
Die Einbindung von Adhocracy in die tägliche Parlamentsarbeit einer Enquete-Kommission ist ein Experiment. Die Entwickler von Adhocracy sind ein junges Team von Programmierern des Liquid Democracy Vereins, der für seine Arbeit keine finanzielle Vergütung erhält. Es sollte bei der Anwendung von Adhocracy also immer im Blick behalten werden, dass hier ein Prozess der steten Optimierung stattfindet und unter Umständen mancher Optimierungsbedarf besteht.


