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Welternährungstag | 16.10.2010

Landraub verschärft Hunger

Knapp eine Milliarde Menschen hungern, das ist jeder sechste Mensch auf der Erde

Es gibt viele Ursachen für Hunger, die vor allem auf das Versagen von Politik und Wirtschaft zurück zu führen sind. Wir fordern von der Bundesregierung, sich für einen Paradigmenwechsel in der Hungerbekämpfung stark zu machen. Es müssen verbindliche Regeln gegen land grabbing geschaffen werden.

Der Hunger in der Welt ist kein Produktions- sondern ein Strukturproblem.

Wir brauchen keine globale Industrialisierung der Landwirtschaft und keine Steigerung der Nahrungsmittelherstellung. Viele Regierungen in den Entwicklungsländern kümmern sich bei ihrer Agrarpolitik mehr um die Gewinne beim Export als um die leeren Mägen in den abgelegenen Dörfern oder stecken zu viel Geld in Rüstung und zu wenig in die Sicherung der Grundbedürfnisse.

Auch das Versagen von PolitikerInnen in den Industrienationen trägt zum Hungerelend bei. Noch immer kippen EU und USA ihre hoch subventionierten Agrarprodukte zu Dumpingpreisen auf die Märkte des Südens. Gegen diese mächtige Konkurrenz aus dem Norden kommen die Bäuerinnen und Bauern mit ihren vor Ort angebauten Grundnahrungsmitteln nicht an.

Die Abhängigkeit des Südens vom Norden wächst. In vielen Ländern Afrikas hat der importierte Reis den lokalen Maniok als Grundnahrungsmittel bereits verdrängt. Angesichts steigender Weltmarktpreise kann dies verheerende Auswirkungen haben: Als 2008 die Preise für Nahrungsmittel explodierten, waren viele Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika genötigt, ihre Ersparnisse aufzubrauchen, ihren Besitz zu veräußern, auf Schulbildung und Gesundheitsvorsorge zu verzichten. Menschen in Entwicklungsländern gegen etwa 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus.

Welternährungspolitik am Menschenrecht auf Nahrung ausrichten

Vor allem Kleinbäuerinnen und Kleinbauern müssen wir unterstützen, klima- und ressourcenschonend gesunde Nahrungsmittel zu produzieren – und zwar in erster Linie für lokale und regionale Märkte.  Perspektivisch müssen in den Entwicklungsländern Wertschöpfungsketten aufgebaut und soziale Sicherungssysteme geschaffen werden, die auch den Ärmsten der Armen zu Gute kommen. Hierfür muss sich die Bundesregierung im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit engagieren.  

Gier nach Land

Allein 2009 haben wohlhabende Staaten, Konzerne und Investmentgesellschaften 46,6 Millionen Hektar Ackerland in Entwicklungsländern aufgekauft oder für Jahrzehnte gepachtet. Das ist eine Fläche so groß wie Deutschland und Österreich zusammen. Das Ziel dieses Scheckbuch-Kolonialismus ist nicht nur der Anbau von Nahrungsmitteln, Tierfutter und Energiepflanzen für die Menschen in den Industrie- und Schwellenländern, sondern auch reine Spekulation.

Die Menschen vor Ort profitieren von diesen "Investitionen" meist nicht, im Gegenteil. Etwa 80 Prozent der Hungernden weltweit sind Kleinbauern, Landlose und Menschen, die von Fischerei-, Wald- und Weidewirtschaft leben. Genau diese Menschen werden Zugang zu Land für die lokale Nahrungsmittelproduktion verlieren.

In Rom wurden diese Woche erstmals auf UN-Ebene im neu gegründeten Welternährungskomitee (CFS) die Thematik und die negativen Auswirkungen des land grabbing diskutiert. Spätestens bei der nächsten Sitzung des CFS im Herbst 2011 sollen freiwillige Leitlinien für den Zugang zu den natürlichen Ressourcen Land und Wasser - die von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur Zeit ausgearbeitet werden - von der Staatengemeinschaft verabschiedet werden.

Die Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen befasst sich am 12. und 13.11.2010 in Berlin auf unserer Konferenz "BodenLos Wem gehört das Land" mit der Thematik.

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