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Welthunger | 15.10.2009

Versagen der Menschheit

Zahl der Hungernden so hoch wie nie zuvor

Die aktuellen Schätzungen der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zur Zahl der Hungernden in der Welt belegen. Trotz rückläufiger Nahrungsmittelpreise ist die Zahl erneut rapide angestiegen und hat die Milliardengrenze überschritten. Nun ist es offiziell: 1,02 Milliarden Menschen sind chronisch unterernährt und leiden Hunger. Das heißt: Jeder sechste Mensch auf dieser Welt geht abends mit leerem Magen ins Bett. Dies ist ein moralischer und politischer Skandal! Für jede Politikerin und jeden Politiker, hier und in den betroffenen Ländern, sollte klar sein: Business as usual ist ein für alle mal vorbei!

Welternährung sichern, statt europäische Agrarexporte fördern    

Konferenzen mit leeren Versprechungen hatten wir genug. Die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft müssen sofort einen Kurswechsel im Kampf gegen den Hunger einleiten. Denn die Hungerdramatik ist kein Problem der Verfügbarkeit. Wir haben genug Lebensmittel auf der Welt und die Agrarproduktion wächst weltweit, trotzdem versinken immer mehr Menschen in Hunger und Elend. Ein Problem, für das die Industrieländer mitverantwortlich sind: Unkontrollierte Ressourcenausbeutung durch Rohstoffkonzerne und Plantagenwirtschaft zerstören Wälder und Äcker in Südamerika und Asien. Überfischung durch EU-Flotten raubt westafrikanischen Fischern die letzten Nahrungsquellen. Erzwungene Handelsliberalisierung und Milliardensubventionen an europäische Agrar- und Lebensmittelkonzerne zerstören Leben und Einkommen von Kleinbäuerinnen und –bauern weltweit. Zudem haben auch die Regierungen vieler Entwicklungsländer jahrzehntelang die lokale Nahrungsmittelproduktion links liegen gelassen.

Die globale Dreifachkrise

Klima-, Finanz- und Hungerkrise haben im Kern die gleiche Ursache: Sie sind die Folge von Markt- und Politikversagen. Wer dem freien Spiel der Kräfte seinen Lauf lässt, nimmt in Kauf, dass sich Gier und Rücksichtslosigkeit durchsetzen. Die Schwächsten kommen dann unter die Räder. Natürliche Ressourcen werden vergiftete und vergeudet. Wenn es nicht endlich gelingt, der Globalisierung soziale und ökologische  Leitplanken zu setzten, wird es immer mehr Verlierer geben. Krassester Ausdruck davon ist die Zahl der Hungernden: eine Milliarde Menschen – so viele waren es noch nie. 

Wir brauchen weltweit eine Landwirtschaft, die Ressourcen und Klima schont 

Wir Grüne verlangen sofortiges Handeln von der Bundesregierung, um der Hungerkrise entschieden entgegen zu treten:

  • Wir brauchen kurzfristig Soforthilfe, um eine Ausweitung der humanitären Katastrophe zu stoppen.
  • Im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit muss ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung zum Schwerpunkt gemacht werden: Wir fordern die Bundesregierung auf, zehn Prozent der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (ODA) für diesen Bereich einzusetzen. Die Regierungen der Entwicklungsländer sind ebenfalls aufgefordert, mindestens zehn Prozent ihres Gesamtbudgets für Landwirtschaft und Förderung der ländlichen Regionen bereit zu stellen und die Ernährungssicherheit im eigenen Land zur obersten Priorität zu machen.
  • Die Umsetzung des Menschenrechts auf Nahrung gehört auf der internationalen Agenda ganz nach oben.
  • Die sozialen Sicherungssysteme in den Entwicklungsländern müssen ausgebaut werden.
  • Der Bericht des Weltagrarrats (IAASTD) sieht allein in einer nachhaltigen, standortangepassten, bäuerlichen Landwirtschaft die Antwort auf das Hungerproblem in der Welt. Diese Erkenntnisse müssen endlich in der Agrarpolitik - sowohl bei uns in Europa als auch in Schwellen- und Entwicklungsländern - umgesetzt werden: Wir brauchen Anbaumethoden, die Klima und Ressourcen schonen. Wir brauchen Menschenrechts- und Nachhaltigkeitskriterien für alle Agrarprodukte. Gentechnik ist keine Lösung, sondern Teil des Problems!
  • Die Agrarexportsubventionen der EU müssen sofort gestoppt werden.
  • Die Europäische Agrarpolitik wollen wir umgestalten nach dem Grundsatz: öffentliche Gelder für gesellschaftliche Leistungen. Betriebe, die sich im Bereich Klima-, Umwelt-, Natur- und Tierschutz engagieren und Arbeitsplätze schaffen, sollen angemessen dafür honoriert werden.
  • Wir brauchen eine faire Handelspolitik, die sich an Chancengleichheit orientiert und insbesondere den Entwicklungsländern erlaubt, sich vor Dumpingfluten zu schützen.
  • Bei Landtransaktionen ("land grabbing") müssen lokale Gemeinschaften  in die Verhandlungen mit einbezogen werden, ihre Landrechte müssen respektiert und gestärkt werden. Staatliche und private Akteure dürfen nur dann im großen Stil in die Landwirtschaft in Entwicklungsländern investieren, wenn sie ökologische, soziale und menschenrechtliche Standards respektieren.

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