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Welternährungsgipfel | 17.11.2009

Absichtserklärungen reichen nicht aus

Bereits am ersten Tag des Welternährungsgipfels haben die Staats- und Regierungschefs von über 60 Ländern in einer Schlusserklärung zwar ihren Willen zur Hungerbekämpfung bekräftigt. Bei den Maßnahmen, die ergriffen werden sollen, konnten sie sich aber kaum über die bereits im Sommer beschlossenen Schritte hinaus einigen. Beim Gipfel wurde somit eine weitere Chance vertan, der steigenden Zahl der Hungernden ein Zeichen der Hoffnung entgegen zu setzen.

Wieder wurde das alte Lösungsmuster der Produktionssteigerung präsentiert anstatt Verteilungs-, Landzugangs- und Bildungsfragen die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken. Zudem drückt sich die Staatengemeinschaft seit Jahren um die notwendigen Kurskorrekturen in der internationalen Handels-, Agrar- und Entwicklungspolitik. Mit technologischen Ansätzen werden wir das Hungerproblem nicht lösen. Nötig ist eine veränderte Landnutzung, ein fairer Welthandel und ein Abbau der Agrarsubventionen in den Industriestaaten, dessen Agrarprodukte zu Dumpingpreisen auf die Märkte der Entwicklungsländer geschmissen werden und in den Ländern des Südens die kleinbäuerliche Landwirtschaft zerstören. So kreiert man weitere Abhängigkeit und in der Folge Hunger, weil die notwendigen Strukturen nicht aufgebaut werden können, die Bevölkerung vor Ort mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Wie man aktuell an der Milch-Debatte in Deutschland und Europa sieht, sind die westlichen Staaten momentan jedoch nicht bereit, an ihrer verfehlten Übermengenproduktion etwas zu ändern. Das schadet nicht nur dem Süden, sondern auch unseren ländlichen Regionen, wo aktuell zehntausende Arbeitsplätze in der mittelständischen Landwirtschaft gefährdet sind.

Dramatisch ist, wie sehr die Erklärung am aktuellen Problem des "land grabbing" durch internationale Agrarkonzerne und Hedgefonds vorbei geht. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben sich transnationale Konzerne, Hedgefonds, die Deutsche Bank, und reiche Staaten 33 Millionen Hektar fruchtbaren Ackerlandes in Entwicklungsländern angeeignet. Der dramatische Aufkauf von Land wird in der Schlusserklärung mit keiner Silbe erwähnt.

Der fortschreitende Klimawandel wird das Hungerproblem noch verschärfen, weil er zu Missernten durch Überschwemmungen, Dürren und zur Verödung ganzer Landstriche führt. Vom Klimagipfel in Kopenhagen erwarten wir daher verbindliche Zusagen der Industrieländer zur Emmissionsreduktion, zu Technologie- und Finanztransfers. Auch das ist die Botschaft von Rom.

Absichtserklärungen – wie die von Ministerin Aigner zum FAO-Gipfel - reichen nicht aus. Wir werden die Bundesregierung an ihrer konkreten Politik messen.

 

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