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Verbraucheraufklärung | 19.08.2011

Klarheit bei Lebensmitteln

Nach jahrelangem Streit hat das Europäische Parlament die Lebensmittelinformations-Verordnung verabschiedet. Verbraucherschützer hatten eine Nährwertampel und die Kennzeichnung negativer Merkmale wie Transfettsäuren, Alkohol, Glutamat oder Süßstoffe gefordert, sich aber nicht durchgesetzt. Geregelt werden stattdessen Allergene in unverpackten Lebensmitteln, die Angaben zu Nährwerten, die Herkunftsbezeichnung und die Schriftgröße. Bei den Nährwerten sind zukünftig Energiegehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Proteine, Kohlenhydrate, Zucker und Salz obligatorisch auf der Verpackungsrückseite vorgeschrieben.  

Der europäische Gesetzgeber hat damit eine große Chance vergeben, die Konsumentinnen und Konsumenten mit dem notwendigen Rüstzeug in einer immer künstlicheren und unübersichtlicheren Lebensmittelwelt auszustatten. Besonders sogenanntes Wellfood und Kinderprodukte liegen im Trend der Marktstrategen. Klarheit bei Lebensmittel zu schaffen gehört mittlerweile zu den dauerhaften Aufgaben in der Verbraucherpolitik.

Konsumfalle: Kindermilch

Lebensmittel für Säuglinge, Kleinkinder sowie Menschen mit besonderen medizinischen Bedürfnissen werden in der Diät-Verordnung geregelt. Leider sind dort keine Regeln für unsinnige und überdrehte Produkte festgehalten. Neuster Coup der Lebensmittelwirtschaft ist die Kindermilch. Angereichert mit Calcium, Eisen und Vitaminen verspricht das fettreiche Pulver "Gesünder als Milch" zu sein.

Verbraucherschützer und das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen das ganz anders und halten Kleinkindermilchgetränke aus ernährungsphysiologischer Sicht für nicht notwendig. Und die Verbraucherzentralen haben in einer Marktuntersuchung belegt, dass diese besonderen Milchprodukte auch noch besonders teuer ist. Die Spitze der Veredelung: Kindermilch in Kapseln als Automatengetränk eines Schweizer Herstellers, also Latte macchiato fürs Baby. Dabei wächst das Gras auch nicht schneller, wenn man daran zieht.

Neues Verbraucherportal

Hotels, Ärzte und Pflegeheime – im Netz werden viele Angebote bewertet. Nun kommen Lebensmittelverpackungen dazu. Sachgerechte und verständliche Aussagen auf der Lebensmittelverpackung sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Dennoch führen uns Bilder von glücklichen Kühen auf der Weide in die Irre, wenn die Tiere tatsächlich nur im dunklen Stall stehen. Und Grünfärberei kommt immer mehr in Mode. Es ist daher zu begrüßen, dass die Verbraucherverbände nun ein öffentlich gefördertes Portal zur Kennzeichnung und Aufmachung von Lebensmitteln (www.lebensmittelklarheit.de) gestartet haben.

Nutzerinnen und Nutzer können sich zur Kennzeichnung informieren, aber auch Mogeleien und Tricks melden. Schwarzwälder Schinken auch aus Dänemark? Leberwurst ohne Leber, Pizza ohne Käse? Wo wird legal geschönt, wo findet sich rechtswidriger Etikettenschwindel? Das Portal bringt Licht in den Graubereich. Eine Redaktion schließt Schmähkritiken und falsche Beschuldigungen aus und holt Stellungnahmen ein. Unternehmen können ihre Sichtweise an vergleichbarer Stelle und in vergleichbarer Aufmachung kostenlos artikulieren. Nach tausenden Anfragen in den ersten Tagen haben sich die Seitenbesuche auf durchschnittlich 50 Produktmeldungen und 20 Forenanfragen täglich eingependelt.

 

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