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Ernährung | 19.01.2012

Maßlose Lebensmittelverschwendung

© ISO K° - photography - Fotolia.com, http://de.fotolia.com/id/9107161

Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) wird weltweit rund ein Drittel aller für den menschlichen Verzehr produzierten Lebensmittel weggeworfen. Das entspricht etwa 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmitteln, die pro Jahr umsonst produziert werden. Spitzenreiter der Nahrungsmittelverschwendung sind die Industrienationen. Allein in Deutschland landen nach Schätzungen der Welthungerhilfe Jahr für Jahr über 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von ungefähr 25 Milliarden Euro auf dem Müll. Ein durchschnittlicher Haushalt mit vier Personen könnte im Jahr rund 1300 Euro sparen, wenn sorgsamer mit den Lebensmitteln umgegangen würde.

Lebensmittelverschwendung ist angesichts von Hunger und Ressourcenknappheit unerträglich

Nach Angaben der Welternährungsorganisation leiden derzeit weltweit 925 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung. Der sorglose Konsum und Umgang mit Lebensmitteln in den Industriestaaten trägt zum Hunger bei. Allein die Menge an Lebensmitteln, die in Europa und Nordamerika auf dem Müll landet, würde ausreichen, um alle Hungernden auf der Welt zu versorgen.

Die Überproduktion und Verschwendung von Lebensmitteln ist außerdem in höchstem Maße umweltschädlich: sie führen zu unnötigem Flächenverbrauch, überflüssigen Umweltbelastungen, der Verschwendung kostbarer Ressourcen wie Wasser, Energie oder Verpackungsmaterialien sowie zu intensiver Landbewirtschaftung und industriellen Tierhaltungsformen. Darüber hinaus werden bei der Erzeugung, der Verrottung und der Verbrennung der riesigen Berge an Lebensmittelabfällen Treibhausgase in erheblichem Umfang frei.

Bundesregierung muss umsteuern und Lebensmittelverschwendung stoppen

Auch die Politik von Schwarz-Gelb ist in erheblichem Ausmaß mit Schuld an unserem Umgang mit Lebensmitteln. Vor allem bei der Fleischproduktion, aber auch in anderen Bereichen, setzt die Bundesregierung auf Masse statt Klasse und auf vermeintlich billige Massenproduktion. Die Überproduktion von Lebensmitteln hat System und das Wegwerfen von Lebensmitteln ist eingeplant. Ankündigungsministerin Aigner muss endlich aktiv werden. Der Verweis auf ihre seit langem angekündigte Studie zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland wird langsam langweilig. Wieder einmal hinkt Deutschland hinter den europäischen Nachbarn hinterher, die wie Österreich oder Großbritannien schon lange wissenschaftlich fundierte politische Maßnahmenpläne gegen Nahrungsmittelverschwendung vorzuweisen haben. Nordrhein-Westfalen hat in einem Runden Tisch den Dialog mit allen relevanten Akteuren entlang der Lebensmittelkette gesucht – daran sollte sich Aigner ein Beispiel nehmen und mit Erzeugern, Handel und Lebensmittelwirtschaft nach Wegen suchen, um die klima- und ressourcenschädliche Verschwendung einzudämmen.

Grüner Maßnahmenplan – Verluste vom Acker bis zum Teller reduzieren

Wir haben einen klaren Forderungskatalog vorgelegt, um die Lebensmittelverschwendung zu verringern.

Wir fordern die Aufhebung unsinniger Handelsnormen, die nichts mit der Ernährungsqualität von Lebensmittel zu tun haben. Außerdem muss es Verbraucherinnen und Verbrauchern ermöglicht werden, bedarfsgerecht einzukaufen und zu essen. Dazu gehört die Bereitstellung von Produkten für Ein-Personen-Haushalte ebenso wie die Förderung von Bedientheken und der lose Verkauf von Obst und Gemüse. Außerdem muss das Konzept des Mindesthaltbarkeitsdatums überprüft werden. Die Bundesregierung muss wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien vorlegen, um das Mindesthaltbarkeitsdatum möglichst nahe an das tatsächliche Verfallsdatum zu koppeln.

Zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung brauchen wir auch eine stärkere Förderung nachhaltiger Lebensmittelerzeugung. Ein Umbau der Agrarförderung ist dringend nötig: Weg von der Subventionierung und Exportorientierung, hin zu einer stärkeren Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und des Biolandbaus. Die hoch subventionierte industrialisierte Lebensmittelerzeugung hat massive negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und die Gesundheit von Menschen und Tieren. Viele Produkte werden außerdem eher weggeworfen, weil sich aussortieren oder eine Prozessoptimierung bei den geringen Preisen nicht lohnt. Deshalb brauchen wir Preise, die die Wahrheit sagen. Die negativen Auswirkungen müssen sich im Preis widerspiegeln und so einen Anreiz bieten für den Kauf nachhaltiger Produkte und die Vermeidung von Verschwendung. Dadurch wird auch die Wertschätzung von Lebensmitteln wieder gestärkt.

Außerdem muss die Verbraucheraufklärung und -forschung intensiviert werden. Da reicht es nicht, dass Frau Aigner ein kleines Aufklärungsvideo zum Mindesthaltbarkeitsdatum ins Internet stellt. Ernährungsbildung fängt im Kindergarten und in der Schule an und muss zum Beispiel in Form von Lebensmittelkunde und Kochunterricht in die Lehrpläne integriert werden. NRW geht unter grüner Regierungsbeteiligung mit gutem Beispiel voran.

Was am Ende im Supermarkt übrig bleibt, sollte den Tafeln oder Mülltauchern zugänglich gemacht werden: Wer Lebensmittel aus dem Müll rettet, soll dafür nicht bestraft werden.

 

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