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Kinderernährung | 02.12.2011

Schulverpflegung gemeinsam voranbringen

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Pausensnack

Eine gesunde Schulverpflegung für Kinder steigert den Lernerfolg von Schülerinnen und Schüler. Sie sind leistungsfähiger, konzentrierter und reaktionsschneller, wenn sie gut gefrühstückt haben und während des Unterrichts Wasser trinken können. Doch jedes dritte Kind geht ohne Frühstück in die Schule. Mit leerem Magen lässt sich aber nur schlecht lernen. Vor allem Ältere wenden sich auch noch von der Schulmensa ab. Genauere und bundesweite Zahlen zum Versorgungsgrad und zur Qualität der Mittagsverpflegung fehlen jedoch.

Anhörung im Bundestag

Ein guter Ernährungsstatus und die optimale Verpflegung an Schulen sind eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern. Der Ernährungsausschuss des Bundestages hat sich daher in einer Expertenanhörung über den aktuellen Stand der Schulverpflegung informiert. Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, Vernetzungsstellen für die Schulverpflegung, Caterer und Ländervertreterinnen und -vertreter waren sich einig, dass eine gesunde Schulverpflegung ein wichtiger Beitrag zur Bekämpfung von Übergewicht und Fehlernährung ist. Und sie ergänzt den Lernprozess. Eine Trendumkehr in der Übergewichtsentwicklung ist eines der Ziele in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Der Bund wurde mehrfach aufgefordert, sich stärker zu engagieren.

Zunächst einmal ist die Infrastruktur an den Schulen weiterhin verbesserungsbedürftig. Der Ausbau zum Ganztagsbetrieb hat in den vergangenen Jahren zwar die Zahl der Austeilküchen erhöht, doch an ernährungswissenschaftlich vorzugswürdigen Frischeküchen, die die Speisen frisch in den Schulen zubereiten, mangelt es noch. Auch ökonomische Analysen über die optimale Verpflegungsorganisation oder Vollkosten-Kenngrößen sind nicht ausreichend vorhanden. Klar ist: eine stärkere Professionalisierung muss Lehrerschaft, Schülerschaft und Eltern einbeziehen, sondern kommt es zu Akzeptanzproblemen.

Qualitätsstandards, Vernetzungsstellen und Bildungspaket

Die von der Bundesregierung geförderten Maßnahmen wurden unterschiedlich bewertet. Die noch unter Verbraucherministerin Künast angestoßenen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung wurden begrüßt, seien aber sehr anspruchsvoll und daher nur stufenweise umsetzbar. Geschätzt  wurde, dass 30-50 Prozent der Küchen sie anwenden. Hier braucht es weitere Unterstützungsmaßnahmen.

Ein Erfolgsprojekt für die Entwicklung gesunder Essensangebote sind die Vernetzungsstellen für Schulverpflegung, die der Bund in allen Bundesländern fördert. Aus dem Modellprojekt in Berlin aus dem Jahr 2003 ist mittlerweile ein wichtiger Verbund geworden, der langfristig erhaltungswürdig ist.

Ein unverzichtbarer Ansatz ist die Kostenübernahme für Bedürftige. Die Finanzierung von Schulessen aus dem "Bildungspaket" von Sozialministerin von der Leyen wurde als zu umständlich angesehen. Kinder von Hartz IV-Beziehenden sollten darüber eine warme Mittagsmahlzeit erhalten. Jedoch gibt es an vielen Schulen noch gar kein Essensangebot. Darüber hinaus ist das Gutschein-System so bürokratisch ausgestaltet, dass es von den meisten Betroffenen gar nicht in Anspruch genommen wird. Hier ist die Prüfung einer Pauschalerstattung dringend geboten. Die geladenen Sachverständigen diskutierten weitere Vorschläge wie einen reduzierten Mehrwertsteuersatz oder die Ernährungsfachfrau bzw. den Ernährungsfachmann an Schulen.

Grüne Forderungen

Bund und Länder stehen in der Pflicht, ein umfassendes Konzept für die Schulernährung unter Einbeziehung aller Schulformen und der bestehenden Schulobst- und Schulmilchprogramme vorzulegen. Darin soll auch ein Bund-Länder-Programm zur Schulverpflegung aufgelegt werden. Die Anhörung hat bestätigt, dass die Vernetzungsstellen für Schulverpflegung in den Bundesländern wichtige Arbeit in diesem Bereich leisten. Als erster Schritt ist nun die Finanzierung der Vernetzungsstellen nach 2013 sicher zu stellen.

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