"Für das Wertvollste im Leben", "rundum gut aufgehoben" und "entwickelt nach dem Vorbild der Muttermilch" sind nur einige Beispiele aus der Werbesprache für Kindernahrung. Vor allem spezielle Produkte für Babys und Kleinkinder werden immer bunter und aggressiver angeboten. Neuester Coup der Lebensmittelwirtschaft ist die Kindermilch. Angereichert mit Calcium, Eisen und Vitaminen verspricht das fettreiche Pulver "Gesünder als Milch" zu sein.
Dabei sind sich Wissenschaft und Gesundheitswesen einig, dass Kindermilch völlig unnötig und gar nicht ungefährlich ist. Wer die Mischung aus Molke, Zucker und künstlichen Vitaminen verfüttert, riskiert eine Überversorgung mit Proteinen, Eisen, Zink und Vitaminen. Die rechtlichen Anforderungen an Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder werden in der Diät-Verordnung geregelt. Leider sind dort keine Regeln für unsinnige und überdrehte Produkte festgeschrieben.
Staatlicher Schutz erbeten
Die Nationale Stillkommission findet, dass sachlich falsche Werbeaussagen und unzulässige Abbildungen Eltern verunsichern und täuschen können. Verbraucherschützer tadeln die Produkte zudem als überteuert.
Bei den Inhaltsstoffen enthalten die meisten Produkte mehr als die empfohlenen 3 g Protein pro 100 g Lebensmittel. Und ein übersüßtes Kinder-Dessert im Supermarktregal, das für den 10. Lebensmonat angepriesen wird, darf gar nicht erst dorthin gelangen.
Ein Brief von Frau Aigner…
Eine Anfrage an die Bundesregierung bestätigt die fachliche Kritik, zeigt aber auch Zulassungsmängel. Weder wird geprüft, ob auch ernährungswissenschaftliche Laien diese Produkte sicher konsumieren können, noch folgen Konsequenzen, wenn Nährstoffe überreichlich den kindlichen Körper belasten. Eltern werden mit den irreführenden Werbeaussagen und falsch zusammen gesetzten Produktneuheiten allein gelassen.
Nun will Bundesministerin Aigner die Bundesländer anschreiben und auf mögliche Verstöße hinweisen. Das ist zu wenig. Denn den Überwachungsbehörden fehlen klare Kriterien für die Untersagung. Und die Koordination des Bundes, um hier länderübergreifend das Angebot zu lichten.
…oder Politik für Kinder!
Eltern und Kinder können mehr erwarten. Wir fordern politische Maßnahmen zum Schutz von Babys und Kleinkindern:
- einen Schwerpunkt im jährlichen Überwachungsplan 2012 der Lebensmittelkontrolle
- eine Verschärfung der Werbebeschränkungen in der EU-Richtlinie über Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung und die
- die Übertragung der Verbraucherschutzregeln auf Beikost bis zum 3. Lebensjahr.

