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Geldanlagen | 12.04.2012

Mit gutem Gewissen anlegen

(c) dpa

Für einheitliche Standards bei nachhaltigen Geldanlagen.

Nachhaltige Geldanlagen sind im Kommen. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch viele Stiftungen sorgen sich um eine ethisch verantwortungsvolle Geldanlage. Gerade Investitionen in Rüstung, Atomenergie oder in die Exploration von Gas und Öl, die mit hohen Umweltschäden verbunden ist, möchten viele Investoren bei der Anlage ausschließen. Da ein Marktüberblick bei den vielen verschiedenen Fonds für nachhaltige Geldanlagen schwierig erscheint, haben wir eine Studie zu den Inhalten einiger Nachhaltigkeitsfonds in Auftrag gegeben.

Was ist nachhaltig?

Da keine gesetzlichen Vorgaben existieren und der Begriff "Nachhaltigkeit" nicht geschützt ist, kann jeder Anbieter seine Anlagekriterien selbst festlegen. Meist wird dabei auf Mindestschwellen verwiesen, wonach ein Unternehmen beispielsweise nicht mehr als 5% seiner Umsätze in einem als nicht nachhaltig deklarierten Bereich (z. B. Rüstung) generieren darf. Unternehmen, die 5% in Rüstung, 5% in Atomenergie, 5% in Öl und Gas sowie 5% in Gentechnik investieren, gelten nach dieser Definition noch als nachhaltig, wobei die meisten Käufer von nachhaltigen Fonds solche Unternehmen gerne meiden würden.

Auf Anregung von Bündnis 90/Die Grünen fand bereits 2011 eine Anhörung zu nachhaltiger Geldanlage im Bundestag statt. Lobbyverbände der Finanzbranche lehnten Nachhaltigkeitsstandards dabei vehement ab. Diese würden Fondsanbieter in der Auswahl bevormunden und außerdem sollten Verbraucher ohnehin nur Produkte erwerben, die sie vollständig verstünden.

Unserer Ansicht nach besteht jedoch ein Recht darauf, Geld mit guten Gewissen anlegen zu können. Alle in unserer Studie untersuchten Fonds investieren jedoch teilweise in Unternehmen, die Geschäfte mit Atomenergie machen und nur ein Fonds schloss komplett alle Unternehmen aus, die im Rüstungsbereich tätig sind. Die Fonds in unserer Studie investieren in bis zu 241 Einzelunternehmen. Wenn Lobbyverbände argumentieren, Verbraucher könnten sich ja über jedes dieser 241 Unternehmen informieren, ist das bestenfalls zynisch.

Mindeststandards sind notwendig

Daher fordern wir weiterhin Mindeststandards im Bereich der nachhaltigen Geldanlage, um Verbrauchern eine transparente Möglichkeit für nachhaltiges Sparen zu geben. Der demographische Wandel bietet genügend Gründe für die Altersvorsorge. Das Jahrhundertprojekt Energiewende benötigt gleichzeitig private Investoren. Mindeststandards bei als nachhaltig deklarierten Fonds könnten einen Teil dazu beitragen, dass beide Bedürfnisse zusammen kommen. Dass die Bundesregierung sich weiter reglos zeigt, offenbart ihr eigentliches Desinteresse an der Energiewende.

 

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(c) dpa

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