Die Situation ist bekannt, die Befunde alarmierend, Veränderungen in den Hochschul- und Wissenschaftseinrichtungen aber kaum auszumachen: Frauen sind in Wissenschaft und Forschung weiterhin unterrepräsentiert, insbesondere in Führungspositionen und Entscheidungsgremien. Auch heute noch scheitern viel zu viele leistungsfähige Frauen an Rekrutierungs- und Bewertungsverfahren, die vor allem für Spitzen- und Leitungspositionen vorwiegend Männer bevorzugen. Auch in politiknahen Beratungskommissionen, in wissenschaftlichen Expertengremien oder, besonders ausgeprägt, in der industriellen Forschung sind Frauen rar.
Zwar haben gleichstellungspolitische Programme und Aktivitäten einiges bewirkt. Der erhoffte Durchbruch blieb indes aus. Die Vergeudung des intellektuellen Potenzials von Frauen rückt zunehmend auch als gravierendes Innovations- und Qualitätsdefizit in Forschung und Wissenschaft ins Bewusstsein. Zugleich konstatiert die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung 2010 herausgegebene Studie 'Rechtliche Grundlagen für Maßnahmen der Chancengleichheit in der Wissenschaft' "die ernüchternde und für viele auch frustrierende Erkenntnis, dass bisherige Gleichstellungsbemühungen gerade in der Wissenschaft nur wenig effektiv waren". Bis auf das Professorinnenmodell gingen von Bundesbildungsministerin Schavan keine weiteren maßgeblichen Impulse aus, an dieser unbefriedigenden Situation etwas zu verändern.
Grund genug für Bündnis 90/Die Grünen, der Regierung auf den Zahn zu fühlen. Zusammen mit den beiden anderen Oppositionsfraktionen im Bundestag haben wir daher eine Große Anfrage zu Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft auf den Weg gebracht. Gefragt wird nach einer Bilanz zur Gleichstellung der Geschlechter in Wissenschaft und Forschung, nach Handlungsfeldern, politischen Instrumenten und neuen Perspektiven.Wir berichten an dieser Stelle, sobald uns die Antwort der Bundesregierung vorliegt.

