Expertenkommission weist auf Mängel im deutschen Forschungssystem hin
Bund oder Land? Durch immer neue Verschiebe-Spielchen der Bundesregierung wird deutlich, dass die Finanzierungsschlüssel der Großforschungseinrichtungen mehr dem Zufall und historischen Gegebenheiten geschuldet sind, als strategischen Überlegungen. Dabei hat die Finanzierung nicht unerheblichen Einfluss auf die Ausstattung und das Forschungsprogramm der jeweiligen Einrichtung. In ihrem jährlich erscheinenden Gutachten betont die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), dass es dringend Not tut, diese Finanzierungsmodalitäten zu überdenken. Bündnis 90/Die Grünen haben schon im letzten Herbst in einem Antrag die "Überprüfung und Neuordnung der Forschungsfinanzierung" gefordert. Wir setzen uns für eine zeitlich befristete Strategiearbeitsgruppe ein, die ein Konzept aus einem Guss erarbeitet.
"Innovation" wird gerade als der entscheidende Faktor für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft erkannt. Die Expertenkommission weist nun in ihrem Gutachten darauf hin, dass wir es dabei noch mit vielen Unbekannten zu tun haben. Bisher beschränkt sich die Analyse der Innovationssysteme weitgehend auf die staatlichen und privaten FuE-Aufwendungen. Das EFI regt ein neues Vorgehen bei der "Vermessung der Wissensökonomie" an. Bündnis 90/Die Grünen fordern daran anschließend, einen breiten Innovationsbegriff auszubauen und mit Leben zu füllen. Wir wollen die Chancen nutzen, die sich aus Innovationen in Gesellschaft, Wirtschaft oder dem Finanzsystem ergeben.
Unverhofft werden dabei die vom "European Research Council" vergebenen Mittel zum Messinstrument für die Attraktivität von Forschungsstandorten. Die Expertenkommission betont, dass die ausgezeichneten GrundlagenforscherInnen Deutschland in dieser Hinsicht ein verheerendes Zeugnis ausgestellt haben: Von den 273 deutschen Preisträgern sind nicht einmal zwei Drittel in Deutschland geblieben. Jede und jeder, der schon mal mit einer Deutschen Hochschule über Forschungbedingungen verhandelt hat, weiß warum: Im Vordergrund steht dabei zumeist "was nicht geht". Bündnis 90/Die Grünen fordern, dass die Exellenzinitiative hier mit gutem Beispiel vorangeht und auch die Qualität des Forschungsumfelds und der Modalitäten berücksichtigt wird.
