Talkrunde
Kurz vor dem Anpfiff zum Spiel Deutschland-Frankreich am 5. Juli 2011 lud die Bundestagsfraktion Fachleute zu einer Talkrunde über Politik und Sport. Moderiert von Daniel Holefleisch sprachen die ExpertInnen in entspannter Atmosphäre über Sport, Politik und Feminismus. Das sensationelle Ergebnis des Spiels hatte übrigens niemand richtig getippt.
Fest für alle
Katrin Göring-Eckardt MdB, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, berichtete, wie sie bei der Männer-WM 2006 für Aufregung sorgte, als sie das Trikot der Nationalmannschaft im Präsidium trug. Nun ist sie Sonderbotschafterin der Frauenfußball-Weltmeisterschaft für den Spielort Dresden. Gerade in den vielen Jugendvereinen ist Fußball gelebte Integration, "beim gelungenen Passspiel ist es schließlich egal, welchen Pass jemand hat". Sie plädierte dafür, die WM auch als Fest für alle, eine Feier der Vielfalt und des fröhlichen Miteinanders zu genießen. Die Journalistin und Autorin Martina Schrey stellte ihre Jugendbuchreihe" 1. FC Ohne Jungs" (zusammen mit Claudia Ondracek) vor. Sie beschreibt darin den Alltag: wenn Mädchen mit Fußball anfangen, spielen sie zusammen mit den Jungs, aber bald werden die Teams nach Geschlecht getrennt – und für Mädchen gibt es deutlich weniger Trainingsmöglichkeiten. Beide hoffen, dass sich der Boom durch die WM auch danach in verbesserten Spielmöglichkeiten für Mädchen niederschlagen wird.
Schule und Verein
Viola von Cramon MdB, Sportpolitische Sprecherin, sprach mit Nico Borsetzky, Trainer der C-Mädchen bei Türkiyemspor Berlin 1978 e.V., über die derzeitigen Möglichkeiten für den Mädchenfußball in den Vereinen. Gerade die Kooperation zwischen den Schulen und den Vereinen sei hier besonders wichtig, da der Schulsport ein wichtiges Scharnier darstellen könne. Viola von Cramon plädierte dafür, die Einrichtung für „Koordinierungsstellen zu forcieren“ und zudem verstärkt auf „interkulturell geschulte und sensibilisierte Übungsleiterinnen und Übungsleiter“ zu setzen. Dabei müsse die Autonomie des Sports aber natürlich gewahrt bleiben. Leider, so stellte Borsetzky fest, war das Interesse des derzeitigen Berliner Senats an einem solchen Kooperationskonzept äußerst gering. Integration im und durch den Sport ist aber auch künftig ein wichtiges Thema der Sportpolitik. Das wusste auch der Trainer: „Bevor Sie fragen: ja, bei uns spielen die Mädchen auch mit Kopftuch!“
Fußball schafft Freiräume
Monika Lazar MdB, Sprecherin für Frauenpolitik und selbst aktive Fußballerin, sprach mit der ehemaligen Bundesligaspielerin Tanja Walther-Ahrens (Seitenwechsel e.V.) über die Freiräume, die Fußball eröffnen kann. Die Nationalspielerinnen können Vorbilder für eine ganze Generation werden. Kritisch sah Monika Lazar die Sexualisierung des Frauenfußballs, die Inszenierung von Spielerinnen als glamourös und sexy, mit stereotypen Accessoires wie Stöckelschuhen und Lippenstift. Zwar durchaus ein Zeichen, dass sich das lange vorherrschende Image einer "Lesbensportart" langsam auflöst. Insgesamt aber seien „Sexismus und Homophobie die letzten Tabus des Sports.“ Dennoch kann Fußball auch Zeichen dagegen setzen . „Innerhalb der Nationalmannschaft gibt es einen sehr entspannten Umgang mit der sexuellen Orientierung der Spielerinnen“ erläuterte Tanja Walther-Ahrens.









