Julia Franck liest aus ihrem Buch "Die Mittagsfrau" über das Scheitern und Gelingen eines Frauenlebens
Zahlreiche Gäste wohnten der Veranstaltung bei.
Im Anschluss hatten die Gäste Gelegenheit mit Julia Franck zu sprechen
Lesung und Gespräch mit Julia Franck
Die Schriftstellerin Julia Franck verzauberte beim Empfang der Bundestagsfraktion zum Internationalen Frauentag die Gäste. Sie las eine ergreifende und bedrückende Szene aus ihrem Buch „Die Mittagsfrau“ vor. Julia Franck skizzierte die Hauptperson – Helene – als eine Frau, die sich eindeutigen Festlegungen entzieht. Das Buch spricht vom Scheitern, aber auch vom Gelingen eines Frauenlebens. Helene scheitert an ihrer Mutterrolle aus vielerlei Gründen, sie ist beschädigt von ihren Erfahrungen. Das, so Julia Franck, ist weder Fiktion noch selten. Im Gegenteil, bei Lesungen berichten immer wieder Frauen und Kinder von ähnlichen Erlebnissen.
„Sie schreiben wie ein Mann!“ Julia Franck zitiert eine Kollegin, die diese Zuschreibung eines Kritikers als Lob interpretiert. Transportiert wird damit aber eine Nicht-Gleichwertigkeit von Literatur, die von Frauen geschrieben wird. So habe sie zu Beginn ihres Schreibens durchaus überlegt, ob sie ein männliches Pseudonym verwenden solle und ob sie dann ernster genommen würde. Aber bekanntermaßen hat sich Julia Franck dagegen entschieden, sie schreibt aus der Perspektive von Frauen und das ist ihr wichtig.
Im Gespräch mit der Fraktionsvorsitzenden Renate Künast zeigt sie auch ihre politischen Standpunkte. Ökonomische Unabhängigkeit ist für Frauen zentral und dafür sind ordentliche Rahmenbedingungen erforderlich, wie eine funktionierende gute Kinderbetreuung. Das ist im Osten noch deutlich selbstverständlicher als im Westen. Dennoch, wir leben in einer „frauenfreundlichen Zeit“, verglichen mit den Zuständen von vor noch wenigen Jahrzehnten. Einig waren sich beide, die Schriftstellerin und die Politikerin, dass noch einiges zu tun ist, bis Gleichberechtigung erreicht ist und dass sie sich eben nicht von alleine einstellt. Julia Franck lobte die deutschen Väter, die ihrer Einschätzung nach deutlich mehr an der Erziehung der Kinder teilnehmen würden, als in vielen anderen europäischen Ländern. Und ihre Wünsche an die Politik? Mädchen sollten über die Schule hinaus in einer anspruchsvollen Berufswahl gefördert werden. Frauen sollten erleben, dass sie trotz Kindern in ihren Berufen geachtet und gefördert werden – weil sie uns sonst als Gesellschaft fehlen. Und sie wünscht sich Solidarität unter Frauen.
Ekin Deligöz, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, eröffnete den Abend mit einer ganz persönlichen Schilderung der Frauen, die für sie in ihrem Leben bislang wichtig waren – darunter vor allem auch ihre Großmutter. Darüber hinaus beschrieb sie, welch ein Einschnitt der Wegzug damals aus der Türkei für sie als Achtjährige darstellte.
Monika Lazar, frauenpolitische Sprecherin, gab am Ende einen Ausblick auf die Initiativen, die die grüne Bundestagsfraktion derzeit plant. Dazu gehören die Forderung nach einem Gesetz zur Verhinderung von Entgeltdiskriminierung, das die grüne Bundestagsfraktion am 8. März im Bundestag fordert, und eine Initiative für ein Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft.
Ein poetischer wie politischer Abend zum Internationalen Frauentag.
Empfang zum Internationalen Frauentag
Lesung und Gespräch mit Julia Franck
Die Schriftstellerin Julia Franck verzauberte beim Empfang der Bundestagsfraktion zum Internationalen Frauentag die Gäste. Sie las eine ergreifende und bedrückende Szene aus ihrem Buch „Die Mittagsfrau“ vor. Julia Franck skizzierte die Hauptperson – Helene – als eine Frau, die sich eindeutigen Festlegungen entzieht. Das Buch spricht vom Scheitern, aber auch vom Gelingen eines Frauenlebens. Helene scheitert an ihrer Mutterrolle aus vielerlei Gründen, sie ist beschädigt von ihren Erfahrungen. Das, so Julia Franck, ist weder Fiktion noch selten. Im Gegenteil, bei Lesungen berichten immer wieder Frauen und Kinder von ähnlichen Erlebnissen.
„Sie schreiben wie ein Mann!“ Julia Franck zitiert eine Kollegin, die diese Zuschreibung eines Kritikers als Lob interpretiert. Transportiert wird damit aber eine Nicht-Gleichwertigkeit von Literatur, die von Frauen geschrieben wird. So habe sie zu Beginn ihres Schreibens durchaus überlegt, ob sie ein männliches Pseudonym verwenden solle und ob sie dann ernster genommen würde. Aber bekanntermaßen hat sich Julia Franck dagegen entschieden, sie schreibt aus der Perspektive von Frauen und das ist ihr wichtig.
Im Gespräch mit der Fraktionsvorsitzenden Renate Künast zeigt sie auch ihre politischen Standpunkte. Ökonomische Unabhängigkeit ist für Frauen zentral und dafür sind ordentliche Rahmenbedingungen erforderlich, wie eine funktionierende gute Kinderbetreuung. Das ist im Osten noch deutlich selbstverständlicher als im Westen. Dennoch, wir leben in einer „frauenfreundlichen Zeit“, verglichen mit den Zuständen von vor noch wenigen Jahrzehnten. Einig waren sich beide, die Schriftstellerin und die Politikerin, dass noch einiges zu tun ist, bis Gleichberechtigung erreicht ist und dass sie sich eben nicht von alleine einstellt. Julia Franck lobte die deutschen Väter, die ihrer Einschätzung nach deutlich mehr an der Erziehung der Kinder teilnehmen würden, als in vielen anderen europäischen Ländern. Und ihre Wünsche an die Politik? Mädchen sollten über die Schule hinaus in einer anspruchsvollen Berufswahl gefördert werden. Frauen sollten erleben, dass sie trotz Kindern in ihren Berufen geachtet und gefördert werden – weil sie uns sonst als Gesellschaft fehlen. Und sie wünscht sich Solidarität unter Frauen.
Ekin Deligöz, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, eröffnete den Abend mit einer ganz persönlichen Schilderung der Frauen, die für sie in ihrem Leben bislang wichtig waren – darunter vor allem auch ihre Großmutter. Darüber hinaus beschrieb sie, welch ein Einschnitt der Wegzug damals aus der Türkei für sie als Achtjährige darstellte.
Monika Lazar, frauenpolitische Sprecherin, gab am Ende einen Ausblick auf die Initiativen, die die grüne Bundestagsfraktion derzeit plant. Dazu gehören die Forderung nach einem Gesetz zur Verhinderung von Entgeltdiskriminierung, das die grüne Bundestagsfraktion am 8. März im Bundestag fordert, und eine Initiative für ein Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft.
Ein poetischer wie politischer Abend zum Internationalen Frauentag.