DAX 30 in Sachen Gleichstellung weiterhin auf dem Holzweg
Ein Spitzengespräch der Bundesregierung mit den Personalvorständen der DAX-30-Unternehmen brachte die Gleichstellungspolitik erneut nicht weiter. Die vorgestellten Zielsetzungen der DAX-Unternehmen beinhalten zwar halbwegs konkrete Zielvorgaben, allerdings lassen sich diese Vorhaben überhaupt nicht miteinander vergleichen. So gibt es zum Beispiel nicht einmal eine einheitliche Definition von „Führungsposition“, Aufsichtsräte und Vorstände wurden sogar ganz ausgenommen. Einige Zielzahlen beziehen sich auf die Belegschaft in Deutschland, andere auf die Belegschaft weltweit. Das eine Unternehmen ist schon bis 2012 handlungsfähig, andere erreichen ihre Ziele voraussichtlich erst 2020. Zusammengefasst: Die vorgestellten Pläne sind keine gut durchdachte Strategie zur Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt, sondern eine Mogelpackung der Wirtschaft. Damit wird die gläserne Decke nicht durchbrochen.
Die 30 führenden börsennotierten Unternehmen haben heute erneut gezeigt, dass ihnen eine grundlegende Veränderung in Sachen Gleichstellung nicht am Herzen liegt. Um die zuständige Ministerin zu besänftigen, wurde ein Aktionsplan zusammengeschustert, der den Erwartungen der Frauen in den Konzernen nicht standhalten kann. Positionen, in denen es um wirkliche Entscheidungsmacht geht, wurden ausgeklammert. Dass Ministerin Schröder dieses Übereinkommen als Erfolg verkaufen will, ist beschämend. Bereits seit 2001 gibt es in Deutschland eine freiwillige Vereinbarung zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft. Die daraus resultierenden Erfolge sind mehr als mager. In den letzten zehn Jahren stieg der Frauenanteil in Vorständen der DAX-Unternehmen von 2,5 auf 3,7 Prozent. Trotz Selbstverpflichtung der Wirtschaft hat sich also so gut wie gar nichts geändert. Klar ist: Damit die Wirtschaft nicht weiter von „Old Boys Networks“ dominiert wird, muss eine kritische Masse an Frauen in Führungspositionen vorhanden sein. Erst dann wird eine verbindliche Quote überflüssig sein.
Wir haben genug von reinen PR-Offensiven in Sachen Frauenförderung. Es reicht nicht aus, nach außen ein frauenfreundliches Image zu vertreten, wenn nach innen gar keine oder nur minimale Veränderungen angestrebt werden. Minister Schröder sollte dieses Vorgehen der Unternehmen nicht honorieren und erleichtern, sondern sich für jene einsetzen, für die sie qua Amt zuständig ist: die Frauen. Die Erkenntnis, dass freiwillige Selbstverpflichtungen nichts bringen, ausgerechnet bei der zuständigen Ministerin nicht angekommen. Das ist schädlich für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft: Die fortdauernde Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt schwächt auch die Unternehmen. Bildungsinvestitionen werden vergeudet und kreative Potenziale der Belegschaft bleiben ungenutzt. Eine Neuverteilung von Aufgaben und Verantwortung kommt auch denen zugute, die heute allzeit erreichbar sein müssen.
Das Festhalten an weichen Selbstverpflichtungen ist auch ein Affront gegen Frauen, die von Ministerin Schröder erwartet haben, das Problem an der Wurzel zu packen. Die Lehre aus dem Stillstand der letzten Jahre hätte sein müssen: Die Konzerne schaffen es alleine nicht, sie gehen den Weg des geringsten Wandels. Darauf nicht angemessen zu reagieren, ist politisch wie ökonomisch fahrlässig. Es ist die Aufgabe der Bundesregierung, hier eine klare Linie vorzugeben. Doch stattdessen verzetteln sich die Familienministerin und die Arbeitsministerin im Streit. Mit dieser Bundesregierung wird sich der Anteil von Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der deutschen Konzerne nicht erhöhen.
Bündnis 90/ Die Grünen fordern eine gesetzliche Geschlechterquote von mindestens 40 Prozent für Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen und Unternehmen mit Arbeitnehmermitbestimmung. Werden die Vorgaben nicht erfüllt, greifen Sanktionen. Unser Gesetzentwurf liegt dem Bundestag vor, wir laden alle Abgeordneten ein, diesem ersten Schritt zuzustimmen. Die Zeit ist reif dafür.

