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Agro-Gentechnik | 10.09.2010

Die BASF und die Gen-Kartoffel Amflora

Prinzip Verantwortungslosigkeit

Was haben die Gen-Kartoffel Amflora und der Bioökonomierat gemeinsam? Die BASF.

Am 8. September 2010 übergaben die Vertreter des selbsternannten Bioökonomierates – in dem neben der BASF auch andere Wirtschaftskonzerne wie die KWS Saat AG oder Dow AgroScience vertreten sind – ihre als Gutachten getarnte Forderungsliste gleich an zwei Bundesministerinnen. Empfängerinnen waren Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Forschungsministerin Annette Schavan. Letztere sprach in ihrer Dankesrede für das Lobbypapier der Industrie (für das sie immerhin rund 2 Millionen Euro öffentlicher Gelder bezahlt hat) vom Prinzip Verantwortung und zitierte den schönen Satz von Hans Jonas: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

Amflora: Innovation aus der Mottenkiste

Dieses Prinzip scheint das Bioökonomierats-Mitglied Stefan Marcinowski - beziehungsweise sein Konzern BASF - noch nicht so ganz verstanden zu haben. Vielmehr herrscht bei der BASF in Sachen Agro-Gentechnik eher das Prinzip Verantwortungslosigkeit. In Schweden stellten BASF-Mitarbeiter fest, dass  auf einem Amflora-Feld auch die in der EU nicht zugelassene Gen-Kartoffel Amadea wächst. Amadea soll wie Amflora vor allem als „Industriekartoffel“ eingesetzt werden, ist hinsichtlich der Risiken für Mensch und Umwelt noch nicht geprüft und steht noch ganz am Anfang des EU-Zulassungsprozederes.

In Mecklenburg-Vorpommern verliert Agrarminister Till Backhaus sein Vertrauen in die Zuverlässigkeit von BASF und beschlagnahmt die Ernte von Amflora. Schließlich sei nicht sicher, ob die Ernte auch dort mit Amadea verunreinigt ist. Auch die EU-Kommission ist verärgert. Schließlich war die Zulassung von Amflora auf EU-Ebene die erste Anbauzulassung nach über zehn Jahren und so eine Art „Flaggschiff“ des neuen, gentechnikfreundlichen EU-Kommissars John Dalli - und auch der schwarz-gelben Regierungskoalition. Nicht nur, dass Amflora ausdrücklich im Koalitionsantrag gewürdigt wurde - Wirtschaftsminister Brüderle reiste eigens zur Ernte des 15 Hektar großen Amflora-Feldes in Deutschland, um die Innovation dieses Gen-Konstrukts aus der Mottenkiste der 90er Jahre zu preisen.

Amflora-Anbau verbieten

Den großen Protesten bei der Anbauzulassung für Amflora zum Trotze versicherten die BASF, die EU-Kommission und die schwarz-gelbe Koalition: Alles ist sicher, wir haben das im Griff. Und nun sah sich die EU-Kommission genötigt, eigens ein Expertengremium einzuberufen, um die Ursachen für die aufgetretenen Verunreinigungen zu untersuchen und Vorgaben für die Probennahme entwickeln. Geht es nach der Industrie, dann sollen diese Probennahmen natürlich möglichst so angelegt werden, dass Verunreinigungen mit nicht-zugelassenen Gentech-Konstrukten erst ab einem bestimmten Grenzwert (beispielsweise 0,3 Prozent) bemängelt werden. Dabei weiß sowohl  die BASF als auch die EU-Kommission, dass eine Aufweichung der Nulltoleranz für nicht-zugelassene Gentech-Konstrukte gegen das EU-Recht verstößt. Ein Schelm wer Böses dabei denkt: Mit derartigen Verunreinigungsfällen will die Gentech-Industrie demonstrieren, dass „ein bisschen“ Verunreinigung doch nicht so schlimm sei und nicht zu verhindern wären.

Wir sagen: Die Verunreinigungen zeigen, dass die Agro-Gentechnik-Konzerne ihre Technik nicht im Griff haben. Wir fordern: Das Prinzip Verantwortung anwenden und einen erneuten Anbau von Amflora in Deutschland im nächsten Jahr verhindern.

 

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