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Futtermittel | 02.05.2011

Genpflanzen sind Giftpflanzen

Weniger Pestizide dank Gentech-Pflanzen? Fehlanzeige. Die Wahrheit: Genpflanzen sind Giftpflanzen. Ein Bericht im Auftrag der grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Höfken zeigt: Die Risiken durch herbizid- oder insektenresistente Gentech-Pflanzen sind hoch. Und die Kontrollen auf Pestizid-Rückstände bei importierten Gentech-Futtermitteln Pestizid-Rückstände schlecht.

Futtermittel-Importe und Agro-Gentechnik

"Vorsicht Giftmischer" – so warnt der Bericht des unabhängigen Instituts Testbiotech schon im Titel. Im Mittelpunkt stehen Risiken durch Pestizide, die im Zusammenhang mit gentechnisch veränderten Pflanzen eingesetzt werden. Entweder indem sie als Herbizide eingesetzt werden, deren Abbauprodukte für Mensch und Umwelt toxisch sein können.  Oder indem die Gentech-Pflanze auf dem Acker quasi das Insektizid ist, die in allen Pflanzenteilen einen giftigen Stoff produziert. Ein Beispiel für diese so genannten insektenresistenten Gentech-Pflanzen ist der Mais MON810 von Monsanto, der in Deutschland zwar nicht mehr angebaut werden darf, aber z.B. für Futtermittelzwecke importiert wird.

Anbau von Gentech-Soja – Schädlich für Mensch und Umwelt

Vor allem der Anbau der herbizidresistenten Gentech-Soja von Monsanto – die nicht in Deutschland, aber in Futtermittel-Exportländern wie Argentinien, Brasilien oder USA angebaut wird – steht schon seit einigen Jahren in der Kritik. Denn mit dem Gentech-Sojaanbau wird in diesen Ländern massiv das Herbizid "Roundup" eingesetzt. Aus den Hauptanbauländern der Gentech-Soja in Lateinamerika wie Argentinien oder auch Venezuela sind in den letzten Jahren zunehmend erschreckende Berichte erschienen über eine Zunahme zum Beispiel von Fehlgeburten oder Krebserkrankungen bei Menschen, die in der Umgebung von Gentech-Sojafeldern leben. Auch Meldungen über massive Umweltprobleme durch den Gentech-Soja-Anbau nehmen zu. So hat der Anbau von herbizidresistenten Pflanzen in den USA bereits zu massiven Problemen mit resistenten Beikräutern geführt, zudem sind herbizidresistente Pflanzen wie die Gentech-Soja von Monsanto verstärkt mit Fusarien (pathogene Pilze im Boden) belastet. Eine gute Übersicht über die wissenschaftlich bisher dokumentierten Risiken bietet der aktuellen Bericht "Glyphosat & Agrogentechnik" vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), der mit Fördermitteln des Bundesamtes für Naturschutz erstellt wurde.

Importierte Gentech-Soja – unzureichende Kontrollen

Roundup enthält außer dem Hauptwirkstoff Glyphosat Zusatzstoffe wie z.B. die als  Benetzungsmittel eingesetzte POE-Tallowamine, die als sehr giftig eingestuft werden. Zumindest in Deutschland. Denn das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) untersagte im Januar 2010 die Verwendung von Futtermitteln, bei deren Anbau in Deutschland Spritzmitteln eingesetzt wurden, die POE-Tallowaminen enthalten.

Das Problem der Roundup-Rückstände bei importierten Futtermitteln wird jedoch ignoriert. Dabei muss bei den heute größtenteils aus Nord- und Südamerika importierten Eiweißfuttermitteln mit hohen Rückstandsbelastungen von Glyphosat und POE-Tallowaminen gerechnet werden. Diese Importe von Gentech-Soja in die EU und damit auch nach Deutschland werden jedoch – vor allem aus Kostengründen - nur unzureichend auf Herbizidrückstände untersucht. Denn ausgerechnet für das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid und seine gesundheitsgefährdenden Begleitstoffe gibt es bisher keine einfachen und kostengünstigen Nachweisverfahren.

Giftcocktail: Kombinierte herbizid- und insektenresistente Pflanzen

Der Bericht von Testbiotech warnt außerdem vor gentechnisch veränderten Pflanzen, die selbst Gifte gegen Insekten produzieren. Diese sogenannten Bt-Toxine sind im Vergleich zu den natürlich vorkommenden Giften verändert, aktiviert und teilweise mehrfach kombiniert, was die Giftigkeit für Nützlinge, möglicherweise aber auch für den Menschen stark erhöhen kann. Noch problematischer ist die neue Generation von Gentech-Pflanzen, die sowohl herbizid- als auch insektenresistent sind ("stacked events"), bei denen also die Giftstoff-Problematik potenziert ist. Vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung ist ein gentechnisch veränderter Mais der Firmen Monsanto, Dow AgroSciences und Pioneer, der 6 verschiedene insektengiftige Toxine (Bt) produziert und 2 Resistenzgene für Herbizide enthält. Dieser "SmartStax" genannte Mais steht in der EU kurz vor der Zulassung, eine – wie zu erwartende – positive Bewertung der umstrittenen EU-Lebensmittelbehörde EFSA liegt bereits vor.

Gentech-Importe - Regierung muss reagieren

Der Bericht von testbiotech zeigt: Die Risiken durch Herbizide oder Insektizide im Zusammenhang von gentechnisch veränderten Pflanzen werden generell bei der Risikobewertung und Zulassung in die EU nicht oder viel zu wenig berücksichtigt. Die Bundesregierung muss umgehend auf diese Gefahren für Mensch und Umwelt reagieren. Statt wie bisher jedem neuen Gentech-Zulassungsantrag auf EU-Ebene zuzustimmen, muss sich Agrarministerin Ilse Aigner endlich dafür einsetzen, dass die Risikobewertung der EU-Ebene verbessert und die Pestizid-Problematik bei Gentech-Pflanzen berücksichtigt wird. Weder werden die mit herbizidresistenten Pflanzen eingesetzten Herbizide mit untersucht, noch wird die spezielle Zusammensetzung der toxischen Produkte in insektenresistenten Gentech-Pflanzen berücksichtigt. Noch weniger ist das Zulassungssystem und die Risikokontrollen der EU auf die Problematik der so genannten stacked events, die sowohl herbizid- als auch insektenresistent sind, vorbereitet.

Besonders drängend ist derzeit das Problem der Importe von Gentech-Soja, das mit Glyphosat/POE-Tallowamin-Rückständen belastet sein kann.Deutschland importiert immerhin rund sieben Millionen Tonnen Soja, ein großer Teil davon ist gentechnisch verändert. Darum muss dringend das nationale Rückstandsmonitoring auf Importfuttermittel ausgedehnt und eine industrieunabhängige Risikoforschung  auf den Weg gebracht werden. Zudem ist es langfristig unbedingt notwendig, die Abhängigkeit Deutschlands (und der EU) von Importfuttermitteln zu verringern, indem eine Strategie zur Erhöhung der Eiweißpflanzen-Produktion entwickelt und umgesetzt wird.

 

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