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Grüner Ärztetag | 14.05.2011

Ärztliches Berufsbild im Wandel

Seite 10

Podiumsdiskussion: Medizin im 21. Jahrhundert – welchen Arzt wollen wir?

Dr. Stefan Etgeton (Verbraucherzentrale Bundesverband), David Herr (Bundesvereinigung der Medizinstudierenden), Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey (Institut für Medizinische Soziologie an der Berliner Charité, Dr. Günther Jonitz (Ärztekammer Berlin), Fritz Kuhn (Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen), Moderation: Marion Förster (Medizinjournalistin)

"Was muss sich bis zum Jahr 2030 für die ÄrztInnen im Besonderen und in unserem Gesundheitswesen im Allgemeinen verändern?" So die Ausgangsfrage an die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion. Die Antworten ließen sich unter fünf Begriffe zusammenfassen: Ökonomie, Kooperation, Qualitätstransparenz, Regionalisierung und Prävention.

Kooperation – Auf Augenhöhe oder als Entlastung für die Ärzteschaft?

Alle TeilnehmerInnen stimmten darin überein, dass eine veränderte Arbeitsteilung insbesondere zwischen ÄrztInnen und Pflegekräften erforderlich ist. Der demografische Wandel erhöhe den Stellenwert der Begleitung und Beratung chronisch kranker PatientInnen. Das mache veränderte Kooperationsformen zwischen ÄrztInnen und Pflegenden notwendig. Strittig war, ob die damit verbundenen Aufgaben von ÄrztInnen an Pflegekräfte delegiert oder von diesen eigenverantwortlich übernommen werden. Während Prof. Kuhlmey eine "Kooperation auf Augenhöhe" verlangte, plädierte Dr. Jonitz dafür, die Letztverantwortung bei den ÄrztInnen zu belassen. Das sei auch wichtig für das Vertrauen der PatientInnen in die Qualität ihrer Behandlung.

Qualität – Steuerungskriterium für ein künftiges Gesundheitswesen

Dr. Etgeton wünschte sich für das Jahr 2030, dass es bis dahin zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dass PatientInnen von ihren ÄrztInnen nach erfolgter Behandlung aufgefordert werden, ihre Arbeit zu bewerten. Diese Rückmeldungen könnten dann zum Qualitätsmanagement in den Praxen genutzt werden.

Regionalisierung für maßgeschneiderte Versorgungslösungen

Viel Zustimmung fand die von Prof. Kuhlmey aufgestellte Forderung nach mehr Regionalisierung in der Versorgung. Der demografische Wandel verlaufe von Region zu Region sehr unterschiedlich. Deshalb seien auch unterschiedliche Versorgungsstrukturen erforderlich.

Dr. Jonitz wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die schon mit der Gesundheitsreform 2003 beschlossene kontinuierliche Auswertung von verschlüsselten Leistungs- und Abrechnungsdaten zur Verbesserung der Qualität und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung bis heute nicht umgesetzt sei. In der Konsequenz wisse man zu wenig über die Versorgungsbedarfe vor Ort. Das müsse sich schleunigst ändern. Auf diese Daten müssten dann auch die ÄrztInnen zugreifen können.

Prävention

Fritz Kuhn betonte die Bedeutung der Primärprävention für die öffentliche Gesundheit. Dabei müsse diese vor allem als "soziale Prävention" verstanden werden. Angebote müssten sich vor allem an sozial benachteiligte Gruppen wenden und die sozialen Bedingungen für Gesundheit thematisieren. Dieser Auffassung pflichtete David Herr bei. Gesundheit würde nicht nur im Gesundheitswesen erhalten oder wiederhergestellt. Andere Politikbereiche, wie Verkehr, Wohnen und vor allem auch die Bildung hätten eminente Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der BürgerInnen.

Gesundheit als Wert an sich

Dr. Jonitz und David Herr äußerten als Vertreter der (angehenden) ÄrztInnen auf dem Podium die Hoffnung, dass bis 2030 die Fremdbestimmung der ÄrztInnen durch ökonomische Zwänge nachlässt. Von der Politik forderten sie eine "werteorientierte Gesundheitspolitik". Damit lagen sie gar nicht weit entfernt von Fritz Kuhn. Dieser forderte, dass künftig die Gesundheit als solche – und nicht mehr Krankheit oder nur die Kosten – im Zentrum der Gesundheitspolitik stehen müsse. In den letzten Jahren habe die Debatte über die Lohnnebenkosten das Gesundheitsthema überlagert. Darüber sei aus den Blick geraten, dass Investitionen in die Gesundheit auch ein Beitrag zur Produktivität einer Gesellschaft seien.

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Dateizuordnung nicht korrekt
von Musselmann, Berthold am 03.05.2012
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich wurde von einer Patientin darauf aufmerksam
gemacht, dass unter meinem Namen der Vortrag von
Frau Witt hinterlegt ist.
Bitte meinen Vortrag korrekt hinterlegen.

Vielen Dank

LG

Berthold Musselmann

Dr.med.Berthold Musselmann,
Praxis Hauptstr.120, 69168 Wiesloch
Arzt für Allgemeinmedizin-Umweltmedizin-Naturheilverfahren-
-Chirotherapie-
Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren Universität Heidelberg
Abteilung für Allgemeinmedizin und
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