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Versorgung | 13.12.2010

Grenzen überwinden

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Grünes Fachgespräch zu integrierter Versorgung

Zu den aus der Perspektive der Patientinnen und Patienten weniger positiven Eigenschaften des deutschen Gesundheitswesens gehört die strikte Trennung zwischen den Sektoren. Schon Mitte der siebziger Jahre gab es daher Vorschläge, diese Grenzen zwischen ambulantem und stationärem Sektor durch eine integrierte Versorgung zu überwinden. Aber erst durch die rot-grüne Gesundheitsreform 2000 wurden solche neuen Versorgungsformen eingeführt.

Zehn Jahre danach haben wir in einem Fachgespräch der grünen Bundestagsfraktion am 14. Dezember 2010 Bilanz gezogen: Hat die integrierte Versorgung (IV) wie erhofft zu mehr Versorgungsqualität geführt? Welche Hemmnisse gibt es? Wie kann diese Versorgungsform weiterentwickelt werden?

Andrea Fischer, die damalige Gesundheitsministerin, sagte in ihrer Einleitung, dass die Trennung der Sektoren eine "Spezialität des deutschen Gesundheitswesens" sei, auf die man "nicht unbedingt stolz" sein könne. Die noch immer bestehenden Sektorengrenzen seien ein Hindernis auch für eine wirtschaftliche Versorgung seien. Für die Leistungsanbieter sei es nach wie vor attraktiv, die Patientinnen und Patienten in ihrem jeweiligen Bereich zu halten. Sie kritisierte, dass die neu geschaffenen Möglichkeiten der IV nur "zögerlich und vor allem mit wenig Mut und Interesse an umfassenden und tragfähigen Lösungen genutzt" würden.

Integrierte Versorgung: Status quo

Der erste Teil des Fachgespräches beschäftigte sich mit dem derzeitigen Stand der Integrierten Versorgung sowie Hürden bei deren Weiterentwicklung. Diesen Teil moderierte Biggi Bender, die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion.

Prof. Dr. Martin Gersch betreut an der Freien Universität Berlin das Projekt "Monitoring IV". Er verwies darauf, dass von den derzeit etwa 6.400 integrierten Versorgungsverträgen die weitaus meisten lediglich einzelne Erkrankungen abdecken würden. Nur 81 Verträge hätten einen populationsorientierten Ansatz, bei dem ein ganzes Gebiet in die Integrierte Versorgung einbezogen sei. Sehr häufig würde die subjektive Einstellung der Krankenkassenmitarbeiter darüber entscheiden, ob solche Verträge mit den Leistungsanbietern abgeschlossen würden und wie innovativ diese Verträge seien. (pdf seines Vortrags)

Der Hannoveraner Prof. Dr. Volker Amelung beklagte den immer noch zu geringen Handlungsdruck im Gesundheitswesen für derartige Verträge. Trotz ihres noch geringen Anteils an der gesamten Versorgung habe die IV erhebliche Veränderungen bewirkt. Vor dem Hintergrund der erheblichen Herausforderungen, vor denen das deutsche Gesundheitswesen stehe, führe letztlich kein Weg am Ausbau der Integrierten Versorgung vorbei. (pdf seines Vortrags)

Dabei sei jedoch bei den Kassen ein längerer Atem nötig, denn neue Versorgungsformen seien in der Anfangszeit häufig weniger wirtschaftlich. Zudem sei eine Fortsetzung der Anschubfinanzierung nötig. Als mögliche Varianten nannte Amelung hier unter anderem einen Innovationsfonds oder ein spezielles Darlehensmodell für integrierte Versorgungsverträge. Zudem sei eine wissenschaftliche Begleitung vieler Verträge notwendig. Entscheidender Erfolgsfaktor für Integrierte Versorgung sei eine gute Versorgungsqualität für die Patientinnen und Patienten etwa durch ausreichend Zeit im Behandlungszimmer sowie eine gute Versorgungssteuerung beispielsweise durch einen hausärztlichen "Kümmerer".

Die Perspektive nichtärztlicher Berufsgruppen brachte der Berliner Marius Greùel ein. Am Beispiel des Praxisnetzes Nürnberg Nord und des Netzwerkes für psychische Gesundheit Berlin konnte Greùel die Einbeziehung etwa von Pflegekräften, Psycho- und Sozialtherapeuten in die Integrierte Versorgung darstellen. Ziel beider Projekte ist eine bessere Lebens- und Versorgungsqualität der Patientinnen und Patienten durch eine gute Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Berufsgruppen sowie die Vermeidung stationärer Aufenthalte und unnötiger Behandlungen. (pdf seines ersten Vortrags) (pdf seines zweiten Vortrags)

 

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