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Grün macht gesünder | 16.12.2011

Gesundheitstour im Saarland

Das Saarland war am 08. Dezember 2011 Ziel der Gesundheitstour der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Sie führte Biggi Bender MdB (gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion) und Markus Schmitt MdL (gesundheitspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion) zu Projekten durch das Bundesland. Gespräche mit den Akteuren der Projekte "Völklingen lebt gesund!", des Krebsregisters Saarland und des Forschungsprojektes "Ersatzmethoden für Tierversuche in der Arzneimittelforschung" wurden abgerundet durch eine gesundheitspolitische Diskussion am Abend.

Aus der eigentlich zeitlich begrenzten Gesundheitskampagne "Völklingen lebt gesund!" in der 40.000-Einwohner-Stadt Völklingen ist mittlerweile eine dauerhafte "Bürgerbewegung" geworden, wie es Hauptinitiator und Projektleiter Karl-Heinz Schäffner (Volkshochschule Völklingen) und Oberbürgermeister Klaus Lorig begeistert zum Ausdruck brachten. Inzwischen nehmen an den Angeboten über 12.000 Personen pro Jahr teil, darunter über 3.000 Schülerinnen und Schüler. Ziel ist die Beteiligung und Mobilisierung möglichst vieler der Völklinger Bürgerinnen und Bürger. Hinter der Kampagne verbergen sich vielfältigste Angebote der Prävention und Gesundheitsförderung zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation vor Ort. Entscheidender Punkt einer solchen Bewegung ist nach Aussagen der Akteure das entstehende Netzwerk, so beteiligen sich inzwischen 189 Projektpartner an "Völklingen lebt gesund!". Die Kampagne wurde unter dem Motto "Das Saarland lebt gesund!" inzwischen auf das gesamte Bundesland ausgeweitet, wie Verena Bernard und Franz Gigout von der Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. (LAGS) berichteten. Die zahlreichen Einzelprojekte wenden sich an verschiedene Zielgruppen: mobile Bewegungsbaustellen in Kindergärten zur Förderung von Beweglichkeit und Koordination; Yoga in Kindergärten; Rückenschule für Lehrer und Schüler durch Physiotherapeuten im Unterricht; Sehtests durch mobilen Optiker in Grundschulen; betriebliches Gesundheitsmanagement in der Verwaltung; Schulung von Migrantinnen und Migranten in deutscher Sprache (bis zu zwei Jahre); ein Theaterstück zum Thema Ängste und Depressionen; ein Projekt zur Senkung der Prähospitalphase bei Herzinfarkt (Zeit zwischen Beginn des Herzinfarkts und Krankenhausaufnahme) u.v.m.

Gesundheitstour Saarland

Das Epidemiologische Krebsregister Saarland ist angesiedelt beim Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz in Saarbrücken. Christa Stegmaier, Leiterin des Krebsregisters, berichtete über die statistische Erfassung und Aufbereitung der gemeldeten Krebsdaten und andere Aufgaben wie die unterstützende Evaluation und Qualitätssicherung von Screening-Programmen zur Früherkennung von Gebärmutterhals-, Brust-, Darm- und Hautkrebs. Ferner beteiligt sich das Saarländische Krebsregister an großen epidemiologischen Studien, etwa zur medizinischen Versorgung der Betroffenen wie zur Lebensqualität der Langzeitüberlebenden.

Der dritte Besuch des Tages fand statt im Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), es ging um "Ersatzmethoden für Tierversuche in der Arzneimittelforschung". Projektziel des Forscherteams um Prof. Dr. Claus-Michael Lehr ist, mit einer neuen Methode schneller, kostengünstiger und auch ethisch verträglicher zu wirksamen Medikamenten zu gelangen. Dazu wurde aus menschlichem Gewebe ein künstliches Modell entwickelt, das den menschlichen Darm als natürliche Barriere für Arzneimittel simuliert und dem Gesamtsystem Mensch näher kommen soll als ein Tierversuch. Dadurch sollen bessere und richtigere Vorhersagen über die Wirkung und Wirksamkeit von Medikamenten getroffen werden können. Für ihre Arbeit zur Entwicklung eines Zellkulturmodells einer entzündeten menschlichen Darmschleimhaut erhielten die Saarbrücker Pharmazeuten bereits den rheinland-pfälzischen Tierschutzpreis 2010 sowie jüngst den Tierschutzforschungspreis 2011 des Bundes.

Für den Abend lud die Bundestagsfraktion zur Diskussion des Themas "Nachhaltig und patientenorientiert – Gesundheitsversorgung neu denken!" ins Saarbrücker Filmhaus ein. Dort beschrieb Biggi Bender zunächst die Schwächen und Gerechtigkeitslücken in der Finanzierung unseres Gesundheitswesens sowie in der Organisation der gesundheitlichen Versorgung. Im Anschluss präsentierte sie die grünen Eckpfeiler für eine Reform der Kranken- und der Pflegeversicherung sowie die Stellschrauben für eine Grenzen überwindende, patientenorientierte Versorgung. Hierzu zählen eine aufgewertete Primärversorgung, eine neue Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen, eine besser vernetzte Versorgung mit Spielräumen für Innovationen und qualitätssteuernden Anreizen sowie eine integrierte, Sektor übergreifende Versorgungsplanung.

Unter Moderation von Markus Schmitt stellten sich im zweiten Teil der Veranstaltung Biggi Bender sowie Angela Staub (Vorsitzender der Landesvereinigung Selbsthilfe e.V. im Saarland), Jörn Simon (Leiter der Landesvertretung der Techniker Krankenkasse) und Prof. Dr. Thomas Altenhöner MPH (Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes) den Fragen des Publikums. Diskussionsthemen waren die Wartezeiten für psychisch Kranke, die Preise und die Qualität der Arzneimittelversorgung in Deutschland, Homöopathie, die Zuzahlungen der Patientinnen und Patienten, das schädliche Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung mit unterschiedlichen Regeln sowie Wege zur Überwindung dieses dualen Systems.

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