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Grün macht gesünder | 21.12.2011

Gesundheitstour in Schleswig-Holstein

Das Thema psychische Gesundheit stand im Zentrum der Gesundheitstour in Schleswig-Holstein.

Die grünen Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink und Dr. Harald Terpe besuchten gemeinsam mit Dr. Marret Bohn von der Fraktion im Kieler Landtag zunächst Professor Dr. med. Arno Deister, den Ärztlichen Leiter des Zentrums für psychosoziale Medizin, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im Klinikum Itzehoe. Hier gibt es seit 2003  ein regionales Budget: Die Klinik bekommt von allen Kassen für jeden Einwohner im Kreis Steinfurt ein festes Budget, das für Patientinnen und Patienten mit psychischen Erkrankungen zur Verfügung steht, unabhängig davon, ob die Behandlung stationär, tagesklinisch ambulant oder zu Hause erfolgt. Das Besondere des Konzeptes: Das Budget wird für mehrere Jahre garantiert. Überschüsse müssen nicht  zurückbezahlt werden und bleiben auch in der psychiatrischen Versorgung. Ziel des Modellprojektes ist eine individuellere, an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientierte Behandlung und die Vermeidung von stationären Aufenthalten oder Wiedereinweisungen. "Die Psychiatrie muss sich von den Betten lösen", formulierte es der Chefarzt. Viel Wert gelegt wird auch auf die enge Zusammenarbeit im gemeindepsychiatrischen Verbund, also mit niedergelassenen Ärzten, freien Trägern und dem sozialpsychiatrischen Dienst. Der Chefarzt wünschte sich vom Gesetzgeber klare Vorgaben, dass übergreifend gearbeitet werden soll, Anreize für Modellprojekte, eine umfassende Begleitforschung und Unterstützung für ein "lernendes System".

Die nächste Station führte Maria Klein-Schmeink, Dr. Harald Terpe und Dr. Marret Bohn  zur Starthilfe Kiel. Die Starthilfe bietet Arbeitsplätze für Menschen mit psychischen Behinderungen. Die Politikerinnen besichtigten hier mehrere Werkstätten und Betriebe von der Wäscherei über das Stadtteilrestaurant Fleet bis hin zur Fahrradwerkstatt und dem Antiquariat.

Am Abend luden die Abgeordneten zum öffentlichen Fachgespräch zum Thema "Hilfen in psychischen Krisen – Wie kann die Versorgung verbessert werden?" in das Stadtteilrestaurant Fleet ein. Wolfgang Faulbaum-Decke, Geschäftsführer der Brücke Schleswig-Holstein, nannte in der Begrüßung die wesentlichen Vorteile der ambulanten Versorgung psychisch kranker Menschen:  Die sozialpsychiatrische Diagnostik in der ambulanten Arbeit berücksichtige alle Lebensbereiche der Betroffenen (Familie, Arbeit) und die Maßnahmen würden mit allen Beteiligten abgestimmt.

Um die ambulante Versorgung psychisch Kranker durch ein umfassendes Angebot zu verbessern, hat die Brücke SH 2010 das Projekt der Integrierten Versorgung psychische Gesundheit  ins Leben gerufen. Dessen Leiter, Stefan Meyer-Kaven stellte es vor. Neben einer Kontaktstelle, die 24 Stunden täglich erreichbar ist, bietet das Projekt häusliche Betreuung unter Einbeziehung der Angehörigen, vermittelt ambulante Gruppenangebote, unterstützt in akuten psychischen Krisen und bei der Suche nach Ergo- und Psychotherapieplätzen. Außerdem stehen Rückzugsräume zur Verfügung. Hier können Menschen in Krisen vorübergehend unter intensiver Betreuung wohnen und so einen Klinikaufenthalt vermeiden. Wichtig sei ein koordiniertes Hilfesystem, betonte Peter Soost vom Kieler Fenster, ebenfalls Träger des Projektes.

Die Kriseninterventionsteams und das Rückzugshaus seien die Hauptgründe, warum die Deutsche Angestellten Krankenkasse seinen Versicherten die integrierte Versorgung anbiete, erläuterte Cord-Eric Lubinski  von der DAK. Ziel sei es Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und Maßnahmen mit den Beteiligten zu entwickeln und nicht über ihre Köpfe hinweg. "Wir brauchen Systeme, die Vernetzung belohnen. Wir können uns nicht weiter Doppelstrukturen leisten," formulierte Dr. Johann  Brunkhorst den Ansatz der Techniker Krankenkasse, die das Konzept mit der Brücke entwickelt hat.

Maria Klein-Schmeink begrüßte, dass sich bei der Integrierten Versorgung psychische Gesundheit immer mehr Krankenkassen beteiligen. Sie betonte: "Wir brauchen kassenübergreifende Konzepte, damit keine Zwei-Klassen-Medizin entsteht und alle Versicherten von innovativen Konzepten profitieren können."

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