Der neue Personalausweis wird von Innenminister de Maizière als großartige Innovation gefeiert. Gerade aber aus den Neuerungen ergeben sich auch Risiken.
Die persönlichen Daten werden - mit den gleichen technischen Sicherheitsmängeln wie auch beim Reisepass - auf einem RFID-Chip gespeichert. Es stellt sich die gleiche Sinnfrage: Es gibt einen erwiesenermaßen fälschungssicheren herkömmlichen Ausweis, warum also eine neue Technik? Besonders offensichtlich stellt sich die Sinnfrage beim freiwilligen Fingerabdruck: Wenn der Staat so sensible Daten erhebt, braucht er einen triftigen Grund. Den gibt es nicht, sonst wäre die Erfassung nicht freiwillig. Und wenn kein Bedarf da ist, dann soll der Fingerabdruck auch nicht erhoben werden.
Kernstück des neuen Ausweises ist die elektronische Identifikationsfunktion (eID). Damit sollen sich die Nutzerinnen und Nutzer beim Online-Einkauf gegenüber zertifizierten Händlern identifizieren können und sich so vor Daten-Phishing und Identitätsklau schützen können. Was in der Theorie gut klingt und technisch auch weitestgehend sauber umgesetzt ist, hat diverse Mängel:
- Wer den vom Bund verschenkten Kartenleser nutzt, muss sich ganz sicher sein, keine Schadsoftware auf dem Rechner zu haben. Diese Leser haben die geringste Sicherheitseinstufung am Markt und sind ein Risiko, wie eine aktuelle Studie belegt.
- Nur wenige Händler haben bisher Interesse gezeigt, denn Zertifizierung und vor allem sicherer Betrieb der Identifikationsfunktion kosten viel Geld. Testnutzer waren enttäuscht, wie wenig Neues die eID-Karte bietet.
- Heute mag der Ausweis sicher sein, aber niemand wird im Computerbereich behaupten wollen, dass ein zehn Jahre gültiges Dokument auch so lange wirklich sicher ist. Dazu ist der technische Wandel viel zu schnell.
- Ist der heimische PC nicht gegen alle Angriffe gewappnet, droht auch weiterhin der Identitätsdiebstahl. Und dann wird es richtig gefährlich – denn dann ist nicht das Passwort von einem Kundenkonto geknackt, sondern es ist der Zugang bei allen Händlern möglich. Das haben gerade Studien belegt, die das Innenministerium beauftragt hat.
Kosten wird die neue Karte auch viel mehr als bisher: 28,80 Euro werden fällig, egal ob man Fingerabdruck und eID überhaupt haben und nutzen will. Und diese Steigerung um 20 Euro bedeutet für die Kommunen trotzdem noch ein Verlustgeschäft – sie rechnen damit, dass ihr Anteil von 6 Euro bei weitem nicht reicht, um den Beratungsbedarf zu decken. Und der ist erheblich: Gerade die eID-Funktion muss ausführlich erklärt werden. Gewünscht hätten sich die Gemeinden eher einen Kostenanteil von 15 Euro.
Wir treten dafür ein, den alten Personalausweis beizubehalten. Parallel dazu soll es eine staatlich zertifizierte Karte geben, die eID-Funktion ist dafür eine gute Grundlage. Aber diese Karte sollten man zusätzlich erwerben können, dann kann jeder die Risiken eingehen, die er eingehen will und muss nur die Kosten tragen, die für seine Wünsche auch wirklich anfallen.

