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Energiewende | 07.02.2012

Fadenscheinige Kampagne der Klimaleugner

Die Energiewende bedroht massiv das bisherige Geschäftsmodell der Energiekonzerne. Kein Wunder also, dass sich diese nicht einfach geschlagen geben. Nach dem Frontalangriff auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in den vergangenen Wochen folgt nun der Versuch, den Klimawandel zu verharmlosen. Das Ziel ist in beiden Fällen das gleiche: der Erhalt der fossilen Energieerzeugungsstrukturen.

Das Phänomen ist nicht neu. Kaum fallen im Winter die Temperaturen oder der Sommer ist ungewöhnlich verregnet, melden sich die sogenannten Klimaskeptiker zu Wort. Sie stellen dann den Klimawandel in Frage, allerdings ohne dies konkret an Hand von prüfbaren Fakten zu belegen.

Das Ziel des Zweifels: 50 Jahre weiter wie bisher!

Diesmal ist es Fritz Vahrenholt, natürlich auch kein Klimaforscher sondern RWE-Manager - und nebenbei SPD Mitglied -, der vorgibt die vermeintlichen Fehler und Versäumnisse der Klimawissenschaft aufzudecken. Dabei bedient er sich im Wesentlichen altbekannter und längst widerlegter Thesen. Die Springerpresse mit „Welt“ und „Bild“ unterstützen mit ihrer Berichterstattung nach Kräften, um die eigentliche gewollte Botschaft unter die Menschen zu bringen: „Wir werden noch in den nächsten 50 Jahren konventionelle Kraftwerke brauchen“ (Vahrenholt in Welt-online vom 07.02.2012). Damit sind Ross und Reiter klar und das Ziel ist eindeutig: Jedes Jahr ohne verstärkte Klimaschutzanstrengungen bedeutet für die Energiekonzerne ein gewonnenes Jahr mit satten Profiten. Dafür werden "Furcht, Unsicherheit und Zweifel" gesät, um den Menschen den Eindruck zu vermitteln, es sei vielleicht doch vieles ungewiss und man hätte ja noch Zeit.

Richtig ist: wir haben keine Zeit mehr zu verlieren

Die vorliegenden wissenschaftlichen Fakten und Daten geben leider überhaupt keinen Anlass am fortschreitenden, vom Menschen verursachten Klimawandel und dessen zu Auswirkungen zu zweifeln. Alle wissenschaftlichen – und übrigens für jeden nachlesbaren - Messungen belegen eindeutig, dass der Klimawandel aktuell sogar schneller voranschreitet als bislang angenommen. Das Jahr 2010 war eines der heißesten jemals gemessenen und teilt sich den Hitzerekord mit dem Jahr 2005 (nach Angaben des Goddard Institutes der US-Raumfahrtbehörde). Insgesamt war es 2010 auf der Erdoberfläche, kombiniert aus Land- und Ozeanwerten, um 0,74 Grad Celsius wärmer gewesen als im Durchschnitt. Diese Daten stammen von mehr als Tausend Wetterstationen auf der ganzen Welt sowie von Satellitenbeobachtungen. Die gemessenen Durchschnittstemperaturen liegen damit am oberen Rand des ungünstigsten Szenarios, das vom Weltklimarat (IPCC) in seiner Projektion von 2007 noch angenommen hatte.

Die Rolle der Treibhausgase

Auch darüber, dass das Kohlendioxid (CO2) neben einigen anderen Klimagasen maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich ist, gibt es in der Klimawissenschaft keinen Zweifel. Jede globale Klimaveränderung kann letztlich nur aus einer Veränderung der Strahlungsbilanz an der Oberkante der Atmosphäre erklärt werden. Die Grundlage dafür ist der erste Hauptsatz der Thermodynamik zur Energieerhaltung. Für eine Änderung der Strahlungsbilanz kommen demnach nur drei Möglichkeiten in Frage: 1. die Veränderung der Sonneneinstrahlung auf die Erde, 2. die Veränderung des reflektierten Anteils des Sonnenlichtes von der Erde, z.B. durch eine veränderte Reflektion durch Entwaldung oder Wolkenbildung und 3. die Zunahme an Treibhausgasen. Die einzelnen Beiträge sind messbar und entsprechend im IPCC Bericht mit den jeweiligen Unsicherheitsspannen angegeben. Ergebnis: Die Treibhausgase sind dabei eindeutig der dominante Faktor.

Die Sonnenaktivität hat nur einen vergleichsweise geringen Einfluss

Diagramm: Global Temperature Difference

Die Schwankung der Sonnenaktivität hat dagegen nur einen vergleichsweise geringen Einfluss. Vergleicht man direkt den Strahlungsantrieb der Sonnenaktivität mit dem der Treibhausgase, wird man sehr leicht feststellen, dass der Strahlungsantrieb der Sonnenaktivität gegenüber dem des CO2 eher gering ist. Dieser sogenannte Strahlungsantrieb beschreibt den möglichen Einfluss auf die Störung des Strahlungshaushaltes der Erde und wird in Watt (W) pro Quadratmeter Erdoberfläche gemessen. Messungen zeigen, dass die Sonnenaktivität zwischen Sonnenaktivitätsminimum zu Sonnenaktivitätsmaximum in einem 11-jährigen Zyklus gerade einmal für einen Strahlungsantrieb von 0,2 W/Quadratmeter verantwortlich ist. Allein der Anstieg des Kohlendioxids in der Atmosphäre bewirkt dagegen eine Erhöhung des Strahlungsantriebes um das Zehnfache. Es ist von daher auch nicht überraschend, dass wir derzeit zwar in einer Phase mit einem Minimum an Sonnenaktivität befinden, gleichzeitig aber die globalen Temperaturen weiter steigen und das Jahr 2010 global trotzdem als eines der bislang wärmsten Jahre in die Geschichte eingegangen ist.

Wetterextreme und Naturkatastrophen nehmen zu

Auch die Anzahl der Naturkatastrophen hat massiv zugenommen. Insgesamt wurden nach Angaben der Münchner Rück Versicherung im Jahr 2010 insgesamt 950 Naturkatastrophen verzeichnet, 90 Prozent davon waren wetterbedingte Ereignisse wie Stürme, Unwetter oder Überschwemmungen. Damit war 2010 das Jahr mit der zweithöchsten Zahl an Naturkatastrophen seit 1980. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden betrugen rund 130 Milliarden US-Dollar. Das Jahr 2010 gehörte damit auch zu den sechs schadenintensivsten Jahren für die Versicherungswirtschaft seit 1980. Die jüngsten Temperaturrekorde und die Häufung der Naturkatastrophen sind nach Ansicht der Klimawissenschaft deutliche Indizien dafür, dass der Klimawandel voranschreitet.

Plötzliche Kälteeinbrüche vervollständigen das Bild

Auch die in den letzten Wintern zu beobachtenden plötzlichen Kälteeinbrüche sind kein Grund zur Entwarnung, im Gegenteil. Arbeiten des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) kommen zu dem Ergebnis, dass harte Winter keinesfalls der globalen Erwärmung widersprechen, sondern es im Gegenteil das Bild sogar vervollständigen. Durch den Klimawandel schrumpft das Eis in der östlichen Arktis auf dem Meer. Diese eisfreie Fläche in der Barents-Kara-See begünstigt dann die Bildung von Hochdruckgebieten in dieser Gegend. Im Ergebnis kommt dann die Kaltluft über Osteuropa bis nach Deutschland und verursacht die z.T. heftigen zwischenzeitlichen Kälteeinbrüche.

Fazit: Die Energiewende ist nötiger denn je. Wir werden weiter mit aller Kraft daran arbeiten. Alle, die sie jetzt - mit fadenscheinigen Argumenten - aufhalten wollen, haben ofensichtlich nur ihren eigenen Profit, nicht aber das Wohl kommender Generationen im Blick.

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