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Familienpolitik | 16.09.2010

Regenbogen-Familien-Fest

Fast 200 Gäste, darunter rund 50 Kinder, kamen am 12. September 2010 auf Einladung der grünen Bundestagsfraktion zum "Regenbogen-Familien-Fest". Bei schönem Wetter und in sehr familiärer Atmosphäre wurde diskutiert, gespielt und gegrillt.

Fraktionsvorsitzende Renate Künast - begleitet von den fröhlichen Stimmen unserer jüngsten Gäste - erinnerte an die historische Entwicklung des Familienbegriffes auch bei den Grünen: Familie ist, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Auch Regenbogenfamilien gehörten in die Mitte der Gesellschaft. Das sei allerdings bei vielen Konservativen noch nicht angekommen.

Volker Beck schilderte die rechtliche Auseinandersetzung die seit Jahren geführt wird, um Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare zu beenden. Es sei beschämend, dass die Gerichte dem Gesetzgeber immer wieder auf das Gleichbehandlungsgebot aller Familie erinnern müssten.

Die kinder- und familienpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Katja Dörner, hob die Bedeutung des Kindeswohls hervor: Dafür seien Liebe und Engagement der Eltern entscheidend, nicht die Geschlechterkonstellation der Eltern.

Während die meisten kleinen Gäste nach der Begrüßungsrunde eifrig an einem Kinderprogramm teilnahmen, ging die Diskussion im Saal weiter. Zwei Regenbogenfamilien berichteten unter Moderation von Ingrid Hönlinger, Sprecherin für Demokratiepolitik, aus ihrem Alltag. Marcel und Rainer haben insgesamt drei Kinder in Pflege genommen – die älteste Tochter ist nun 16 Jahre alt. Neben den Freuden der Elternschaft berichteten die beiden Väter aber auch von Schwierigkeiten vor allem mit den Jugendämtern. Durch die häufigen Umzüge der leiblichen Mütter der Kinder hätten sie es häufig mit wechselnden Ansprechpartnern überall in der Republik zu tun – und nicht alle hätten die nötige Kompetenz, um mit der besonderen Situation einer Regenbogenfamilie umzugehen.

Katharina Doumler besuchte das Fest zusammen mit ihrer Frau und der gemeinsamen Tochter. Sie berichtete, dass bei Kita-BetreuerInnen mitunter zu wenig Sensibilität vorhanden sei. Anschaulich schilderte sie, dass es nicht möglich war, ihre Familie auf der Familien-Fotowand der Kita zu veröffentlichen, weil die Erzieherinnen sich nicht in der Lage sahen, den anderen Kindern die Situation zu erklären. Es sei dringend notwendig, dass die Realität von Regenbogenfamilien auch in Materialien wie etwa in Schulbüchern auftaucht.

Danach gab es eine Podiumsdiskussion mit der Soziologin Andrea Dürnberger, Dr. Bettina Rainer vom Zukunftsforum Familie, Constanze Körner vom Lesben- und Schwulenverband (LSVD) und Monika Lazar, Sprecherin für Frauenpolitik der grünen Bundestagsfraktion. Thema: die Lebensrealitäten von Regenbogenfamilien. Trotz einiger Erfolge ist in Sachen Gleichstellung noch nicht alles erreicht. Rechtliche Ungleichbehandlung, vor allem im Adoptions- und Steuerrecht, gibt es nach wie vor. Auch bei der gesellschaftlichen Anerkennung gibt es immer wieder Probleme, vom verweigerten Familienticket an der Zoo-Kasse bis hin zu offener Diskriminierung der Eltern in der Schule. Doch trotzdem sind Regenbogenfamilien mittlerweile sichtbarer Teil unserer Gesellschaft. Die grüne Bundestagsfraktion wird sich auch weiterhin für ihre volle rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung einsetzen.

Nach der Diskussion waren die Gäste zu einem gemeinsamen Familien-Grillfest eingeladen. Dabei konnten die Erkenntnisse aus den Podiumsrunden bei Bio-Bratwürstchen und Salaten weiter vertieft werden.

 

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Renate Künast
Renate Künast: "Familie ist, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen."
Volker Beck
Volker Beck beklagt, dass Gerichte dem Gesetzgeber immer wieder an das Gleichbehandlungsgebot aller Familie erinnern müssen.
Katja Dörner
Katja Dörner betont, dass für das Kindeswohl Liebe und Engagement der Eltern entscheidend sind, nicht deren Geschlechterkonstellation.
Ingrid Hönlinger
Ingrid Hönlinger moderiert die Diskussion ...
Ingrid Hönlinger moderiert
... während - mit wenigen Ausnahmen - die meisten kleinen Gäste am Kinderprogramm teilnahmen.
Ungeduld bei einer kleinen Teilnehmerin
Monika Lazar und Constanze Körner
Podiumsdiskussion (u.a.) mit Constanze Körner vom Lesben- und Schwulenverband (im Bild rechts) und der frauenpolitischen Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Monika Lazar.
Familien-Grillfest
Nach der Diskussion waren die Gäste zu einem gemeinsamen Familien-Grillfest eingeladen. Dabei konnten die Erkenntnisse aus den Podiumsrunden bei Bio-Bratwürstchen und Salaten weiter vertieft werden.